Marktbericht
Auch gute internationale Vorgaben helfen dem DAX heute nicht – der KI-Funke will nicht überspringen. Im Fokus steht auch weiter der VW-Konzern, der vor einer großen Neuausrichtung steht.
Nach der Vortageserholung legt der deutsche Aktienmarkt zum Wochenschluss eine Atempause ein. Die Tech-Rally aus der Nacht, sowohl in New York als auch in Asien, hält den DAX zwar über 25.000 Punkten – zu mehr reicht es aber nicht.
Der deutsche Leitindex schwankt am Vormittag in einer engen Handelsspanne zwischen bisher 25.071 und 25.195 Zählern und ringt aktuell mit seinem Schlussstand bei 25.118 Zählern – vorbörsliche Indikationen bestätigen sich damit. Damit deutet sich für den Leitindex ein Wochenverlust von rund zweieinhalb Prozent an. Der MDAX der mittelgroßen Werte legt rund ein halbes Prozent zu.
Der KI-Funke, der noch in der Nacht vor allem die US-Technologiebörse Nasdaq und im Gefolge auch die asiatischen Börsen angetrieben hatte, will nicht überspringen. Denn die großen Protagonisten der KI-Rally sitzen nun mal in New York und Asien, der DAX kann da nicht mithalten. Die Dynamik der KI-Bewegung, das hat der gestrige Tag aber gezeigt, bleibt ungebrochen.
In New York legte am Vorabend die Nasdaq deutlicher um 1,6 Prozent zu – Standardwerte waren hingen weniger gefragt, der US-Leitindex Dow Jones stieg nur um 0,3 Prozent. Auch in Asien war es in der Nacht bergauf gegangen. Geopolitische Sorgen rückten in den Hintergrund. In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 1,2 Prozent höher, gegen Sitzungsende hatten Gewinnmitnahmen eingesetzt.
“Die japanischen Aktien haben sich an der Rally der US-Technologiewerte orientiert”, sagte Marktanalyst Shuutarou Yasuda von Tokai Tokyo Intelligence Laboratory.
Zwar gingen in der Nacht die US-Angriffe gegen Iran den zweiten Tag in Folge weiter, die Anleger zeigen sich aber weiterhin nicht wirklich beeindruckt. Eine Einigung der Konfliktparteien scheint an der Börse weiter das bevorzugte Szenario zu sein. Denn trotz aller Angriffe arbeiten Washington und Teheran laut der US-Regierung weiter an einer diplomatischen Lösung des Konflikts.
“Die Vereinigten Staaten setzen sich weiterhin für eine Lösung ein, und die technischen Gespräche laufen weiter”, sagte ein Regierungsbeamter der Nachrichtenagentur dpa. “Der Markt scheint die jüngsten Spannungen zwischen den USA und dem Iran eher als Belastung für den Waffenstillstandsprozess denn als vollständigen Zusammenbruch zu sehen”, sagte Warren Patterson, Rohstoffstratege der ING Groep in Singapur.
Angetrieben wurde der Chip-Rally auch vom erfolgreichen Börsengang des südkoreanische Halbleiterherstellers SK Hynix in den USA. Das Unternehmen setzte den Preis für seine US-Aktien (ADR) auf 149 Dollar fest und nimmt damit rund 26,5 Milliarden Dollar ein. Damit ist die Aktienemission die zweitgrößte aller Zeiten nach dem 85,7 Milliarden Dollar schweren Börsengang des US-Raumfahrtkonzerns SpaceX vor wenigen Wochen.
Die Emission von SK Hynix war Insidern zufolge mehr als siebenfach überzeichnet. Die Papiere sollen am Freitag unter dem Kürzel “SKHY” erstmals an der US-Technologiebörse Nasdaq gehandelt werden. Das Geld soll vor allem in den Ausbau der Produktionskapazitäten fließen.
Auslöser der Kursgewinne an der Nasdaq war der Halbleiterhersteller Micron, dessen Aktie um 4,5 Prozent zulegte. Das Unternehmen hatte Pläne für Investitionen von mehr als 250 Milliarden Dollar in den USA bis 2035 vorgestellt, um von der hohen Nachfrage nach Speicherchips für Künstliche Intelligenz (KI) zu profitieren. Die Dynamik der KI-Bewegung bleibt in Anbetracht solcher Planungen damit ungebrochen.
“Dies ist immer noch ein Bullenmarkt, der stark von KI angetrieben wird”, sagte der Anlagestratege Ross Mayfield von Baird.
Nach der Sitzung des VW-Aufsichtsrates zu möglichen weiteren Einsparungen bekräftigt Konzernchef Oliver Blume das Ziel, den Autobauer neu auszurichten. Der Vorstand treibe die Transformation weiter voran, teilte Blume in einem Statement mit.
Der VW-Firmenchef sprach von der “umfassendsten Neuausrichtung der Konzerngeschichte”. VW müsse konsequent Kosten senken, Konzernsynergien heben, Komplexität reduzieren und so die Ertragskraft nachhaltig steigern, betonte auch Finanzvorstand Arno Antlitz. Rund 100.000 Stellen könnten im Konzern weltweit wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant.
Sowohl Volkswagen, als auch Konkurrent BMW legen heute noch ihre Absatzzahlen für das erste Halbjahr vor.
Der durch US-Glyphosatklagen von hohen Schulden belastete Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer verschafft sich durch einen Milliardendeal mit der Beteiligungsgesellschaft Apollo mehr finanziellen Spielraum.
Apollo erhalte eine Minderheitsbeteiligung an einer neuen Gesellschaft, in die Bayer sein Geschäft mit reversiblen Langzeit-Verhütungsmitteln (LARC) einbringe, teilte der DAX-Konzern heute mit. Dadurch sichert sich Bayer den Angaben zufolge 3,0 Milliarden Euro Eigenkapital.
Bayer behält die Anteilsmehrheit an der Gesellschaft sowie die vollständige operative Kontrolle über das LARC-Geschäft, das Teil des Kerngeschäfts der Pharmasparte bleibt. Der Abschluss der Transaktion werde für das dritte Quartal 2026 erwartet.
Quelle:
www.tagesschau.de




