Ausgerechnet Pier Paolo Pasolini, der wie kaum ein anderer Filmschaffender für das intellektuelle Arthouse-Kino des 20. Jahrhunderts stand und spirituelle Meisterwerke wie „Das 1. Evangelium – Matthäus“ schuf, ist für einen der kontroversesten Filme aller Zeiten verantwortlich. Sein verstörendes Drama „Saló oder Die 120 Tage von Sodom“ erscheint Ende Juli in einer neuen Edition beim Label „Wicked Vision“.
Das von Pier Paolo Pasolini inszenierte Drama „Saló oder Die 120 Tage von Sodom“ (1975) variiert den von Marquis de Sade 1785 erdachten gleichnamigen Episodenroman, indem es die Gräueltaten einer dekadenten großbürgerlichen Elite ins faschistische Italien des Jahres 1944 transferiert. Mit teils unerträglicher Direktheit setzt Pasolini pervertierte Machtbesessenheit und Entmenschlichung ins Bild, was zur Folge hatte, dass der Film 1975 zwar den Spezialpreis der Jury in Locarno gewann, bei der Auswertung im Kino aber für Verstörung, Eklats und ohnmächtige Zuschauer sorgte. In Deutschland wurde der Film mit dem Argument von Amtsgerichten beschlagnahmt, dass darin „keine Spuren von Kunst“ erkennbar seien. Auch wenn diese Entscheidungen von höheren Instanzen ein Jahr später zurückgenommen wurden und der Bundesgerichtshof letztinstanzlich den „Kunstanspruch“ des Films attestierte, eilte „Saló“ seither der Ruf eines Skandalfilms voraus. Das monumentale Werk wurde auf eine Gewaltdarstellung reduziert und unter jungen Zuschauern auch als ultimative Mutprobe gehandelt.
Mit der Auswertung von „Saló“ im Heimkino flammte die Diskussion um ein Verbot des Films erneut auf, als die Bundesprüfstelle das Werk als „jugendgefährdend“ etikettierte und den Vertrieb in der Öffentlichkeit stark reglementierte. Erst 2022 gelang eine „Rehabilitierung“ des Films für die private Nutzung sowie eine reguläre „ab 18“-Freigabe durch die FSK.
Der „radikale, trostlose und erschütternde“ Film von Pier Paolo Pasolini (Filmdienst) verlangt auch heute noch nach einer fundierten Begleitung und Einordnung. Diesem Umstand wird die neue, vollständige Version von „Saló oder Die 120 Tage von Sodom“ des deutschen Labels „Wicked Vision“ gerecht. Diese Edition präsentiert den Film nicht nur in bestmöglicher Bild- und Tonqualität, sondern glänzt auch mit einer Reihe von kontextualisierenden Features. Dazu gehören Interviews mit dem Regisseur, Dokumentationen über die (Wirkungs-)Geschichte des Films und Audiokommentare von den Filmwissenschaftlern Rolf Giesen und Marcus Stiglegger.
Die Edition erscheint nur in einer begrenzten Auflage. Vorbestellungen zum Preis von 60 Euro können direkt im Shop des Labels getätigt werden.
Quelle:
www.filmdienst.de




