Werbungspot_imgspot_img
InterviewsBetäubt und vergewaltigt - mehr als elf Jahre Haft für Täter

Betäubt und vergewaltigt – mehr als elf Jahre Haft für Täter

Das Landgericht München hat einen 28 Jahre alten Studenten aus China zu elf Jahren Gefängnis verurteilt – unter anderem wegen versuchten Mordes, besonders schwerer Vergewaltigung, versuchter Vergewaltigung mit Todesfolge und der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen. Es verhängte außerdem den Vorbehalt der Sicherungsverwahrung.  Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der geständige Angeklagte seine damalige Freundin über Monate hinweg in seiner Wohnung insgesamt achtmal betäubte und vergewaltigte – teilweise über Stunden. Die Videos, die der Angeklagte davon anfertigte, nannte eine Ermittlerin nach Angaben des Gerichts “das Schlimmste, das sie je gesehen habe”.  

Der Student hatte die angeklagten Taten vor Gericht generell eingeräumt. “Ich weiß, dass ich Schlimmes getan habe und dass das schlimme Folgen mit sich gebracht hat”, sagte er. Er sei aber kein Frauenhasser, so der Angeklagte. “Ich liebe dieses Mädchen, aber ich habe sie tief verwundet.” Seine Taten seien “unbedacht, egoistisch, gefährlich, hässlich und ungehobelt” gewesen. Es sei unverzeihlich.

“Hochkriminell, frauenverachtend und monströs”

Über Monate soll er sie immer wieder auf unvorstellbare Weise missbraucht haben. Auf Videos ist nach Ermittlerangaben zu sehen, wie der Mann immer wieder Medikamente nachspritzt oder ihr Tücher mit Betäubungsmitteln ins Gesicht drückt, um sicherzugehen, dass die Frau während der Vergewaltigungen nicht aufwacht. Die Videos habe er regelmäßig genutzt, um dazu zu onanieren.

Der Vorsitzende Richter Markus Koppenleitner nannte die Taten “hochkriminell, hochprofessionell, menschen- und frauenverachtend und monströs”. 

Höchststrafe gefordert

Die Staatsanwaltschaft hatte die Höchststrafe für den Angeklagten gefordert, sich für lebenslange Haft, die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und Sicherungsverwahrung ausgesprochen. Bei der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld wäre eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren praktisch ausgeschlossen. 

Laut Staatsanwaltschaft war es “reiner Zufall”, dass die 1997 geborene Frau bei den Taten des Mannes nicht gestorben war. Der Angeklagte hatte sich nach eigenen Angaben in mehreren Chatgruppen, eine davon mit mehr als 1000 Mitgliedern, über Betäubungsmöglichkeiten informiert. Besonders rege tauschte er sich in einer kleineren Gruppe auf Telegram aus.

Deutschland Berlin 2022 | Smartphone mit Icon der Messenger-App Telegram als Symbolbild
Unter anderem tauschten sich die Männer über die Messanger-App Telegram ausBild: Fabian Sommer/dpa/picture alliance

Weitere Prozesse in Berlin und Frankfurt

Auf die Spur gekommen waren die Ermittler dem Angeklagten wegen eines Verfahrens in Hessen: Das Landgericht Frankfurt am Main verurteilte einen Mann zu 14 Jahren Haft – unter anderem wegen besonders schwerer Vergewaltigung und versuchten Mordes. Die zuständige Kammer ordnete außerdem Sicherungsverwahrung an. 

Dieser Fall war es, der auch die übrigen ins Rollen brachte. Die Ermittlungsgruppe “EG Inserat” des hessischen Landeskriminalamtes informierte die Kollegen in Deutschland, darunter in Berlin und Bayern, über die weiteren Verdächtigten und das, was in den Chatgruppen vor sich ging. 

Symbolbild | Darknet - Kinderpornografie soll Verbrechen werden
Eine Ermittlergruppe “EG Inserat” war den Tätern auf die Spur gekommenBild: pa/Karl-Josef Hildenbrand/dpa/picture alliance

Ein Gericht in Berlin hatte im vergangenen Jahr einen weiteren Angeklagten aus China – ebenfalls Mitte 20 – zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren und neun Monaten verurteilt.  Die Opfer erfuhren laut Gericht erst bei der Befragung durch die Polizei davon, was ihnen angetan wurde. Der Angeklagte selbst prahlte online mit noch mehr Taten und damit, insgesamt 18 Frauen vergewaltigt zu haben. 

Die Ermittler gehen von einem regelrechten Netzwerk aus

“Die Teilnehmer dieser Chatgruppen kommunizieren über selbst begangene Vergewaltigungen, Anleitungen zur Betäubung von Opfern, Beschaffung von Betäubungsmedikamenten und Erfahrungen bei der Tatausführung von Sexualdelikten an sedierten Frauen”, heißt es im Urteil des Berliner Landgerichts. “Zur Illustration ihrer Taten übersenden sie teilweise Bildaufnahmen weiblicher Verletzter.”

Das Urteil, das nun am Landgericht München gefällt wurde, ist das Dritte in diesem Ermittlungskomplex. Ein weiterer Prozess gegen einen weiteren chinesischen Studenten läuft aktuell noch in Berlin. Er ist unter anderem wegen versuchten Mordes in sieben Fällen, gefährlicher Körperverletzung, besonders schwerer Vergewaltigung und versuchter Vergewaltigung mit Todesfolge angeklagt – wobei sich der Versuch in dem Fall auf die Todesfolge bezieht.

Frankreich Avignon 2024 | Gisèle Pelicot vor Gericht im Prozess gegen ihren Ex-Mann und 50 Angeklagte
Der Prozess um die Vergewaltigung von Gisèle Pelicot durch ihren Ehemann hatte großes Aufsehen erregtBild: Clement Mahoudeau/AFP/dpa/picture alliance

“Pelicot kein Einzelfall”

Der Fall erinnert an die Französin Gisèle Pelicot, die von ihrem damaligen Ehemann über knapp zehn Jahre immer wieder mit Medikamenten betäubt, missbraucht und Dutzenden Fremden zur Vergewaltigung angeboten worden war. 

“Pelicot ist kein Einzelfall”, sagte Richter Koppenleitner. “Das ist kein chinesisches und auch kein französisches Phänomen, sondern auch ein Phänomen in Deutschland und letztlich auch weltweit.”

as/se (dpa)


Quelle:

www.dw.com