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SportAlba Berlin scheidet nach Viertelfinal-Krimi gegen Malaga aus

Alba Berlin scheidet nach Viertelfinal-Krimi gegen Malaga aus

Stand: 08.04.2026 • 23:43 Uhr

Alba Berlin hat im Viertelfinale der Champions League gegen Malaga auch das zweite Spiel verloren und ist damit ausgeschieden. Eine Aufholjagd brachte noch einmal Hoffnung, doch in der Verlängerung verloren die Berliner mit 85:88.

Alba Berlin verliert das zweite Viertelfinal-Duell gegen Malaga mit 85:88 nach Verlängerung
Die Albatrosse scheiden somit aus der Champions League aus
Alba-Spieler Jack Kayil glänzt mit 25 Punkten

Der Berliner Jack Kayil trifft 36 Sekunden vor Ende doch noch von weit draußen und was vorher war, ist nicht geschehen. Mit zwischenzeitlich 16 Punkten Abstand lag Alba am Mittwoch gegen Unicaja Malaga zurück, im zweiten Viertelfinale der Basketball Champions League (BCL). Dafür, dass es in diesem Do-or-die-Spiel um Siegen oder Fliegen ging, zeigte Berlin lange Zeit eine zerfahrene, schwer greifbare Leistung.

Der 20-jährige Kayil ist Albas talentiertester Angreifer und wird im Sommer ans College gehen. Man muss seinen jugendlichen Leichtsinn kaufen, weil man dafür alles bekommen kann, was einem die anderen Berliner nicht geben können: Speed und Jazz und Dinge, die sich sonst keiner traut. Man sieht selbst in seinen Fehlern den Spieler, der er eines Tages sein könnte.

Also Scheinwerfer auf ihn: 72:74, Foul an Kayil, 2,4 Sekunden vor dem Ende. Er kann jetzt von der Linie ausgleichen, doch vergibt beide Freiwürfe. Aber die Götter müssen verrückt sein. Das Ding fliegt durch die Luft und ein paar Wimpernschläge später haut mutmaßlich eine Gegnerhand erneut auf Kayil. Er darf es nochmal an der Linie versuchen. Dieses Glück hat normalerweise niemand.

Sein erster Wurf titscht an den Ring und fällt von dort rein. Ein Erleichterungsseufzen aus Tausenden Kehlen. Der zweite flutscht ebenfalls durchs Netz. Alba hat 1,8 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit tatsächlich ausgeglichen. 74:74: Overtime, wie schon gegen AEK Athen.

Zweimal verloren – und damit raus aus der Serie

Kurzer Einschub fürs Protokoll: Die Basketballer von Alba Berlin sind in der BCL ausgeschieden. Die Berliner verloren am Mittwochabend vor 7.109 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle auch das zweite Duell gegen das spanische Spitzenteam Unicaja Malaga nach Verlängerung mit 85:88 (36:34, 74:74). Damit verlor Alba die Best-of-three-Serie im Viertelfinale mit 0:2. Doch der Reihe nach.

Sehr lässige Bankdirektoren

Das erste Spiel der Serie verlor Alba in Andalusien mit 69:72 und es hätte nicht sein müssen. So stark, wie man den Titelverteidiger zu Hause hätte erwarten können, war er schlichtweg nicht. Obwohl bei Alba vorne Backstein nach Backstein auf den Ring knallte, hatte man kurz vor Schluss sogar noch die Chance auf den Sieg. Die letzten drei Spiele in der spanischen Liga hat Unicaja verloren. Die Hoffnung der Berliner lautete: Die engere, lautere Max-Schmeling-Halle könnte den Unterschied machen. In der gewohnten Arena am Ostbahnhof spielten am Mittwoch die Eisbären.

Ausverkauft aber, das sieht man sofort, ist die alte Heimat in Prenzlauer Berg bei Weitem nicht, viele blaue Sitzschalen leuchten vom Oberrang. Und um die Dinge zurechtzurücken: Unter dem Trainer Ibon Navarro hat Malaga in zweieinhalb Jahren fünf Titel gewonnen, die letzten beiden Jahre die Basketball Champions League. Viele Spieler von damals sind weg, andere verletzt, aber Navarro lebt eine Kultur des Siegens vor – ob es diesen Frühling am Ende für die ganz großen Dinger reicht, wird man sehen.

Djedovic kehrt zurück

Der Chef und seine Assistenten wirken am Mittwoch erstmal, als hätten sie den Ruhepuls von Ultraläufern. Die Trainer in ihren taillierten dunkelblauen Anzügen und moosgrünen Krawatten sehen aus wie sehr lässige Bankdirektoren. Die Hände in den Hosentaschen verfolgen sie die Aufwärmübungen ihrer Spieler. Einer davon ist der bei Alba weithin bekannte Nihad Djedovic, inzwischen 36 Jahre alt.

“Ich habe in Berlin gelernt, wie eine Mannschaft mit ihren Fans zusammenhalten kann. Alba ist mehr als nur eine Mannschaft. Es ist eine Kultur”, flötete der vor vielen Jahren an der Spree aufspielende Bosnier im rbb-Interview vor der Rückkehr nach Berlin. Er gab sich altersmilde, aber natürlich ist davon am Mittwoch dann nichts mehr zu sehen. Djedovic hat Alba im Trikot des FC Bayern abgeschossen. Man hat die Pfiffe bei der Mannschaftsaufstellung deutlich vernehmen können.

