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Performative Male: Wenn das Auftreten zur Show wird, ist die Wahrheit schwer zu erkennen

„Hast du den Typen da hinten gesehen mit seinem Taylor-Swift-Hoodie und dem Pink Matcha Latte? Peak performative male!“ Eine Reaktion, die ich aktuell immer wieder höre, sobald ich mit Freunden unterwegs bin. Dabei sind es – in meinem Fall – ausschließlich Männer, denen auffällt, wie performative andere Männer sind. Um ehrlich zu sein, wusste ich anfangs nicht mal, wovon überhaupt die Rede war. Was genau performen diese Männer denn? Und warum ist das so verwerflich?

Die Frage müsste dabei eher lauten: Für wen oder was performen die so genannten Performative Males? Dazu gleich mehr.

Was ist ein Performative Male?

Es gibt diese Figuren, die gefühlt über Nacht aus dem kollektiven Unterbewusstsein des Internets auftauchen. Niemand weiß genau, wer sie erfunden hat, aber plötzlich sind sie überall. Zuerst auf TikTok und Instagram. Und irgendwann auch im echten Leben. Der Performative Male ist so eine Figur. Ein Mann, irgendwo zwischen späten Teenagerjahren und frühen Dreißigern, der aussieht, als hätte ihn ein Algorithmus aus Hafermilch, Indie-Playlists und Weltschmerz zusammengesetzt.

In der Hand ein Buch über die Auswirkungen des Kapitalismus auf die Mental Health der Weltbevölkerung. Auf den Ohren kabelgebundene Kopfhörer – ironisch retro, versteht sich. Der Blick entrückt, als würde er gerade über die emotionale Komplexität der Welt nachdenken oder zumindest darüber, wie das im nächsten Reel wirken könnte.

Authentisches Selbst? Nein, danke

Warum ist das so schlimm, fragen Sie sich nun vielleicht. Schlimm ist es überhaupt nicht, jedem Tierchen sein Plaisierchen. Was den Fall des Performative Male tricky macht, ist die Sache mit der Performativität. Denn der Performative Male wählt seine äußere Erscheinung, so der Vorwurf, nicht etwa, weil er sie fühlt. Sondern es handelt sich dabei um eine Inszenierung für eine ganz bestimmte Art von Publikum. Für Frauen. Progressive Frauen insbesondere. Für den female gaze. Um zu gefallen. Und um so nicht zuletzt Girls flachzulegen, wenn Sie so wollen.

Die Männer, von denen hier die Rede ist, betonen online und offline demonstrativ zu gerne, wie stark sie feministische Werte vertreten, wie politisch reflektiert und wie hoch emotional sie sind. Typische Signale des sogenannten Performative Male sind das Tragen von bewusst „soft“ oder feminin wirkenden Outfits, Perlenkette zu Baggy Pants an Jutebeutel zum Beispiel. Das Zurschaustellen feministischer popkultureller Assetts oder eben das Trinken eines Matcha-Lattes. Alles absolut fein. Ich werde zwar nie verstehen, wie man freiwillig Matcha trinken kann, doch jeder, wie er mag.

Performative Male oder verkappter Fuckboy?

Das Problem: Frauen, die nach exakt diesem Typ Mann suchen, dann aber herausfinden, dass sich hinter dem leidenschaftlichen Feminist eben doch nur ein weiterer Fuckboy verbirgt, bleiben enttäuscht zurück. Ich habe allein im letzten Monat, seitdem ich von der Existenz dieser Art von Mann weiß, so viele TikToks und Reels vor allem von jungen Frauen gesehen, die nach einer Beziehung mit einem Exemplar der Gattung aufgebracht waren, sich betrogen, teils gar traumatisiert fühlten.


Quelle:

www.gq-magazin.de