Werbungspot_imgspot_img
Analyse & RecherchenInterviewsFestgenommener DW-Journalist Uludağ vorerst freigelassen

Festgenommener DW-Journalist Uludağ vorerst freigelassen

Der am Dienstag erneut festgenommene Gerichts- und Investigativjournalist Alican Uludağ ist am Mittwochnachmittag im türkischen Ankara unter Auflagen wieder freigelassen worden. Er muss sich laut der DW viermal pro Woche bei der türkischen Polizei melden und es wurde ein Ausreiseverbot gegen ihn verhängt. Das neue Ermittlungsverfahren, das zusätzlich zu einem bereits laufenden Verfahren gegen Uludağ angestrengt wurde, wird fortgesetzt. 

Die Generalstaatsanwaltschaft Ankara hatte zuvor mitgeteilt, dass aufgrund einiger Äußerungen Uludağs auf der Plattform X ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde. Als Rechtsgrundlage der Ermittlungen führte sie die Artikel 216 (Öffentliche Aufstachelung zu Hass und zur Feindseligkeit und die Herabwürdigung von Bevölkerungsgruppen) und 217a (Öffentliche Verbreitung irreführender Informationen) des türkischen Strafgesetzbuches an.  

Uludag im Kreise einiger Kollegen der DW und anderer Medienhäuser im Mai 2026
Der DW-Journalist Alican Uludag im Kreise einiger Kollegen der DW und anderer Medienhäuser im Mai 2026 Bild: Dilek Şen, DW Türkisch

DW-Intendantin Barbara Massing nannte die Festnahme “zutiefst besorgniserregend”. Journalistische Arbeit dürfe nicht kriminalisiert werden. “Alican recherchiert und berichtet seit vielen Jahren unabhängig und im öffentlichen Interesse über Justiz, Politik und Gesellschaft in der Türkei. Wir erwarten, dass seine Rechte uneingeschränkt gewahrt werden, und fordern auch hier ein rechtsstaatliches und faires Verfahren. Die Deutsche Welle steht weiterhin fest an seiner Seite.”

Alican Uludağ war bereits am 19. Februar 2026 wegen kritischer Äußerungen auf X festgenommen worden und hatte bis zum 21. Mai in Untersuchungshaft gesessen. Während seiner Inhaftierung hatten zahlreiche nationale und internationale Organisationen sowie die Bundesregierung seine Freilassung gefordert. Das Verfahren gegen ihn soll am 18. September fortgesetzt werden.  

Verfahren wird im September fortgesetzt 

Auch jetzt verfolgt das Auswärtige Amt nach eigenen Angaben den Fall sehr aufmerksam. Die neuerliche Festnahme des Reporters der Deutschen Welle (DW) habe die Bundesregierung “sehr irritiert”, sagte ein Sprecher des Ministeriums in Berlin. Vom Auswärtigen Amt hieß es weiter, Pressefreiheit und Rechtsstaatlichkeit seien höchste Güter, an denen sich die Türkei als Mitglied des Europarates messen lassen müsse.

Uludağ ist kein Einzelfall. Zahlreiche Journalistinnen und Journalisten in der Türkei sehen sich mit Inhaftierungen oder politischem Druck konfrontiert. Seit seiner ersten Verhaftung kam es zu mehreren Verfahren gegen Medienschaffende, bei denen insgesamt mehr Urteile gefällt wurden als sonst innerhalb eines ganzen Jahres. Um die Pressefreiheit im Land steht es insgesamt schlecht: Im Weltpressefreiheitsindex 2026 der Reporter ohne Grenzen ist die Türkei um vier Plätze zurückgefallen und belegt nun Rang 163 von 180 Ländern. 

sth/tl (DW, Agenturen) 


Quelle:

www.dw.com