Das Hackerspiel „Uplink“ erschien bereits 2001. „Her Story“ war 2015 ein richtiger Hit. Es gibt sie seit Jahrzehnten, wegweisende Spiele gehören dazu, und doch herrscht noch keine Einigkeit, wie sie eigentlich heißen: Fake-OS-Spiele. Immer geht es in ihnen darum, dass ein Computer im Computer bedient wird. Namen dafür gibt es viele. Als Alternativen sind „Interface Sims, Interface Dramas, Desktop/Phone Sims, and Found Device games“ geläufig, schreiben die Organisatoren von „InterfaceX“, einer jetzt angelaufenen Aktion auf Steam.
Weiterlesen nach der Anzeige
Das Steam-Event ist live, Spiele im Angebot gibt es jetzt schon, ein Showcase wird am 2. Mai um 19 Uhr auf Twitch und YouTube gestreamt.
Heimliche Vielfalt
Hinter der Aktion steht das Studio Cobalt Lane, in München gegründet von Game Audio Designer und Komponist Filippo Beck Peccoz. Wenig überraschend entwickelt er mit seinem Team selbst ein Fake-OS-Spiel.
Nach der Faszination des Genres befragt, kommt Peccoz auf die unscharfe Perspektive zu sprechen. Ihn reizt die Mehrdeutigkeit von Fake-OS-Spielen. Man verkörpere einerseits selbst den Protagonisten, „aber gleichzeitig schaust du auch in den Computer einer Person, die du nicht kennst.“ Alex Zacherl, als Game Designer Teil des Studios, nennt dagegen zuerst die „Sandbox-Vibes“: Man könne in solchen Spielen ausprobieren, was alles funktioniert. „Ich finde es immer sehr spannend zu sehen, wie weit die Devs in der Simulation gegangen sind.“
In alle Richtungen gehen sie. Das Event macht deutlich, wie groß die Fake-OS-Nische inzwischen geworden ist. Über 150 Spiele nehmen an der Aktion teil. Hier stehen Hackerfantasien neben Recherchekrimis, ungewöhnlichen Erzählformen, verwunschenen alten Computern und Nostalgie für alte Interfaces.
Unsichtbares Genre
Weiterlesen nach der Anzeige
Natürlich gehe es bei der Aktion um mehr Sichtbarkeit für diese Art Spiele, bestätigt Zacherl: „Viele Spieler kennen ein oder zwei Games und haben keine Ahnung, dass noch dutzende andere warten.“ Auch die teilnehmenden Studios würden sich durch die gemeinsame Arbeit am Event besser kennenlernen.
Selbst wenn man das Genre kennt, ist es bisher nicht leicht zu finden. Es gibt keinen einheitlichen Suchbegriff auf Steam, Fake-OS-Spiele werden auch nicht automatisch als ähnlich erkannt und vorgeschlagen. Deswegen gehört zu der Aktion auch ein „Tag-Helper“, mit dem man teilnehmende Spiele selbst mit „Fake OS“ kennzeichnen kann. Zacherl erklärt: „Valve benutzt Tags, um zu definieren, welche Spiele sich ähnlich sind.“ Studios dürfen keine eigenen Tags definieren, Spieler aber schon.
Verwunschene Tonaufnahmen
Cobalt Lane entwickelt selbst einen interessanten Beitrag zum Genre. In „Imprinted“ spielt man einen Ton-Ingenieur namens Vincent Brandt, der allein vor dem Bildschirm haust, anderen Leuten beim Abmischen oder Restaurieren von Aufnahmen hilft, und der in eine Art Audio-Geistergeschichte hineinstolpert. Die Erzählung ist aufwändig produziert, neben dem Fake OS gehören auch Audio- und Filmaufnahmen dazu.
Neben einer persönlichen Geschichte über den isolierten Menschen und seine Beziehung zu anderen Charakteren geht es auch wirklich um die Fantasie der Tonbearbeitung. „Unsere zwei Apps WaveSplice für Engineering, und Nuvola für Producing sind glaube ich schon besonders.“ schätzt Zacherl ein. Der Titel ist noch in der Entwicklung, eine Demo soll aber während des Events verfügbar werden.
Dieser Link ist leider nicht mehr gültig.
Links zu verschenkten Artikeln werden ungültig,
wenn diese älter als 7 Tage sind oder zu oft aufgerufen wurden.
Sie benötigen ein heise+ Paket, um diesen Artikel zu lesen. Jetzt eine Woche unverbindlich testen – ohne Verpflichtung!
Quelle:
www.heise.de



