Erzbischof Udo Markus Bentz eröffnete seine Predigt mit dem Hinweis, dass das Liborifest 2026 beginnen könne. Er begrüßte die Menschen im Paderborner Dom, vor der Leinwand und an den Bildschirmen zur Erhebung der Liborius-Reliquien. Das Leitwort der kommenden Festtage laute “mittendrin”.
Bentz erklärte dieses Leitwort zunächst mit Blick auf den Liborius-Schrein. Der Platz für den Schrein sei noch leer, doch gleich werde Liborius in die Mitte geholt. Während der Gottesdienste, beim Besuch im Dom und in den Prozessionen durch die Stadt solle der Heilige sichtbar “mittendrin” sein.
Herkunft, Tradition, Höhen und Tiefen
Der Erzbischof erinnerte daran, dass die Reliquien des heiligen Liborius im Jahr 836 von Le Mans nach Paderborn kamen. Liborius werde als Heiliger verehrt, als Mensch, der bei Gott sei. Beim Liborifest stehe er mitten im Festgeschehen und werde für Paderborn zu einem “Knotenpunkt im Miteinander”.
Bentz entfaltete dieses Bild in mehreren Richtungen. Liborius stehe mittendrin in der Geschichte des Erzbistums Paderborn, zwischen Herkunft, Tradition, Höhen und Tiefen. Zugleich stehe er für Hoffnung auf Zukunft. Er verbinde gestern, heute und morgen.
Mitten in Welt und Kirche
Liborius stehe auch mitten in der Weite der Kirche. Bentz nannte die Verbindung zwischen Le Mans und Paderborn und begrüßte den Bischof von Le Mans sowie die Delegation der Fraternité. Darüber hinaus weitete er den Blick auf die weltweite Kirche: auf Nachbarbistümer, den Vatikan, Christen im Nahen Osten, in Indien, Asien, Afrika, Amerika, in der Diaspora Nordeuropas sowie auf Grönland, Estland und Lettland.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Miteinander in der Gesellschaft. Bentz beschrieb Libori als Fest, das “Glaube, Gesellschaft, Lebensfreude, Kirche, Kultur und Kirmes” zusammenbringe. Er begrüßte Vertreterinnen und Vertreter aus Stadt, Politik, Gesellschaft und Ökumene. Das Fest sei ein Bekenntnis zu einem Miteinander, das dem Gemeinsamen, Verbindenden und Füreinander verpflichtet sei.
Gemeinsame Verantwortung
Ausdrücklich wandte sich Bentz gegen ein Denken des Ausschlusses. Das Gerede “du bist draußen” führe nicht in die Zukunft. Zukunft entstehe durch gemeinsame Verantwortung und durch ein “mittendrin aller”. Weder in der Gesellschaft noch in der Kirche gehe Erneuerung von polemischen Rändern aus. Zukunft gelinge aus der Mitte heraus.
Bentz verband diesen Gedanken mit einer geistlichen Zusage. Inmitten von Unsicherheiten, Ängsten und Frustration, aber auch in Freude und Hoffnung wohne Gott unter den Menschen. Er griff dafür ein Bild vom Ende der Bibel auf: “Siehe, die Wohnung Gottes unter den Menschen.” Liborius sei dafür ein sichtbares Zeichen und eine Vergewisserung: “Mensch, du bist nicht allein.”
Zeugen für Christus und das Evangelium
Gott lasse die Menschen auch in den Umbrüchen der Zeit nicht im Stich. Christen seien Menschen der Zukunft und der Hoffnung auf Zukunft. Ihr Platz sei nicht am Rand oder abgetrennt, sondern mittendrin in der Gesellschaft. Dort sollten sie Zeugnis für Christus und sein Evangelium geben.
Zum Schluss verdichtete Bentz seine Predigt zu einem Ruf: Christen sollten Christus in ihrer Mitte wohnen lassen. Als Zeichen dafür solle Liborius aus der Krypta getragen werden. Mit den Worten “Auf geht’s, Libori 2026, mittendrin” leitete er den Beginn des Festes ein.
Prozession mit Libori-Schrein
Nach der Eröffnung wurden die Gebeine des heiligen Liborius im vergoldeten Reliquienschrein aus dem Altar in der Krypta des Gotteshauses in den Hochchor der Paderborner Bischofskirche überführt. Damit wird an die Ankunft der Reliquien des heiligen Liborius von Le Mans im Jahr 836 in Paderborn erinnert. Am Sonntag nach dem Pontifikalamt wird der Schrein mit den Reliquien in einer Prozession durch die Stadt präsentiert.
Das Libori-Fest gilt als eines der ältesten Volksfeste Deutschlands. Es erinnert an den heiligen Liborius, den Schutzpatron des Domes, des Erzbistums und der Stadt Paderborn.
DOMRADIO.DE hat vom Libori-Fest 2026 die Vesper mit der Erhebung der Reliquien des Heiligen Liborius aus dem Paderborner Dom mit Erzbischof Udo Markus Bentz übertragen. Es sangen der Domchor und die Domkantorei Paderborn.
Das Paderborner Liborifest wird traditionell am Samstag nach dem 23. Juli, dem eigentlichen Hochfest des heiligen Liborius, mit der Pontifikalvesper eröffnet. Zu Beginn zieht der Paderborner Erzbischof zusammen mit den Bischöfen in den Dom ein. Nach der Begrüßung und Vorstellung der Gäste folgt die Prozession in die Krypta des Domes, wo die Reliquien des Heiligen ruhen und von dort in einem goldenen Schrein in den Dom hochgetragen werden. Bis der Schrein für die nächsten drei Tage seine Aufstellung im Hochchor des Domes gefunden hat, erklingt dreimal der Liboritusch, eine Folge von Dreiklangsbrechungen, gespielt von Blechbläsern des Bahnsozialwerks Paderborn.
Die sich anschließende Vesper folgt der Ordnung der überlieferten römischen Liturgie in lateinischer Sprache. Sie umfasst fünf Psalmen, die die Chöre im Wechsel mit der Gemeinde in Falsibordon-Sätzen von Ludovico da Viadana singen. Nach der Kurzlesung erklingt der Hymnus “Franciae quondam” in einem Satz von Hubert Göbel. Nach dem Magnificat zu fünf Stimmen von Ignaz Mitterer und dem Pontifikalsegen zum Abschluss ist es dann soweit. Zum ersten Mal singen die Gläubigen “Sei gegrüßet, o Libori”, das bekannteste der drei Liborilieder.
Quelle:
www.domradio.de