Ein paar Foulpfiffe gegen Valencia bringen die Fans gleich auf Temperatur, Alba führt früh mit 9:3. Aber es zieht sich erstmal: schlechte Wurfquoten, manchmal übermotivierte Fouls, das Geschehen erscheint zerhackt. Malaga beherrscht eigentlich die saubere spanische Basketballschule, alles recht technisch, präzise dosiert. Aber weil die guten Absichten an diesem noch jungen Abend nur selten ziehen, lebt das Team von zweiten Chancen und die spendiert Berlin reichlich.

Das Berliner Publikum scheint zu spüren, dass es heute nur über Waten durch den Morast geht und jede kleine Gemeinheit zählt. Müde kann man Gegner zuerst im Kopf machen. Selbst in der sonst meist gesetzten teuren ersten Reihe am Spielfeldrand springen schon im ersten Viertel welche auf und verfluchen Gegner, Schiris, alles was nicht Berlin ist.

Zwei Punkte vor zur Halbzeit

Nummer 14 im grün-violetten Trikot ist es am allerwenigsten, finden sie. Nihad Djedovic, wie immer mit Stirnband und schwarzem Spitzbart, setzt seinen Körper ein, lauert an der Baseline, klaut Bälle, will dem Schiri in einer kurzen Pause mit aufgerissenen Augen einreden, dass das gerade eben aber nun doch wirklich ein Foul gewesen sei. Als er einmal einen Kollegen anblafft, signalisiert ihm ein anderer von der Bank aus: Beruhige Dich.

Malte Delow geht für Alba zum Offensivrebound, tippt ihn hoch, kriegt ihn nicht zu fassen, tippt ihn immer wieder, schnappt ihn sich und trifft. Kleine Signale, aber nicht mehr als Indizien. Eigentlich müsste Alba nach den ersten zehn Minuten höher führen, Malaga hat kein gutes erstes Viertel gespielt. Aber es steht nur 15:13.

Immer wieder Ballverluste. Es wird völlig klar, dass das gegnerische Trainerteam in der Vorbereitung gerade Albas Große als Ziel identifiziert hat – Agbakoko und Roberts arbeiten redlich am Brett, aber dribbeln werden sie nicht mehr lernen. Spitzbart Djedovic ballt die Faust. Er zieht zweimal erfolgreich zum Korb, auch mit seinen Veteranenbeinen reicht das Tempo noch. Man sieht viele Blocks, viel Abrollen und Switches, viele Ellenbogen, Drücken und Schieben rund um die Dreierlinie. Alba teilt den Ball besser, verliert ihn aber auch öfter. Niemand geht davon. Zur Halbzeit führt Alba 36:34.

Kälte und Härte

Danach sofort Führung Malaga. Aber der Buhmann Djedovic wemst einen Gegner um und kriegt das Foul gegen sich. Man hört jetzt die schneidende Stimme von Coach Navarro von der Seitenlinie. Er will Präzision und Ruhe und bekommt sie. Mitte des dritten Viertels führen die Gäste 51:42 und sie wittern die Nervosität ihrer Gegner. Den Berlinern hilft nur dass Unicaja zu oft hinlangt. Sie melken die Freiwurflinie, das hält sie in dieser Phase gerade noch im Spiel.

Ihre Verteidigung wird giftiger, muss es jetzt werden. Aber ein absoluter Zirkusdreier von Malaga und wieder schlechte, bestenfalls rätselhafte Entscheidungen im Angriff machen alles zunichte. Vor dem letzten Viertel steht es 60:49 für die Grünen. Albas Europareise endet in Prenzlauer Berg. Oder? So richtig zeigt Berlin keine Idee, die Malaga Angst machen müsste.

Die Max-Schmeling-Halle ist jetzt ein trommelndes, klatschendes, stampfendes Etwas. Malaga spielt jetzt nicht immer sauber, um es freundlich zu schreiben, und kassiert wütendes Gepfeife. Aber was spielt es für eine Rolle, wenn Berlin diese Kälte und Härte einfach nicht matchen kann? Jack Kayil zieht viele Fouls, aber vergibt Wurf um Wurf, bis jetzt hat er zwei von 13 Versuchen aus dem Feld gemacht.

3:45 Minuten vor Schluss: Die Schiris checken was am Bildschirm und korrigieren bald darauf ihre Entscheidung: Ball für Berlin, die Fans rasten aus. Jetzt bringt Berlin die Wucht und Energie, die heute die längste Zeit nötig gewesen wäre. Djedovic diskutiert nach einem Foulpfiff. “Hör uff zu heulen!”, ruft eine von kurz hinter der Bande.

Kayil wird Topscorer mit 25 Punkten

Die Zeit läuft ab und Jack Kayil also bringt Berlin noch fünf weitere Minuten im Europapokal. Aber das sind dann die letzten. Er kann nichts dafür, aber dass Alba so sehr von ihm abhängt, bedeutet am Ende auf diesem Level ein zu großes Risiko. So oft zurückzukommen, kostet zu viel Kraft.

Nihad Djedovic beschließt den Abend mit dem Einzug ins Final Four der BCL, dazu mit 17 Punkten und sieben Assists. Kayil wird mit 25 Zählern Berlins bester Scorer. Sein Team verliert mit 85:88 und hat nun nur noch Dienst in der Bundesliga – aber die Fans feiern die Spieler dafür, dass sie nicht aufgegeben haben.

Beitrag von Sebastian Schneider

Sendung: rbb|24, 08.04.2026, 22:20 Uhr

Audio: rbb|24, 08.04.2026, Jakob Rüger


Quelle:

www.sportschau.de