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Final Four der ENBL in Weißenfels – Scharfe Kritik vom DBB

Stand: 20.04.2026 • 10:33 Uhr

Der Mitteldeutsche BC richtet das Finalturnier in der European North Basketball League aus – einem Wettbewerb außerhalb des europäischen Verbandssystems. Dafür erntet der MBC harsche Kritik vom Deutschen Basketball-Bund.

Christian Mixa

Der Mitteldeutsche BC spielt in dieser Saison erstmals seit 20 Jahren wieder international, in der European North Basketball League (ENBL), und hat sich erfolgreich um die Ausrichtung des Final-Four-Turniers beworben. Die Finalspiele gehen am Mittwoch und Donnerstag (22. und 23. April) in der Stadthalle Weißenfels über die Bühne.

Der MBC, das beste Team der ENBL-Hauptrunde, sprach in einer Vorab-Mitteilung von der Chance auf einen “historischen Wurf” und rief das Ziel aus, der erste deutsche Klub zu werden, der zum zweiten Mal einen Europapokal gewinnt.

Auch beim Deutschen Basketball-Bund (DBB) verfolgt man den internationalen Erfolg des MBC, allerdings sehr kritisch: Der DBB verschickte kurz nach Ostern eine Pressemitteilung. Darin distanzierte sich der DBB “ausdrücklich von der Ausrichtung des Finalturniers” in Weißenfels: Die ENBL werde als Liga nicht anerkannt, hieß es vom DBB, der auf einen entsprechenden Beschluss des europäischen Basketball-Verbands FIBA Europe vom März 2025 verwies.

DBB-Mitteilung: “Liga ohne Legitimation und ohne jede Relevanz”

“Die sogenannte ENBL ist eine Liga ohne jede Legitimation seitens des Basketball-Verbandes FIBA Europe und eine Liga ohne jede Relevanz”, wurde DBB-Generalsekretär Wolfgang Brenscheidt in der Verbandsmitteilung zitiert. Die deutliche Kritik richtete sich auch an den deutschen Gastgeberklub: “Wir haben dem MBC unsere Ablehnung der ENBL mitgeteilt und sind jetzt sehr verärgert, dass dieses Finalturnier in Weißenfels stattfinden soll.”

Dass der DBB über seinen offiziellen Kanal auf Konfrontationskurs mit einem Bundesliga-Klub geht, ist ungewöhnlich. Zu verstehen ist dies nur vor dem Hintergrund des jahrelangen Streits der Verbände und Organisationen im europäischen Basketball, der zu einem Wildwuchs an internationalen Wettbewerben geführt hat: Die Euroleague und der Eurocup, die beiden höchsten und bestbesetzten europäischen Wettbewerbe, werden als geschlossene Ligen von einer privatwirtschaftlichen Klubvereinigung betrieben.

Der europäische Basketball-Verband FIBA Europe, dem auch der DBB als deutscher Dachverband angegliedert ist, organisiert die Basketball Champions League und den FIBA Europe Cup. Als Konkurrenzprodukte zur Euroleague, mit der die FIBA Europe seit Jahren einen Machtkampf austrägt. Im FIBA Europe Cup, beziehungsweise seinem Vorgängerwettbewerb, gewann auch der MBC im Jahr 2004 seinen bislang einzigen internationalen Titel.

Erst Bamberg, jetzt der MBC im “Nordsee-Cup”

Vor zwei Jahren tauchte dann, auch für viele deutsche Basketball-Fans überraschend, ein fünfter Wettbewerb auf: Der neunfache deutsche Meister aus Bamberg verkündete seinen Start in der European North Basketball League, einer Liga, die von einer Sportagentur mit Sitz im lettischen Riga organisiert wird. Der frühere Nationalspieler Bastian Doreth sprach seinerzeit scherzhaft vom “Nordsee-Cup”, bei dem inzwischen aber auch Teams aus Mittel- und Osteuropa antreten. Im vergangenen Sommer nahm auch der MBC die Einladung für die ENBL an. Das Team aus Weißenfels hatte sich zwar sportlich für den FIBA Europe Cup qualifiziert, sich dann aber für den Start in der ENBL entschieden. Wegen der attraktiveren Vermarktungsmöglichkeiten und der höheren Zahl an Heimspielen, wie es vom MBC hieß.

Umstrittener Auftritt: MBC-Anführer Reaves im ENBL-Spiel gegen Groningen

Dass der MBC nun aber auch das Finalturnier nach Weißenfels geholt hat, wurde beim Deutschen Basketball-Bund offenbar als Provokation wahrgenommen: Der DBB steht im Machtkampf der europäischen Basketball-Organisationen klar auf der Seite des europäischen Verbands und ist auch in den Spitzengremien vertreten: Generalsekretär Brenscheidt etwa ist Präsident der Competitions Commission, also zuständig für die Organisation der FIBA-Wettbewerbe – und muss nun mitansehen, wie ein Klub aus der Bundesliga die Final-Party für eine private Konkurrenzliga schmeißt.

MBC wehrt sich gegen Kritik – und Kommunikation des DBB

Beim MBC zeigte man sich verwundert über die harsche Kritik des DBB – die den Klub auch komplett unvorbereitet traf, wie Geschäftsführer Martin Geissler gegenüber der Sportschau sagte: Während der Saison habe es viele Gespräche mit dem DBB-Präsidium gegeben, sagte Geissler, der auch Vizepräsident der Basketball-Bundesliga (BBL) ist. Die Teilnahme des MBC an der ENBL sei dabei “kein einziges Mal zur Sprache” gekommen, so Geissler. Es habe auch seitens des DBB, vor der offiziellen Pressemeldung, keine Mitteilung gegenüber dem Klub gegeben, dass der Verband die Ausrichtung des Final Four ablehne.

Dem MBC sei durch die DBB-Verlautbarung bereits ein Schaden entstanden, sagte Geissler. Ein regionaler Sponsor habe die Unterstützung für das ENBL-Finale zurückgezogen. Inzwischen habe es aber ein klärendes Gespräch mit dem DBB gegeben, der Klub und die Fans freuen sich auf die Ausrichtung des Finalturniers, so Geissler: “Wir werden alles dafür tun, damit wir am nächsten Donnerstag den Titel in eigener Halle feiern können.” Man darf gespannt sein, ob dann auch der DBB gratulieren wird.


Quelle:

www.sportschau.de