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Der Glaube der Generation Z in Spanien / Spanische Jugend gibt sich spiritueller als je zuvor

Nach der stark von der spanischen Prälatur Opus Dei geprägten 40-jährigen Franco-Diktatur hatten sich die Spanier in den 80er Jahren von der Kirche und der strengen Geistlichkeit entfernt – vor allem die Jugend. Eine neue Ausgelassenheit drückte sich in der “Movida” aus, die mit einem hohen Drogenkonsum und einer verspäteten Kulturrevolution einherging, die in Europa schon die 60er und 70er Jahre geprägt hatte. 

16 Prozent mehr Interesse

Die Empfänglichkeit von Spiritualität ändert sich seit der Pandemie wieder. Laut der spanischen Stiftung Fundación SM, Teil des Ordens Compañía de María, ist der Anteil junger Menschen, für die Religion eine sehr oder ziemlich wichtige Rolle spielt, innerhalb von 5 Jahren um 16 Prozentpunkte auf 38 Prozent gestiegen. 

Allerdings gehört hier nicht nur die katholische Kirche dazu. Im Barometer zu Religion und Weltanschauung der Stiftung für Pluralismus und Koexistenz (Fundación Pluralismo y Convivencia) bezeichnen sich 45 Prozent der jungen Spanier zwar als katholisch – 14 Prozentpunkte mehr als im Jahr 2020 – aber nur wenige von ihnen gehen wie der 19-jährige Marcos mehrmals in der Woche in die Kirche. 

Der junge Spanier studiert in Madrid Betriebswirtschaft, wuchs in einer Familie von praktizierenden Katholiken auf, ging auf eine katholische Schule und ist dort heute fast engagierter als seine Eltern. Auch seine jüngere Schwester Mónica verbringt viel Zeit in den katholischen Jugendorganisationen und geht mit diesen auf Reisen. Das macht sie aber vor allem, weil sie dort eine Freundesgruppe gefunden hat, wo sie sich aufgehoben fühlt.

Spirituelles Erwachen oder nur geschickte Beeinflussung?

Das Barometer von Fundación Pluralismo y Convivencia zeigt, dass nur die wenigsten sich fest an eine Kirche oder konkrete Konfessionen binden, regelmäßig beten oder gar beichten. Es geht den meisten vor allem um neue Bewusstseinserfahrungen. Einige Experten sehen darin auch einen Zusammenhang, warum immer mehr Jugendliche auf Alkohol verzichten und dafür Drogen konsumieren, die sie in andere Bewusstseinszustände versetzen. 

Die Studie der Fundación Pluralismo y Convivencia stellt komplett neue Formen der Spiritualität fest, “persönlicher und weniger institutionalisiert”: “Sie bedeuten keine Rückkehr zur traditionellen Religion, sondern vielmehr die Suche nach Sinn und Verbundenheit im Kontext des kulturellen und generationellen Wandels.” 

Boom von Yoga-Zentren

Wohnen, Arbeitsplatzunsicherheit, psychische Gesundheit und die Auswirkungen sozialer Medien sind die größten Sorgen junger Spanier. Sie versuchen sich mit Entspannung zu beruhigen. Dazu gehört auch ein Boom von Yoga-Zentren in Spanien sowie von Meditationskursen und Entspannungsseminaren. Während 31 Prozent der jungen Menschen in der Studie angeben, an eine Art spirituelle Realität oder Lebenskraft zu glauben, sagen 29 Prozent, dass sie stark oder ziemlich stark an Astrologie glauben, und 23 Prozent an Hellsehen, was wiederum erklärt, warum die Social-Media-Inhalte sich dementsprechend verändert haben. 

Eine Umfrage der protestantischen Beratung Centro de Ayuda Cristiano in Madrid unter 4.138 Menschen im Alter von 18 bis 35 Jahren geht in die gleiche Richtung. Sie bestätigt, dass eine breite Mehrheit von fast 73 Prozent nach spirituellen Lösungen für ihre Probleme sucht.

