Schon die Bibel kennt die Kraft des Schattens. Im Gleichnis vom Senfkorn im Markusevangelium vergleicht Jesus Christus das Reich Gottes mit einem kleinen Samenkorn, aus dem ein großes Gewächs heranwächst, dessen Zweige den Vögeln des Himmels Schutz bieten. Der Schatten steht dabei für Geborgenheit, Fürsorge und Bewahrung.
In den vergangenen Wochen, als bereits im Juni außergewöhnlich hohe Temperaturen gemessen und neue Hitzerekorde verzeichnet wurden, sehnten sich viele Menschen nach Abkühlung und einem Platz im Schatten. Gerade in Großstädten sind schattige Orte jedoch oft rar. Vielerorts fehlen Bäume und andere natürliche Schattenspender.
Das zeigt sich auch in Köln. Rund um das Generalvikariat des Erzbistums Köln in der Marzellenstraße arbeiten täglich zahlreiche Menschen. Doch an dieser markanten Straße, unweit des Kölner Doms mit der barocken Kirche St. Mariä Himmelfahrt, steht kein einziger Baum.
Marzellenstraße begrünen
Der für die Bistumsfinanzen zuständige Ökonom Gordon Sobbeck griff dieses Thema während der jüngsten Hitzewelle in den sozialen Medien auf. Er stellte die Frage, was wäre, wenn die Marzellenstraße begrünt würde. Sein Beitrag fand großen Anklang und wurde vielfach geteilt. Offensichtlich traf er einen Nerv.
Beim Umweltbeauftragten des Erzbistums Köln, Christian Weingarten, stößt die Idee ebenfalls auf Zustimmung. “Wir merken hier in der Straße, wie warm allein von unten der Asphalt ist”, sagt er in der sonnigen Marzellenstraße, wo auch er arbeitet.
“Wenn wir hier Bäume hätten und pflanzen würden, dann führt das dazu, dass wir die Straße verschatten. Und es gäbe noch einen zweiten Effekt, nämlich die Verdunstung des Wassers. Diese nimmt auch Wärme aus der Luft raus und kühlt ab.” Bis zu zehn Grad Celsius könnte es dann hier kühler sein.
Zusammenarbeit mit der Stadt
Die Marzellenstraße könnte beispielhaft zeigen, wie Stadtbegrünung zur Anpassung an den Klimawandel beitragen kann, erklärt Ökonom Sobbeck in seinem Beitrag. Über den bistumseigenen Nachhaltigkeitsplan hinaus spricht er sich für eine engere Zusammenarbeit mit der Stadt Köln aus. Für eine Begrünung der Marzellenstraße könnten sich zahlreiche Akteure zusammenschließen und gemeinsam Verantwortung übernehmen.
“Ähnlich wie beim Klimaschutz kann man die Anpassung an den Klimawandel nicht allein machen. Man muss in Netzwerken zusammenarbeiten. Die Marzellenstraße hier ist vielleicht schon ein kleines Netzwerk, das zusammen Veränderungen bewirken kann”, sagt der Umweltbeauftragte Christian Weingarten.
Nach dem Vorbild anderer europäischer Städte wie Paris könnte die Begrünung der Marzellenstraße zu einem Projekt mit Signalwirkung für ganz Köln werden. Mehr Bäume würden nicht nur die Aufenthaltsqualität verbessern und die Folgen extremer Hitze abmildern.
Quelle:
www.domradio.de



