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Ein steinharter Kiefer

Jurassische fossile Schildkröte (Solnhofia parsonsi) mit verbreiterten Kauleisten als Anpassung zum Zerkleinern hartschaliger Nahrung. © Serjoscha Evers

Diese Schildkröte stammt aus der Jurazeit und hat verbreiterte Kauleisten. Diese haben wohl Nachfahren das Leben gerettet. Denn vor allem Schildkröten mit eben solchen verbreiterten Kauleisten haben das Massenaussterben überlebt, dem unter anderem die Dinosaurier zum Opfer gefallen sind.

Vor 66 Millionen Jahren starben nach einem Meteoriteneinschlag 75 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten aus. Schildkrötenarten gingen hingegen kaum zurück. Inwiefern das Überleben bestimmter Arten mit der jeweiligen Ernährungsweise zusammenhing, untersuchten Serjoscha Evers und Gilherme Hermanson von der Universität Fibourg in der Schweiz. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Biology Letters veröffentlicht.

Anatomische Merkmale am Kiefer zeigen, wovon sich Schildkröten ernährten. Die Forschenden betrachteten dabei, bei welchen Arten hartschalige Organismen wie Schnecken oder Muscheln auf dem Speiseplan standen. Solche Tiere haben breite Mahlflächen in Schädel und Unterkiefer, die sich durch eine hohe Gefäßdichte und eine unregelmäßige Knochenstruktur auszeichnen. Bei Pflanzenfressern oder Fisch fressenden Schildkröten findet sich das nicht. Solche Unterschiede gibt es nicht nur bei Fossilien, sondern auch bei heutigen Schildkrötenarten.

Generell ernährte sich nur ein geringer Anteil der Schildkrötenarten von hartschaligen Organismen. Doch ihre Überlebensrate war beim Massenaussterben deutlich höher. 90 Prozent der Arten blieben bestehen, während bei Schildkröten mit anderen Ernährungsweisen nur 63 Prozent der Arten überlebten.

„Die Spezialisierung auf hartschalige Nahrung verschaffte diesen Schildkrötenarten einen evolutionären Vorteil“, erklärt Autor Serjoscha Evers. „Dies liegt wahrscheinlich an der Resilienz dieser Nahrungsquellen selbst – hauptsächlich Muscheln und Schnecken – gegenüber den katastrophalen Auswirkungen des Impakts. Pflanzenfresser hatten im nuklearen Winter nach dem Einschlag Schwierigkeiten zu überleben – mit Auswirkungen auf die gesamte Nahrungskette bis hin zu Fleischfressern. Schnecken und andere Opportunisten dagegen konnten gut überleben. Schildkröten, die genau auf solche Beutetiere spezialisiert waren, standen also weniger unter Druck.“

Alles kann die Ernährungsweise jedoch nicht erklären. Denn auch viele fisch- und pflanzenfressenden Schildkrötenarten überlebten das Massenaussterben. Es muss also noch andere Faktoren gegeben haben, die sichergestellt haben, dass auch diese Tiere fortbestehen konnten.

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Quelle:

www.wissenschaft.de