“Harry Potter hatte Dumbledore, Alexander der Große hatte Aristoteles, ich hatte Holger.” Mit diesen Worten bedankte sich Deutschlands Basketball-Legende Dirk Nowitzki bei seiner Aufnahme in die Hall of Fame des Basketball-Weltverbands FIBA bei seinem langjährigen Mentor Holger Geschwindner.
Der ehemalige deutsche Basketball-Nationalspieler hatte den späteren NBA-Superstar als Jugendlichen kennengelernt, dessen Talent erkannt und ihm seine Hilfe angeboten. Ab 1995 war Geschwindner Nowitzkis Trainer, Mentor und Berater gewesen.
“Du hast mich als Mensch geformt, nicht nur als Basketballspieler. Du hast an mich geglaubt, wenn ich nicht an mich geglaubt habe. Ohne dich würde ich heute nicht auf dieser Bühne stehen”, sagte Nowitzki bei der Hall-of-Fame-Zeremonie in Berlin. “Ich habe gelernt, dass ein Mentor essenziell für dein Leben und deine Karriere ist”, sagte Nowitzki an den im Publikum sitzenden Geschwindner gerichtet.
Legendär sind vor allem die unorthodoxen Trainingsmethoden des heute 80 Jahre alten Geschwindner, der Nowitzki damit in der Sommerpause in einer kleinen Trainingshalle in einem kleinen Dorf in Bayern immer wieder in Form brachte. Rudern, Handstand, Saxofon spielen, Bücher lesen – alles war dabei.
Weil viele Geschwindners Ansatz als Unfug bezeichneten, nannte der studierte Physiker und Mathematiker die Räume, in denen er mit Nowitzki arbeitete, das “Institut für angewandten Unfug”.
21 NBA-Saisons bei den Dallas Mavericks
Nowitzki legte dank Geschwindner eine beeindruckende und erfolgreiche Karriere hin. 1998 wechselte er vom Bundesliga-Klub seiner Heimatstadt Würzburg in die nordamerikanische Profiliga NBA, die beste Liga der Welt. Dort nahmen ihn die Dallas Mavericks unter Vertrag, die in den Folgejahren um den Deutschen herum ein titelfähiges Team aufbauten.
2006 standen die 1980 gegründeten Mavericks zum ersten Mal in ihrer Klub-Historie im NBA-Finale, verloren die Serie aber mit 2:4 gegen die Miami Heat, die damals NBA-Legende LeBron James in ihren Reihen hatten. Fünf Jahre nach dem knappen Scheitern folgte dann die Krönung. 2011 führte Nowitzki die Mavs erneut gegen Miami und LeBron James zur Meisterschaft und wurde zum wertvollsten Spieler der Finalserie gewählt.
In Erinnerung blieb dabei nicht nur seine sportliche Leistung, sondern auch die Ehrung des Teams im Weißen Haus. US-Präsident Barack Obama bezeichnete damals Nowitzkis eher gekrächzte als gesungene Darbietung des Queen-Songs “We are the Champions” während der Siegesparade in Dallas scherzhaft als “the most painful thing”. “Du sagst, du hast das vorher tatsächlich geübt?”, fragte er und beide mussten lachen.
Obwohl Nowitzki bei seinem Titelgewinn fast 33 Jahre alt war und er damit bereits zu den älteren Spielern im Team gehörte, blieb er den Mavericks weitere acht Spielzeiten treu und beendete seine Karriere erst im April 2019 mit 40 Jahren – nach 21 Saisons. Vier Jahre später wurde er in die stark NBA-orientierte Naismith Hall of Fame des Basketballs aufgenommen.
“Diamant des deutschen Basketballs”
Doch außer in der NBA war Nowitzki auch immer, wenn es möglich war, in der deutschen Nationalmannschaft aktiv. Insgesamt bestritt er zwischen 1997 und 2015 insgesamt 153 Länderspiele. Er führte das deutsche Team, das damals international kaum eine Rolle spielte, dabei 2002 zur WM-Bronzemedaille und gewann 2005 mit Deutschland Silber bei der Europameisterschaft. 2008 in Peking war er deutscher Fahnenträger bei den Olympischen Spielen.
Die Zeit beim Nationalteam war Nowitzki immer besonders wichtig. “Durch den Sport habe ich die Welt kennengelernt. Diese Erfahrungen und die Menschen, die man getroffen hat, bedeuten oft mehr als Erfolge”, sagte er in seiner Dankesrede in Berlin.
Sein besonderes Engagement für das deutsche Nationalteam hob auch FIBA-Generalsekretär Andreas Zagklis in seiner Laudatio hervor. Egal, wie lange Nowitzkis Saison mit den Dallas Mavericks in der NBA gedauert habe, egal ob er angeschlagen gewesen sei: “Du warst immer da.” Zudem, so Zagklis, habe er “noch niemanden in der Welt getroffen, der ein schlechtes Wort über dich gesagt hat. Du bist der Diamant des deutschen Basketballs”.
2022 wurde Nowitzkis Deutschland-Trikot mit der Rückennummer 14 vor dem EM-Auftaktspiel der deutschen Mannschaft in Köln feierlich unter das Hallendach gezogen. Sie wird seitdem vom Deutschen Basketballbund (DBB) nicht mehr vergeben. Die Ehrung nahm damals Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor, der Nowitzki bereits 2019 für dessen langjähriges soziales Engagement über die Dirk‑Nowitzki‑Stiftung und seinen Einsatz als UNICEF‑Botschafter das Bundesverdienstkreuz verliehen.
Frauen-WM in Berlin: Vorfreude und große Erwartungen
Bevor Nowitzki als erst zweiter Deutscher nach Detlef Schrempf in die Ruhmeshalle der FIBA eingeführt wurde, hatte er aus der ersten Reihe die Auslosung der Gruppen für die Heim-WM der Frauen mitverfolgt, die vom 4. bis 13. September in Berlin stattfindet. Die deutsche Mannschaft um die WNBA-Stars Satou Sabally und Leonie Fiebich bekommen es in der Vorrunde mit Vize-Europameister Spanien, Japan und Mali zu tun.
“Ich glaube, die Gruppe ist okay. Spanien ist gefährlich. Die waren letztes Jahr bei uns in der EM-Gruppe. Da haben wir leider verloren”, meinte Nowitzki. “Japan ist auch immer gefährlich, sie sind schnell und können normalerweise alle von außen werfen. Bei einer WM gibt es keine leichte Gruppe.”
Das deutsche Frauen-Team hält er aber durchaus für titelfähig. Die Mannschaft sei “mit Sicherheit die tiefste, die wir im Frauen-Basketball je hatten”, so Nowitzki. Er hoffe, dass sich die Deutschen vor heimischem Publikum “in einen Rausch spielen”.
Quelle:
www.dw.com