Für ein Teil ist es eine Rückkehr zu traditionellen Werten

Durch KI werden viele berufliche Träume der heutigen Jugend zerstört und der Klimawandel, der gerade in Spanien extrem spürbar ist, macht vielen Angst. Nichts beflügelt sie in ihrer Suche nach Hoffnung mehr als die Musik, das war vor 60 Jahren mit den Hippies so und funktioniert noch heute. Deswegen hat ein ehemaliger Opus Dei-Priester Hakuna auf den Weg gebracht, eine Jugendbewegung, die religiöse Themen zu Hits macht und damit Massen bewegt – inzwischen über die Grenzen von Spanien hinaus. Auch der international erfolgreiche spanische Star Rosalia hatte damit Erfolg, Spiritualität in ihre Musik zu bringen. Sie präsentierte sich bei ihrer Lux-Tour als Nonne und verglich ihren Kompromiss mit der Musik mit dem der Ordensschwestern, die sie bewundere. Zu ihren Konzerten kamen die Fans gemäß ihres Marketings in weißen Kleidern. 

Für Kritiker ist einiges von dem “neuen Erwachen” zu viel Kult und Sektengehabe, für die Kirchenvertreter ist es ein enormer Erfolg, dass sie die Jugend über soziale Medien auf den Handys wieder zu mehr christlichem Engagement bewegen können. Teilweise steht das in Spanien auch in Zusammenhang mit einer verstärkten erzkonservativen und nationalistischen Bewegung. Die rechtsextreme Vox-Partei unter Leitung des Basken Santiago Abascal, der zwar Kirche predigt, diese aber im privaten Leben wenig repräsentiert, konnte seit 2023 dank der spanischen Jugend das Ergebnis seiner Partei auf über 17 Prozent der Stimmen verdoppeln wie eine Umfrage der spanischen linksgerichteten Online-Zeitung Público zeigt.

Die Gefahr von sektenartigen Bewegungen

Die spanische konservative Tageszeitung ABC warnt zudem davor, dass Jugendliche in die Hände von “Gurus” aus den eigenen Reihen fallen könnten. Ein Paradebeispiel für den Missbrauch der immer beliebteren Exerzitien findet sich bei den “Töchtern der Barmherzigen Liebe (HAM)”, einer öffentlichen Vereinigung von Gläubigen, die seit Ende Juli unter der Aufsicht des Erzbistums Madrid steht. Bis dahin nutzte HAM die spirituelle Hochstimmung aus, um neue Berufungen zu gewinnen. Es erinnert an die Jugend der 80er und 90er Jahre, die in die Hände von religiösen Führern in Indien geriet. Es kam zu Selbstmorden und Drogenabhängigkeit, von Seelenheil weit entfernt. 

Die offiziellen Kircheninstitutionen in Spanien schauen deswegen seit Neuestem genauer hin bei der spirituellen Euphorie ihrer Jugend, die sich auch bei dem Besuch des Papstes im Juni in Gesängen und Tänzen ausdrückte. Wie mit allem, hat der Markt aus der wachsenden Spiritualität auf dem Globus ein Geschäft gemacht, zum Beispiel im Fall von Yoga: Gemäß Fortune Business Insight wurden hier im Jahr 2025 schätzungsweise 63,82 Milliarden US-Dollar umgesetzt, für 2026 wird schon jetzt mit doppelt so viel gerechnet.

Kirche in Spanien

Kirche in Spanien hat zwei Gesichter: Zum einen ist Spanien ein traditionell katholisches Königreich – etwa ab 380 war das Christentum im Römischen Reich endgültig Staatsreligion, also auch in der Provinz Hispanien – in der die Osterprozessionen jedes Jahr tagelang inbrünstig und mit eindrucksvollen Kutten zelebriert werden; wo jede Stadt und Gemeinde einen eigenen Feiertag hat, der dem Stadtheiligen gewidmet ist und imposante Kathedralen zum Weltkulturerbe zählen; ein Land, in dem die katholische Vereinigung Opus Dei gegründet wurde und mit eigenen Universitäten und mächtigen Mitgliedern i


Quelle:

www.domradio.de