Franziska Koch hat Paris-Roubaix Femmes gewonnen, das war eine Überraschung. Die Konkurrenz war davon aber gar nicht so überrascht. Über eine Radfahrerin, die sonst eher andere glänzen lässt.
Das größte Lob, das Franziska Koch am Sonntagabend erhalten hat, sprach Pauline Ferrand-Prévôt aus, die französische Gewinnerin der Tour de France 2025. Ferrand-Prévôt war auch die Titelverteidigerin von Paris-Roubaix Femmes, der Frauen-Variante der Königin der Klassiker. Doch an diesem Sonntag wurde sie von Franziska Koch abgelöst, der freudestrahlenden deutschen Meisterin, die in Frankreichs Norden ihr Meisterstück abgeliefert hatte.
Ferrand-Prévôt adelte die Siegerin als “veritables Monster”, ein Kraftausdruck, hinter dem sich großer Respekt verbirgt. Die Französin wollte damit kundtun, dass Koch über viel Kraft, Energie und eine Widerstandsfähigkeit verfügt, was eine monströse und siegreiche Mischung ergibt.
Vos über Koch: “Ihr Sieg war keine Überraschung”
Koch gewann diese harte Prüfung für die Gelenke und das Material nach einer famosen Leistung. Das Rennen führte diesmal über 143 Kilometer von Denain ins Velodrom von Roubaix, die Frauen erreichten es knapp anderthalb Stunden nach den Männern.
Es war der bisher größte Karriere-Sieg für die Frau aus Mettmann in der Nähe von Düsseldorf. “Dass ihr Name bisher vielleicht nicht so bekannt ist, wird sich ändern. Für mich war ihr Sieg keine Überraschung”, sagte die Niederländerin Marianne Vos, die Koch im Sprint auf der Bahn von Roubaix bezwang. Vos ist eine Ikone des Frauen-Radsports, 38 Jahre alt, 254 Karrieresiege, sie ist dreimalige Weltmeisterin und zweimalige Olympiasiegerin.
“Prädikat Monster gefällt mir sehr gut”
“Ein solches Lob ehrt mich”, sagte Koch im Gespräch mit der Sportschau, auch das Prädikat “Monster” für ihre Leistung “gefällt mir sehr gut”.
Koch, die seit dieser Saison für das französische Team FDJ-Suez fährt, setzte sich im Finale des Rennens vor Vos und Ferrand-Prévôt durch, zwei Vertreterinnen des Teams Visma-Lease a Bike. Dass es ihr gegen diese beiden Weltklasse-Athletinnen aus einer Mannschaft gelang, wertet ihren Erfolg deutlich auf. Schon vor dem Velodrom hatte Koch, die energisch und sehr aufmerksam über die 20 Kopfsteinpflaster-Sektoren des Rennens fuhr, versucht, ihre Begleiterinnen abzuhängen, doch es misslang stets. Sie setzte daher alles auf den Sprint – “und es ging auf”.
Das Radfahren liegt bei den Kochs in der Familie
Koch ist 25 Jahre alt, während der Saison wohnt sie nicht nur in Mettmann, sondern auch in Andorra und im spanischen Girona. Zum Radsport kam sie durch ihre Familie. Ihre Großväter fuhren bereits Rennen, ihre Mutter Petra, geborene Stegherr ebenfalls. Sie selbst lernte bereits im Alter von zwei Jahren das Radfahren – “und mit neun bin ich schon Rennen gefahren. Ich bin das Jüngste von vier Geschwistern. Die drei anderen starteten schon vor mir bei Wettkämpfen. Das wollte ich natürlich auch erleben.”
Nach ihrem Erfolg vom Sonntag lag Franziska Koch in den Armen ihres Freundes Riley Pickrell, einem kanadischen Profi, der für das Team Modern Adventure bei den Männern startete. Das Rennen fuhr er allerdings nicht zu Ende. Es gab viele Küsschen für die vor Glück weinende Siegerin.
Ob Koch bei der Tour de France starten wird, ist offen
Bei ihrer ersten Paris-Roubaix-Teilnahme 2021 – es war die Premiere dieses Rennens für Frauen – belegte Koch bereits Rang sieben. “Da konnte ich schon zeigen, dass mir das Rennen liegt. Dass ich es jetzt gewonnen habe, ist unglaublich. Es fällt mir schwer, das zu glauben. Ich befinde mich aber auch in einer starken Form, sie ist so gut wie noch nie in meiner Karriere würde ich sagen.” Vor einer Woche wurde Koch bereits Zehnte bei der Flandern-Rundfahrt, sie verhalf mit ihrer aufmerksamen Fahrweise ihrer niederländischen Teamkollegin Demi Vollering zum Erfolg.
Nach dem Erfolg bei zwei wichtigen Frühjahrs-Klassikern – Flandern und Roubaix – ist das nächste große Ziel von Kochs FDJ-Suez-Team die Tour de France im August. Vollering startet dort als Mitfavoritin, sie will Ferrand-Prévôt herausfordern und gewinnen. “Ganz klar: Unser Ziel ist das Gelbe Trikot für Demi Vollering”, sagt Koch. Ob sie ihr dabei helfen kann, ist bisher ungewiss: “Ich weiß noch nicht, ob ich bei der Tour dabei bin”, sagt Koch. Allerdings wird es sich ihr Team kaum leisten können, auf die tempofeste Roubaix-Siegerin zu verzichten.
Koch gehört ab sofort zur Spitze des Frauen-Radsports
Die Frauen starteten erstmals am selben Tag wie die Männer. Die Konsequenz daraus war, “dass viel mehr Zuschauer an den Kopfsteinpflaster-Passagen standen als im Vorjahr, als wir einen Tag vor den Männern gestartet sind. Ich finde, unser Rennen ist von Anfang an interessant.” Insgesamt sei die Entwicklung des Frauen-Radsports “sehr gut. Die Spitze ist sehr stark.”
Die Spitze – dazu gehört ab sofort auch Franziska Koch aus Mettmann. Am Freitag geht es für sie schon weiter. Dann startet Koch beim Pfeil von Brabant. Am kommenden Sonntag ist sie beim Amstel Gold Race zu sehen. “Es geht Schlag auf Schlag für uns Klassikerfahrer. Gut so”, sagt sie. Ihre Form stimmt ja auch zurzeit.
Quelle:
www.sportschau.de



