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Bundesligaklubs kämpfen gegen Viagogo

Stand: 20.04.2026 • 14:30 Uhr

Im Kampf gegen den unerlaubten Ticket-Zweitmarkt betreiben einige Bundesligavereine einen hohen Aufwand. Nun springt ihnen die Politik zur Seite. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig kündigt neue Gesetze an.

Zweitmarkt-Ticketportale wie Viagogo verkaufen Eintrittskarten mit oftmals sehr großen Preisaufschlägen. Mehrere Bundesligaklubs wollen Viagogo stoppen und haben dazu in den vergangenen Monaten erste Urteile vor Landgerichten erreicht. Unterstützung kommt auch aus der Politik. Die Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz, Stefanie Hubig, erklärt gegenüber der Sportschau: “Wir wollen dieser Abzocke die rote Karte zeigen.” Die schwarz-rote Regierung habe dazu im Koalitionsvertrag “eine klare Vereinbarung” verankert, ein Gesetzentwurf sei in Arbeit: “Wir sind an der Umsetzung dran.”

Viagogo betont Vermittlerrolle

Viagogo gibt es seit 20 Jahren. Das weltweit aktive Unternehmen agiert seitdem nahezu ungehindert auf dem Markt – und verzeichnet Rekordumsätze. Viagogo gehört zu StubHub International, einer Ticketplattform aus den USA mit einem Jahresumsatz von 1,7 Milliarden US-Dollar.

Viagogo betont stets, man sei selbst weder Käufer noch Verkäufer. Man stelle lediglich die Plattform, auf der Fans, die ihre Tickets loswerden wollen, einen Käufer finden können – für diese Dienstleistung nehme man Gebühren sowohl von Käufern als auch Verkäufern. Mit dieser Argumentation, nur Vermittler von Fans für Fans zu sein, hat das Unternehmen bereits einige Gerichtsverfahren gewonnen.

Hubig: “Diese Abzocke ist ein Ärgernis”

An dieser Darstellung gibt es sowohl in der ebenfalls betroffenen Musik- als auch in der Fußball-Branche aber seit langem Zweifel. Und ähnlich sieht man das mittlerweile in der Politik. “Viele Fans kennen das Problem: Die Karten für ein Spiel sind rasend schnell vergriffen. Anschließend werden die Tickets auf großen Plattformen erneut angeboten – aber mit einem saftigen Preisaufschlag. Diese Abzocke auf dem Zweitmarkt ist ein echtes Ärgernis. Hier bereichern sich einige Geschäftemacher auf Kosten echter Fans”, erklärt Justizministerin Hubig: “Menschen mit kleinem Geldbeutel treffen die horrenden Preisaufschläge besonders hart.” Deshalb wolle die Bundesregierung “den Zweitmarkt dafür strenger regulieren”. Ohne dabei die Rechte der Vereine und Fans einzuschränken.

Bundesjustizministerin Stefanie Hubig

Die Bundesligaclubs betreiben eigene, offizielle Zweitmarkt-Plattformen, auf denen eine Ticket-Weitergabe ohne Aufschläge möglich ist. Stefanie Hubig: “Klar ist: Natürlich wollen wir den Weiterverkauf von Tickets nicht pauschal verbieten. Denn auch echten Fans kann es mal passieren, dass sie ein gekauftes Ticket wiederverkaufen wollen. Uns geht es um diejenigen, die den großen Reibach damit machen wollen, dass sie anderen die begehrten Tickets vor der Nase wegschnappen.”

Viagogo sagt, man habe in dieser Saison bereits Bundesliga-Tickets an Fans aus 137 Ländern verkauft. Noch vor fünf Jahren hatten die DFL angegeben, jedes zehnte Ticket würde über Zweitplattformen verkauft. Aktuelle Zahlen gibt es laut DFL nicht.

St. Pauli, Union und KSC erreichen bahnbrechende Urteile

Die Vereine versuchen den Handel mit ihren Karten über ihre Allgemeinen Ticket-Geschäftsbedingungen (ATGB) zu unterbinden. Dafür betreiben Vereine wie der FC St. Pauli und Union Berlin ein aufwändiges und teures Monitoring des Zweitmarktes. Inhaber von Karten, die über Viagogo erworben wurden, werden regelmäßig am Stadioneingang abgewiesen.

“Wir haben solche Fälle bei jedem Spiel”, sagt Union-Geschäftsführer Christian Arbeit. Von den Vereinen wird die Unterstützung aus dem Bundesjustizministerium nun nicht nur ausdrücklich befürwortet, man sehe sich sogar als Zuarbeiter, sagte Oke Göttlich der Sportschau. Der Präsident des FC St. Pauli will “der Politik was an die Hand geben”, in Form von aktuellen Rechtsprechungen.

Der FC St. Pauli hatte, ebenso wie der 1. FC Union Berlin und Zweitligist Karlsruher SC, gegen Viagogo geklagt. Vor den Landgerichten in Hamburg, Berlin und Mannheim gab es kürzlich Urteile, die Juristen als bahnbrechend ansehen. Denn sie besagen im Kern: Viagogo darf keine Eintrittskarten mehr anbieten ohne den Hinweis, dass diese nicht zum Besuch des Spiels berechtigen.

Rechtsanwalt der Vereine: “Ein echter Businesskiller”

“Das ist ungefähr so, als wenn ein Autoverkäufer jetzt bundesweit Fahrzeuge verkauft und in der Werbung hinzusetzen müsste, diese Fahrzeuge haben keine Betriebserlaubnis. Das ist ein echter Businesskiller”, sagt Franz Dänekamp, dessen Kanzlei LDM aus Heidelberg die drei Vereine vertritt: “In der Tat könnte das das Ende des Geschäftsmodells sein.”

Viagogo ist gegen die Urteile in Berufung gegangen und wollte sich zu den laufenden Verfahren nicht äußern, betonte aber auch gegenüber der Sportschau nochmals, dass man lediglich das Portal zur Vermittlung von Ticketverkäufen stelle.

St. Paulis Präsident Oke Göttlich

St. Paulis-Präsident Oke Göttlich, der auch Mitglied des Präsidiums der Deutschen Fußball-Liga (DFL) ist, betont unterdessen, das Thema müsse DFL-weit mehr Beachtung finden. “Der Verband verkauft selber keine Karten. Auf der anderen Seite ist der Verband natürlich die Lobbygruppe der Vereine, die vielleicht auch alle Vereine auch mal in einem Rechtsverfahren zumindest unterstützen kann.”

Die DFL führt selbst ein Verfahren gegen Viagogo, seit es 2019 zu so genannten “Leerverkäufen” rund um das Supercup-Spiel Borussia Dortmund gegen Bayern München kam. Damals gab es bereits Karten bei Viagogo, bevor der Vorverkauf überhaupt begonnen hatte. Zwar liege die Verantwortung für den Ticketverkauf bei den Vereinen, teilte nun ein DFL-Sprecher der Sportschau mit, aber man begleite diese “bei übergeordnete Ticketing-Themen, die alle Klubs betreffen. Dazu gehört insbesondere auch die Bekämpfung des nicht autorisierten Ticket-Zweitmarkts – ein Thema, das bei Liga und Klubs seit Jahren erkannt ist”.


Quelle:

www.sportschau.de