Einen Monat nach dem schweren Erdbeben in Venezuela ist die Not in dem Krisenland weiterhin groß. Wie das Kindermissionswerk “Die Sternsinger” am Freitag mitteilte, leben viele Familien in Notunterkünften und provisorischen Camps, die Wasserversorgung wurde vielerorts zerstört. Viele Kinder seien durch die Beben traumatisiert, hätten Eltern, Freunde, Mitschülerinnen und Mitschüler verloren.
Die Zahl der Todesopfer hat nach offiziellen Angaben mittlerweile 5.000 überschritten. Zehntausende Menschen gelten noch immer als vermisst. Angesichts der katastrophalen Lage hat das Kindermissionswerk jetzt 79.000 Euro für humanitäre Hilfen bereitgestellt. “Wir wollen nicht nur Hilfe leisten, wir wollen den Menschen zur Seite stehen”, sagt Pater Jorge Bastidas, Nothilfe-Koordinator der Salesianer Don Boscos in Venezuela.
Neben dringend benötigten Hilfsgütern sei die bloße Anwesenheit oft entscheidend: “Ein offenes Ohr, eine ausgestreckte Hand oder ein aufmunterndes Lächeln können in solchen Momenten genauso wichtig sein wie materielle Hilfe”, berichtet er.
Hilfe in Caracas und La Guaira
Rund 770 Kinder und Jugendliche sowie deren Familien im Großraum Caracas und La Guaira können nach Sternsinger-Angaben mithilfe des Geldes für mindestens drei Monate mit dem Nötigsten versorgt werden.
Der Sternsinger-Partner vor Ort, die Salesianer Don Boscos, verteilt Lebensmittel, Medikamente, Hygieneartikel und stellt Wassertanks zur Versorgung mit sauberem Trinkwasser bereit. Mit der Soforthilfe werden auch rund 190 Kinder und Jugendliche in vier Kinderheimen der Salesianer Don Boscos in den von den Beben stark betroffenen Regionen Caracas und La Guaira erreicht. Sie erhalten lebensnotwendige Hilfe wie Nahrungsmittel und Hygieneartikel.
Bischöfe kritisieren Behörden
Venezuelas Bischöfe haben derweil das Krisenmanagement der staatlichen Behörden scharf kritisiert. In einer am Donnerstag veröffentlichten Botschaft beklagt die Bischofskonferenz, viele Betroffene hätten sich von den öffentlichen Institutionen im Stich gelassen gefühlt. Es sei Pflicht des Staates, auf Naturkatastrophen vorbereitet zu sein.
Die Bischöfe verlangen zudem, dass beim Wiederaufbau frühere Fehler nicht wiederholt werden. Andernfalls würden die Schwächsten erneut unter “Korruption und Gleichgültigkeit” leiden. Die Bischöfe fordern menschenwürdigen Wohnraum und Arbeit für Tausende Obdachlose sowie psychologische und seelsorgliche Begleitung für die Betroffenen.
Sie warnen, die Naturkatastrophe dürfe nicht von den anderen Krisen des Landes ablenken. Die Bischöfe erinnern überdies an politische Gefangene, Menschen, die mit “Elendslöhnen und Armutsrenten” auskommen müssten, Kranke sowie Migranten. Das Erdbeben habe eine Gesellschaft getroffen, die bereits zuvor unter schweren politischen, wirtschaftlichen und sozialen Problemen gelitten habe.
Das sozialistisch regierte Venezuela befindet sich seit Jahren in einer tiefgreifenden wirtschaftlichen, sozialen und humanitären Krise. Hyperinflation, der Zusammenbruch weiter Teile der öffentlichen Infrastruktur sowie Engpässe in der Gesundheitsversorgung und bei der Grundversorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten haben die Lebensbedingungen großer Teile der Bevölkerung massiv verschlechtert.
Quelle:
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