43 Wissenschaftler aus fünf Kontinenten, darunter führende Experten aus den Bereichen Toxikologie, Biologie, öffentliche Gesundheit und Umweltwissenschaften, haben einen globalen Aufruf zum Handeln veröffentlicht, der am 4. November in der Fachzeitschrift Environmental Sciences Europe veröffentlicht wurde.
In dem Artikel heißt es: „Wissenschaftler warnen: Wir brauchen einen Paradigmenwechsel, um die Toxikologie und die globale Lebensmittelversorgung zu revolutionieren.“ Unter der Leitung von Prof. Gilles-Éric Séralini fordern Forscher einen radikalen Paradigmenwechsel in der Toxikologie und Chemikalienregulierung, um einem undurchsichtigen und versagenden System ein Ende zu setzen, das die menschliche Gesundheit, die Artenvielfalt und die globale Ernährungssicherheit bedroht.
Voreingenommene behördliche Tests und systemisches wissenschaftliches Fehlverhalten
Den Autoren zufolge stützen sich laufende regulatorische Toxikologietests auf teilweise, oft voreingenommene oder gefälschte Daten, die nicht die tatsächliche chronische Exposition gegenüber Chemikalien widerspiegeln.
Die kommerziellen Formulierungen von Pestiziden und Weichmachern, die aus Erdölnebenprodukten gewonnen werden, waren entgegen den gesetzlichen Anforderungen nie Gegenstand von Langzeitstudien an Säugetieren.
Doch Studien zeigen, dass diese Mischungen bis zu 1.000 Mal giftiger sein können als die isolierten Wirkstoffe, die typischerweise von der Industrie getestet werden.
„Regulierungsbehörden validieren diese unvollständigen Bewertungen und verbergen ihre Daten unter dem Deckmantel des Industriegeheimnisses. Das kommt einer weltweiten Regulierungsfälschung gleich, die die öffentliche Gesundheit und die Umwelt gefährdet“, sagte Professor Gilles-Éric Séralini, Toxikologe und Hauptautor der Studie.
Erdölschadstoffe und Schwermetalle in Pestiziden
Die Forscher enthüllen, dass alle analysierten Pestizide Erdölrückstände und nicht deklarierte Schwermetalle enthalten, eine alte und weit verbreitete Praxis seit ihrer Erfindung.
Aus diesen Inhaltsstoffen entstehen Formulierungen, die tausendmal toxischer sind und die Ausbreitung neurologischer, hormoneller, Immun- und Krebserkrankungen begünstigen.
Diese weit verbreitete Kontamination wirkt sich mittlerweile auf die gesamte Nahrungskette und die Ökosysteme vom Boden bis zum Ozean aus.
„Wir stehen vor einer stillen Epidemie chemischer Verschmutzung. Chronische Krankheiten nehmen zu, die Artenvielfalt bricht zusammen und das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Wissenschaft wird durch jahrzehntelange Interessenkonflikte untergraben“, sagte Dr. Angelika Hilbeck, Biologin an der ETH Zürich.
Ein Wirtschaftsmodell, das die Umweltverschmutzung subventioniert
Die Autoren prangern auch das Versagen des Wirtschaftsmodells an, das aus der „Grünen Revolution“ hervorgegangen ist und die Abhängigkeit von chemischen Inputs zum Nachteil der Subsistenzlandwirtschaft und der öffentlichen Gesundheit erhöht hat.
„Das derzeitige agroindustrielle System subventioniert die Zerstörung von Leben. Öffentliche Haushalte bereichern große Chemieunternehmen, anstatt eine gesunde und widerstandsfähige Landwirtschaft zu unterstützen“, sagte Dr. Louise Vandelac, Umweltsoziologin an der Universität Quebec in Montreal.
Ein wissenschaftlicher Aktionsplan für ein neues Paradigma
Als Reaktion darauf schlagen die Forscher drei unmittelbare und konkrete Maßnahmen vor:
Reduzieren Sie die bestehenden regulatorischen Toxizitätsgrenzwerte für alle bereits zugelassenen Stoffe um mindestens den Faktor 100. Testen Sie systematisch vollständige Formulierungen von Pestiziden und Weichmachern, in niedrigen Dosen und über lange Zeiträume. Veröffentlichen Sie alle toxikologischen Rohdaten und Versuchsprotokolle, um die wissenschaftliche Transparenz wiederherzustellen.
„Es gibt keine ethische oder wissenschaftliche Rechtfertigung für die Geheimhaltung dieser Daten. Wissenschaft muss wieder zu einem öffentlichen Gut werden“, betonte Professor Michael Antoniou vom King’s College London.
Agrarökologie: der Weg zu Gesundheit und Nachhaltigkeit
Die Autoren betonen, dass ein Übergang zur Agrarökologie eine glaubwürdige und bewährte Alternative zur Ernährung der Weltbevölkerung bei gleichzeitiger Wiederherstellung von Böden und Ökosystemen bietet.
Untersuchungen zeigen, dass ökologisch angebaute Lebensmittel weniger Erdölrückstände und Schwermetalle enthalten und zu besseren allgemeinen Gesundheitsergebnissen beitragen.
„Heute stirbt die Welt an dieser Toxizität. Wir alle tragen Pestizide in unserem Körper, die über unsere Nahrung und unsere Umwelt aufgenommen werden. Die Zukunft unserer Nahrung hängt von der Vereinbarkeit von Wissenschaft, Ethik und Gesundheit ab. Die Agrarökologie bietet einen Weg der Hoffnung, der auf Wissen und Respekt vor dem Leben basiert.“ schloss Professor Gilles-Éric Séralini.
Ursprünglich veröffentlicht in The European Times.
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