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Analyse & RecherchenInterviewsGroßbritannien: Andy Burnham ist neuer Premierminister

Großbritannien: Andy Burnham ist neuer Premierminister

Andy Burnham ist neuer Premierminister des Vereinigten Königreichs. König Charles III. beauftragte den Chef der sozialdemokratischen Labour-Partei mit der Regierungsbildung. Der frühere Bürgermeister der Metropolregion Manchester folgt seinem Parteikollegen Keir Starmer, der unter großem Druck im Juni seinen Rücktritt angekündigt hatte. Burnham ist bereits der siebte Regierungschef in Großbritannien innerhalb von ​zehn Jahren.

Burnham kündigt massive Veränderungen an

Kurz nach seiner Kür zum Premierminister kündigte Burnham die “größten Veränderungen der letzten 40 Jahre” an. “Wir werden diesen Moment zu einem Wendepunkt für Großbritannien machen”, sagte der 56-Jährige in der Downing Street, nachdem er von König Charles III. mit der Regierungsbildung beauftragt worden war. 

Großbritanniens König Charles empfängt Andy Burnham im Buckingham Palace
Andy Burnham zu Gast bei König Charles III., der ihn für das Amt ernannteBild: Aaron Chown/REUTERS

“Ich werde gleich durch diese Tür hinter mir gehen und meine erste Anweisung erteilen, um die Obdachlosigkeit auf unseren Straßen in unserem Land zu beenden”, sagte Burnham gegen Ende seiner kurzen Rede. Großbritannien müsse der Welt zeigen, dass es die Stabilität wiedererlangen könne. “Das ist unsere Herausforderung: die Politik zum Funktionieren zu bringen – und sie besser funktionieren zu lassen”, sagte Burnham.

“König des Nordens”

Der wegen seiner Beliebtheit in Manchester als “König des Nordens” bezeichnete Burnham ist seit Wochen der Hoffnungsträger für Labour, das Land doch noch aus der Krise führen zu können. Unter Starmer hatte die Partei im Sommer 2024 einen überzeugenden Wahlsieg errungen, die komfortable Mehrheit im Parlament aber wegen interner Streitigkeiten nie wirklich nutzen können. Seit Monaten liegt die rechtspopulistische Partei Reform UK in Umfragen teils deutlich vorn.

Großbritannien London - Andy Burnham & Marie-France van Heel vor dem Buckingham Palace
Andy Burnham und seine Frau Marie-France van Heel vor dem Buckingham PalaceBild: Aaron Chown/AFP

Burnham war am Freitag zum neuen Labour-Vorsitzenden ernannt worden. Er beschrieb sich in seiner Antrittsrede selbst als Mann der Basis. Er gilt als klassisch sozialdemokratischer, links der Mitte verorteter Labour-Politiker. Burnham versprach, die Kontrolle über Wasser, Energie, Wohnungsbau und öffentliche Verkehrsmittel wieder stärker in die öffentliche Hand zu bringen und die in London konzentrierte politische und wirtschaftliche Macht in die Regionen zu verlagern. Eine vollständige Rückkehr in die Europäische Union scheint auch unter dem neuen Premier ausgeschlossen.

Burnham kennt die Gepflogenheiten in Westminster

Der neue Premier steht vor vielen der Probleme, die sein direkter Vorgänger Starmer nicht hatte lösen können. Die britische Wirtschaft schwächelt, außenpolitisch verliert die Nation an Bedeutung, und die Bevölkerung leidet unter sozialer Ungleichheit und sehr greifbaren Faktoren wie Wohnungsnot und hohen Energiekosten. 

Die Gepflogenheiten in Westminster kennt Burnham ganz genau. Im Kabinett des damaligen Premierministers Gordon Brown war er in den 2000er-Jahren unter anderem Gesundheitsminister. In den Jahren 2010 und 2015 hatte er bereits zweimal erfolglos versucht, an die Spitze der Labour-Partei gewählt zu werden. Die Ernennung am Freitag erfolgte ohne Gegenkandidaten.

Keir Starmer zieht positive Bilanz

Unterdessen zog Keir Starmer zum Ende seiner Amtszeit als britischer Premier eine positive Bilanz. Beim Verlassen des Amtssitzes in der Downing Street 10 in London sagte er vor Reportern, er sei überzeugt, dass Großbritannien heute “stärker und fairer” sei als bei seinem Amtsantritt vor zwei Jahren. Er gehe “mit einem Lächeln” und sei “stolz auf alles, was wir erreicht haben”.

Großbritannien London 2026 - Keir Starmer tritt als Premierminister zurück & übergibt an Andy Burnham
“Positive Bilanz”: Keir Starmer beim Verlassen des Amtssitzes in der Downing Street 10 vor ReporternBild: Isabel Infantes/REUTERS

Starmer hatte am 22. Juni angesichts miserabler Umfragewerte und einer schweren Schlappe von Labour bei den Regional- und Kommunalwahlen im Mai seinen Rücktritt angekündigt. Der bei den Briten beliebte Burnham ist ein Hoffnungsträger für die sozialdemokratische Labour-Partei: Sie hofft, dass er Wählerstimmen von der rechtspopulistischen Partei Reform UK zurückholen kann.

Merz gratuliert Burnham

Bundeskanzler Friedrich Merz hat Andy Burnham zum Amtsantritt gratuliert und zu einem baldigen Besuch in Deutschland eingeladen. Sehr gern wolle er sich mit Burnham “zu den vor uns liegenden Herausforderungen austauschen”, erklärte der CDU-Politiker in Berlin. Das Vereinigte Königreich und Deutschland seien einander enge Verbündete und Partner. “Gerade in diesen Zeiten beweist sich unsere tiefe Verbundenheit.”

pg/pgr (dpa, afp, rtr)


Quelle:

www.dw.com