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SportHandball: "Verrückt" - Champions-League-Reform sorgt für Fragezeichen

Handball: "Verrückt" – Champions-League-Reform sorgt für Fragezeichen

Stand: 09.04.2026 • 16:00 Uhr

Von der Champions-League-Reform im Handball könnte die Bundesliga profitieren – ein dritter deutscher Teilnehmer ist ab der kommenden Saison möglich. Trotzdem gibt es Kritik aus der HBL.

Die Diskussion um die Reform hatte Christoph Schindler, Geschäftsführer des VfL Gummersbach, mit einem Interview in der “Sport Bild” neu entfacht. Er bezeichnete das Prozedere als “verrückt und einfach schlecht” und kritisierte die fehlende Klarheit: “Wir wissen mal wieder nicht, welcher Tabellenplatz für Europa reicht. Das zeigt ein grundlegendes Problem im Handball. Wenn wir über Professionalisierung sprechen, müssen sportliche Qualifikationswege vorher klar definiert sein.”

Bereits zuvor bemängelte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann im Gespräch mit dem NDR die fehlende Verbindlichkeit. “Dass das Thema noch nicht endgültig geklärt ist, ist keine Königslösung”, sagte Bohmann, zeigte aber Verständnis für die Europäische Handballföderation (EHF), die Zeit brauche, um die Interessen aller Beteiligter zu berücksichtigen.

Champions League von 16 auf 24 Teams aufgestockt

Fest steht: Die EHF wird die Champions League zur Saison 2026/27 von 16 auf 24 Teams erweitern. Bisher waren die ersten beiden der Bundesliga sicher qualifiziert. Das wird sich mit der Reform ändern. Laut Bohmann kann die HBL künftig bis zu drei Teams melden: Der Meister ist gesetzt, die Plätze zwei und drei können an einem sogenannten Upgrade-Verfahren teilnehmen.

Dieses Verfahren sorgt jedoch für neue Unsicherheiten. Denn auch der Champions-League-Sieger sowie der Gewinner der European League können sich darüber qualifizieren. Dadurch entsteht ein möglicher Konflikt: Im Extremfall könnten bis zu fünf deutsche Teams um drei Startplätze konkurrieren.

Verteilung der 24 CL-Plätze

10 feste Plätze für Meister der Top-Ten-Nationen

8 Plätze an Top-Ten-Nationen (Upgrade-Verfahren)

4 Plätze für Verbände ohne festen CL-Platz (Upgrade-Verfahren)

2 Plätze für z.B. Vorjahressieger EL/CL (Upgrade-Verfahren)

Wie realistisch das ist, zeigt die Vergangenheit: Neun der vergangenen zehn Titel in der European League gingen an deutsche Vereine, ebenso drei der jüngsten sechs Champions-League-Titel. Die Vielzahl an Optionen macht die Qualifikation unübersichtlich und erschwert die Planung der Vereine erheblich.

Magdeburg mit bester Chance auf direkte Qualifikation

Aktuell führt der SC Magdeburg die Tabelle an und wäre als Meister direkt qualifiziert. Zudem spielt das Team noch um den Champions-League-Titel. Die Füchse Berlin stehen ebenfalls im Viertelfinale der Königsklasse und wären als aktueller Tabellendritter im Upgrade-Verfahren vertreten.

Die SG Flensburg-Handewitt auf Platz zwei könnte sich zusätzlich über einen möglichen Sieg in der European League qualifizieren. Der VfL Gummersbach (4.) hat zwar nur einen Minuspunkt mehr als Berlin, besitzt aber keine zusätzliche Chance über den Europapokal.

Handball-Bundesliga (Stand: 27. Spieltag)

Tabelle
Quali über Titelgewinn möglich
Aktueller Stand

1. SC Magdeburg

Champions League

Direkte CL-Quali

2. SG Flensburg-Handewitt

European League

CL-Upgrade sonst European League

3. Füchse Berlin

Champions League

CL-Upgrade sonst European League

4. VfL Gummersbach

Nur über Tabellenplatz

European League

5. THW Kiel

European League

European League

6. TBV Lemgo Lippe

Nur über Tabellenplatz

European League (nur bei 2 CL-Plätzen)

7. MT Melsungen

European League

European League (nur bei 3 CL-Plätzen)

15. Bergischer HC

Pokalsieger

Nur bei Pokalsieg

Auch Viktor Szilagyi, Geschäftsführer des THW Kiel, äußerte sich zur Reform zwiegespalten: “Grundsätzlich sehe ich sie positiv, da ein dritter deutscher Teilnehmer möglich wird.” Gleichzeitig kritisierte er die fehlende Planungssicherheit: “Als Drittplatzierter weiß man weiterhin nicht, woran man ist.”

HBL in European League weiter mit vier Teams

In der European League bleiben Deutschland vier feste Startplätze. Einer davon ist für den DHB-Pokalsieger reserviert. In diesem Jahr könnte das neben Berlin, Magdeburg und Lemgo auch der Bergische HC sein. Das Beispiel zeigt die Komplexität: Gewinnt ein Außenseiter den Pokal, könnte selbst Platz sieben nicht mehr für Europa reichen. Klar ist lediglich: Die HBL erhält maximal sieben internationale Startplätze – vier in der European League und ein bis drei in der Champions League.

Das Upgrade-Verfahren selbst basiert auf einem Punktesystem, bei dem Faktoren wie TV-Markt, Hallengröße, Markenstärke und Öffentlichkeitsarbeit bewertet werden. Schindler kritisierte dieses Modell deutlich: “Platz drei in der Bundesliga sollte mehr zählen als ein European-League-Sieg.” Dennoch will sich Gummersbach nicht in Rechenspielen verlieren, sondern sich auf die bestmögliche Platzierung konzentrieren. Wofür diese am Ende reicht, bleibt offen.


Quelle:

www.sportschau.de