Atlético Madrid hat mit dem FC Barcelona einmal mehr einen Favoriten in der Champions League gestoppt – und darf nach dem Einzug ins Halbfinale selbst vom ersehnten Titel in der Könígsklasse träumen.
Es wurde ein langer Abend bei Atlético Madrid, nach dem Erreichen des Halbfinales in der Champions League. Auch für die Social-Media-Abteilung des Klubs, die eine halbe Stunde nach Mitternacht eine offenbar vorbereitete Fotomontage absetzte: Darauf abgebildet waren die Atlético-Stars Antoine Griezmann, Julian Alvarez, Ademola Lookman und Alexander Sörloth, mit Sonnenbrille und Kopfhörern. Eine Referenz an LeBron James, der diesen Look berühmt gemacht hat, auch als Internet-Meme.
Viertelfinale
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Sticheleien bei Social Media
Der Post richtete sich wohl auch an Lamine Yamal: Barcas Jungstar hatte sein Profilbild bei Instagram kurz vor dem Rückspiel gegen Atlético geändert, es zeigte LeBron James mit Meisterpokal aus der Saison 2016. Seinerzeit führte der NBA-Superstar seine Cleveland Cavaliers nach einem aussichtslos erscheinenden Rückstand im Finale noch zum Titel.
Eine ähnliche Aufholjagd beschwor auch Yamal nach Barcas 0:2-Niederlage aus dem Viertelfinal-Hinspiel – am Ende blieb den Katalanen nur der Spott des Gegners, der bei der knappen 1:2-Niederlage den Vorsprung aus dem Hinspiel verteidigte und nun um den Einzug ins Endspiel spielen darf.
Atlético wird zu Barcas Angstgegner
Barca musste sich damit bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr in einem K.o-Duell den “Rojiblancos” geschlagen geben: Im Februar war Spaniens Tabellenführer in der Copa del Rey ebenfalls gegen “Atleti” ausgeschieden, trotz einer beinahe epischen Aufholjagd, nach einem 0:4 im Hinspiel reichte ein 3:0-Sieg am Ende nicht.
Atléticos PR-Abteilung nutzte den erneuten Coup gegen Barca noch zu einer Reihe weiterer, teils spätpubertärer Social-Media-Botschaften. Die favorisierten Katalanen wiederum hatten sich vor dem Rückspiel im gefürchteten Metropolitano sehr selbstbewusst gegeben, trotz der Hinspielniederlage im eigenen Stadion.
Barca hadert mit Schiedsrichter – “Spiel gestohlen”
Coach Hansi Flick äußerte sich “voller Stolz” über seine Spieler, haderte aber mit dem Spielglück.”Wir haben eine fantastische erste Hälfte gespielt, hätten aber mehr Tore machen müssen. Wenn man auf beide Spiele schaut, hätten wir es verdient gehabt, weiterzukommen.” An den Diskussionen über die Unparteiischen wollte sich Flick, anders als nach dem Hinspiel, aber nicht beteiligen. Barca beendete die Partie wie schon im Hinspiel nach dem Platzverweis gegen Eric Garcia in Unterzahl. Der Treffer von Ferran Torres zum vermeintlichen 3:1, das zumindest eine Verlängerung gebracht hätte, wurde nach dem Video-Check wegen einer knappen Abseitsstellung zu Recht wieder einkassiert.
Der verletzte Stürmer Raphinha sprach dennoch von einem “gestohlenen Spiel”. Die in Barcelona ansässige Zeitung “Sport” titelte: “Was für eine Ungerechtigkeit! Die Schiedsrichterentscheidungen fielen alle zu Ungunsten von Blaugrana aus.”
In den spanischen Medien war es auch ein Thema, dass Atlético-Coach Diego Simeone nach dem Schlusspfiff am Spielfeldrand vergeblich darauf wartete, dass ihm sein Gegenüber Hansi Flick zum Sieg gratulierte. Besonders hoch hängen sollte man dies nicht, auch Simeone verabschiedet sich nach Spielende am liebsten gleich in die Katakomben. Handshakes hält er nach eigenem Bekunden für unaufrichtig, besonders nach Niederlagen.
Gewohnt lautstark: Atleticos Trainer Diego Simeone
Atléticos Defensivstil – gefürchtet, aber erfolgreich
Atlético gefällt sich schon etwas länger in der Rolle des Bürgerschrecks in Europas Champagner-Klasse, spätestens seit Jürgen Klopp vor sechs Jahren nach einem Ausscheiden mit Liverpool eine Grundsatzkritik über Simeones penetranten Defensivstil lieferte. Das Image des reinen Zerstörer-Klubs hat Atlético aber zuletzt etwas abgelegt, zumindest in der Champions League: In den K.o.-Duellen zuvor, gegen Brügge und Tottenham, gab es ein Torfestival nach dem anderen.
Die altbekannten Qualitäten des “Cholismo”, benannt nach Simeones Spitznamen “El Cholo”, bringt Atlético aber nach wie vor auf den Rasen: starke Physis, defensive Widerstandskraft und ein hervorragendes Umschaltspiel – damit brachten sie wieder einmal einen Titelfavoriten zu Fall.
Keeper Musso mehr als ein Oblak-Vertreter
Gegen Barca ragte, neben dem omnipräsenten, spielstarken Mittelfeld-Organisator Marcos Llorente, auch Torhüter Juan Musso heraus: Der 1,91-Meter-Keeper wird ein immer besserer Vertreter von Jan Oblak. Die seit Wochen verletzte Nummer eins war in der Vergangenheit gerade in knappen Duellen oft der große Rückhalt für Atlético. Musso verhinderte mit starken Rettungstaten gegen Yamal, Dani Olmo und Torres gleich mehrfach einen höheren Rückstand und damit das drohende Ausscheiden. Die Zeitung “Marca” adelte ihn im Anschluss als “besten Ersatztorhüter der Welt”.
“Wir haben zu keinem Zeitpunkt den Kopf hängen lassen. Wir haben großes Vertrauen in unser Team. Wir glauben an unseren Traum”, sagte Musso im Anschluss und sprach damit auch die große Sehnsucht des Klubs aus.
Atlético weiter ohne Titel in der Königsklasse
So erfolgreich die “Rojiblancos” in der Champions League in den vergangenen Jahren auch waren – zum ganz großen Wurf, dem Titel in der Königsklasse reichte es nie, auch nicht im Vorgänger-Wettbewerb, dem Landesmeister-Pokal. Besonders traumatisch waren die zwei höchst unglücklichen Final-Niederlagen 2014 und 2016 gegen den großen Stadtrivalen Real Madrid. Jetzt fehlen den “Rojiblancos” nur noch zwei Schritte für den erneuten Einzug ins Endspiel um den “Henkelpott”.
Quelle:
www.sportschau.de



