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Analyse & RecherchenInterviewsVenezuela: IWF gibt nach Erdbeben 346 Millionen Dollar frei

Venezuela: IWF gibt nach Erdbeben 346 Millionen Dollar frei

Nach dem verheerenden Doppel-Erdbeben in Venezuela hat die Regierung laut Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez 346 Millionen US-Dollar beim Internationalen Währungsfonds (IWF) abgerufen. Das Geld aus dem Guthaben Venezuelas beim IWF solle zum Wiederaufbau und zur Unterstützung der betroffenen Familien verwendet werden, teilte Rodríguez bei Telegram mit. Sie dankte IWF-Chefin Kristalina Georgiewa für ihre Unterstützung sowie allen Institutionen, die diesen Schritt ermöglicht hätten.

Mehr als 5000 Tote in Venezuela

Am 24. Juni hatten zwei Beben der Stärke 7,2 und 7,5 das südamerikanische Land im Abstand von weniger als einer Minute erschüttert. Die Zahl der offiziell bestätigten Todesopfer liegt inzwischen bei mehr als 5000. Verletzt wurden demnach 16.740 Menschen. Am schwersten betroffen war der nördlich von Caracas gelegene Küstenstaat La Guaira.

Notunterkunft für Erdbebenvertriebene aus Venezuela, zwei Personen zwischen Doppelstockbetten
Notunterkunft für Erdbebenvertriebene: Viele haben durch die Katastrophe ihr Zuhause verloren Bild: Leonardo Fernandez Viloria/REUTERS

Knapp 18.000 Menschen sollen bei der Katastrophe ihr Zuhause verloren haben. Sie leben in überfüllten Notlagern, in denen es vielfach an Wasser und ausreichenden Sanitäranlagen fehlt. Hunderte Gebäude wurden beschädigt oder komplett zerstört.

Zur Zahl der Vermissten machen die venezolanischen Behörden weiterhin keine Angaben. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnte sie aber bei bis zu 50.000 liegen.

Mehrere Personen an den Trümmern eines Gebäudes
Viele Familien in Venezuela suchen auch heute noch nach ihren Angehörigen in den TrümmernBild: Gaby Oraa/REUTERS

Die Beziehung mit dem IWF war eingefroren

Venezuela und der Internationale Währungsfonds mit Sitz in Washington hatten im April ihre Beziehungen nach siebenjähriger Pause wieder offiziell aufgenommen. Die Beziehungen waren eingefroren, nachdem der IWF 2019 – wie die USA und andere Länder – die Oppositionsregierung unter Juan Guaidó als legitime Regierung Venezuelas anerkannt hatte, und nicht die von Machthaber Nicolás Maduro.

Maduro wurde im Januar durch einen US-Militäreinsatz gestürzt, woraufhin die USA und andere Staaten die Interimsregierung unter Rodríguez anerkannten und auch eine Wiederannäherung an den IWF folgte. Trotzdem verkündete die venezolanische Regierung danach, dass sie vorerst keine IWF-Kredite in Anspruch nehmen wolle.

Venezuelas Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez
Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez besuchte Anfang Juli ein französisches Hilfslager in VenezuelaBild: Miguel Medina/AFP

Venezuela ist seit 2017 zahlungsunfähig

Erst Mitte Mai – noch vor den Erdbeben – kündigte Venezuela einen umfassenden Prozess zur Umstrukturierung seiner Auslandsschulden an. Der seit 2017 zahlungsunfähige venezolanische Staat ist im Ausland mit rund 170 Milliarden US-Dollar verschuldet, was aktuell rund 145 Milliarden Euro entspricht. Die jährliche Wirtschaftsleistung des Landes lag einer IWF-Schätzung zufolge zuletzt bei rund 110 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Im Falle Deutschlands sind es 5,5 Billionen Dollar – also etwa das 50-fache.

pg/wa (dpa, afp, rtr)


Quelle:

www.dw.com