Irans Revolutionsgarden haben nach eigenen Angaben ein zweites Schiff in der Straße von Hormus außer Gefecht gesetzt. Der Besatzung würden Verstöße gegen die Vorschriften in der Straße von Hormus vorgeworfen, erklärte die Elitestreitmacht an diesem Sonntag in einer vom Staatsfernsehen und der Nachrichtenagentur IRNA verbreiteten Mitteilung.
Alarm in Golfstaaten: Angriffe mit Raketen und Drohnen
Außerdem bekannten sich die Revolutionsgarden zu Angriffen auf US-Militärbasen in Jordanien und mit den USA verbündeten Golfstaaten. “In einer ersten Phase” hätten die Luftstreitkräfte wichtige militärische Infrastruktur und Anlagen auf dem Luftwaffenstützpunkt Prince Hassan Air Base in Jordanien angegriffen, teilten sie in sozialen Medien mit. Zudem habe man den strategisch bedeutenden US-Luftwaffenstützpunkt al-Udeid im Emirat Katar mit ballistischen Raketen angegriffen. Das Wartungszentrum für Kampfjets und die Kommandozentrale seien zerstört worden.
Katars Innenministerium sprach von einer ernsten Sicherheitslage. Drei Menschen, darunter ein Kind, wurden nach Behördenangaben verletzt. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, zu Hause zu bleiben.
Auch die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und Bahrain meldeten neue Angriffe aus Iran.
Besatzung der “GFS Galaxy” verlässt Schiff nach Brand
Zuvor hatte das US-Militär zum dritten Mal innerhalb einer Woche in der Nacht zum Sonntag Ziele in Iran attackiert. Das zuständige US-Regionalkommando CENTCOM sprach von einer Reaktion auf den iranischen Angriff auf ein weiteres Handelsschiff in der Straße von Hormus Stunden zuvor. Auf dem unter der Flagge Zyperns fahrenden Containerschiff “GFS Galaxy” war laut CENTCOM ein Feuer ausgebrochen. Die Besatzung verließ das Schiff, wie die britische Behörde für Sicherheit und Handelsschifffahrt (UKMTO) mitteilte. Ein Crewmitglied wird vermisst.
Die Revolutionsgarden hatten eigenen Angaben zufolge Warnschüsse auf das Schiff abgegeben und es gestoppt, weil es sich auf einer “nicht genehmigten Route” vor der Küste Omans befunden habe.
Iran besteht darauf, dass Handelsschiffe nur eine festgelegte Route durch seine nördlichen Hoheitsgewässer nutzen, während die USA eine Strecke unterstützen, die nahe an den Gewässern Omans liegt.
CENTCOM: 140 militärische Ziele attackiert
CENTCOM teilte weiter mit, die US-Streitkräfte hätten in der vergangenen Nacht rund 140 iranische Militärziele mit Präzisionsmunition angegriffen. Diese sei von land- und seegestützten Kampfflugzeugen, Drohnen und Marineschiffen abgefeuert worden. Zu den Zielen gehörten danach iranische Raketen- und Drohnenstellungen, Marineeinrichtungen, Munitionslager, Kommunikationsnetze und Küstenüberwachungsstandorte.
Insgesamt habe CENTCOM während der drei Angriffswellen binnen einer Woche auf Anweisung von US-Präsident Donald Trump mehr als 300 Ziele getroffen. Damit solle die Fähigkeit Irans geschwächt werden, zivile Seeleute und Handelsschiffe anzugreifen, die die Straße von Hormus durchquerten.
Iran habe mit dem Angriff auf das Containerschiff eine weitere Gelegenheit verpasst, sich an das Mitte Juni mit den USA geschlossene Rahmenabkommen zu halten, so CENTCOM.
Straße von Hormus: Iran verbietet Durchfahrt
Die Revolutionsgarden erklärten weiter, mehrere Schiffe hätten versucht, eine nicht genehmigte Route durch die Straße von Hormus zu befahren. Aufforderungen, den Weg zu korrigieren, seien ignoriert worden. Infolgedessen und auf Grund der US-Angriffe bleibe die Meerenge bis auf Weiteres geschlossen. Die Durchfahrt sei verboten. Sollten die USA neue Angriffe gegen Iran starten, werde man mit weiteren Attacken auf “feindliche Stützpunkte” in der Region reagieren.
Zugleich warf die Staatsführung in Teheran den USA nach der jüngsten Angriffswelle Vertragsbruch vor. “Die Zeit der einseitigen Abmachungen ist VORBEI. Wir haben es euch gesagt: Haltet euer Wort oder zahlt den Preis”, schrieb der iranische Parlamentspräsident und Verhandlungsführer Mohammed Bagher Ghalibaf im Onlinedienst X.
Auch Irans Militär beschuldigte US-Präsident Trump, Zusagen nicht einzuhalten. “Die Amerikaner versuchen, südlich der Straße von Hormus eine regelwidrige Route durchzusetzen, die der mit der Islamischen Republik Iran unterzeichneten Vereinbarung widerspricht”, sagte Militärsprecher Amir Akraminia laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim. Gemäß dem Rahmenabkommen liege die Verantwortung bei Iran, sagte Akraminia weiter. Teheran bemühe sich gemeinsam mit dem Golfstaat Oman, “eine gemeinsame Verständigung und gemeinsame Regelungen in der Region durchzusetzen”.
Das Mitte Juni geschlossene Rahmenabkommen zwischen beiden Seiten sollte eigentlich den Weg für ein dauerhaftes Ende des Kriegs ebnen. Darin war vereinbart worden, innerhalb von 60 Tagen ein endgültige Vereinbarung auszuhandeln. Es beinhaltet auch die Forderung nach einer freien Schifffahrt durch die für den Welthandel wichtigen Straße von Hormus.
se/ust (dpa, afp, rtr, ap)
Quelle:
www.dw.com




