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GesundheitIran-Krieg: Erneuter Angriff auf Atomkraftwerk Buschehr

Iran-Krieg: Erneuter Angriff auf Atomkraftwerk Buschehr

Der Iran meldet einen weiteren Luftangriff in der Nähe des Atomkraftwerks Buschehr. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA schlug gegen 8.30 Uhr Ortszeit ein Geschoss nahe dem Grenzzaun ein. Als Folge der Explosion und herumfliegender Splitter sei ein Mitarbeiter des Sicherheitspersonals getötet und ein Nebengebäude des Kraftwerks beschädigt worden.

Die Internationale Energieagentur (IAEA) in Wien teilte mit, sie sei vom Iran entsprechend informiert worden. IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi äußerte tiefe Besorgnis über den gemeldeten Vorfall. Kernkraftwerke oder deren Umgebung dürften niemals angegriffen werden, ließ Grossi verlauten. Denn Nebengebäude der Anlagen könnten wichtige Sicherheitsausrüstung enthalten.

Österreich Wien 2025 | Rafael Grossi bei einer IAEA-Sondersitzung zu Angriffen auf den Iran (02.03.2025)
IAEA-Generaldirektor Grossi: Tiefe BesorgnisBild: Salih Okuroglu/Anadolu/picture alliance

Der IAEA-Chef bekräftigte seine Forderung nach größtmöglicher militärischer Zurückhaltung, um das Risiko eines Atom-Unfalls zu vermeiden.

Laut IRNA sind durch den Angriff keine Schäden an den Hauptbereichen des Kraftwerks entstanden. Der Betrieb sei nicht beeinträchtigt.

Will das Mullah-Regime die Bombe?

US-Präsident Donald Trump bezeichnet das iranische Atomprogramm als einen der Gründe für den Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran. Westliche Staaten werfen dem Iran seit Jahren vor, nach Atomwaffen zu streben, was das Regime in Teheran bestreitet.

Allerdings ist nach Einschätzung der IAEA der Iran das einzige Land ohne eigene Atomwaffen, das Uran auf 60 Prozent anreichert. Die Anreicherung erfolgt mithilfe von Zentrifugen. Hochangereichertes Uran ist eine Voraussetzung für den Bau einer Atombombe. Zur Herstellung von Nuklearsprengköpfen ist auf 90 Prozent angereichertes Uran nötig, zur Stromerzeugung mit Atomkraft ist eine Anreicherung auf 3,67 Prozent ausreichend.

Der Iran hatte zuletzt am Samstag vergangener Woche den Einschlag eines Projektils auf dem Gelände des Atomkraftwerks Buschehr gemeldet. Insgesamt ist es seit Kriegsbeginn Ende Februar der vierte Einschlag eines Geschosses nahe dem AKW beziehungsweise auf dessen Gelände.

Rosatom zieht Konsequenzen

Die Atomanlage Buschehr ist das einzige iranische Kernkraftwerk. Das AKW liegt etwa 760 Kilometer südlich der Hauptstadt Teheran am Persischen Golf. Der Reaktor russischer Bauart liefert seit 2011 Strom. Russlands staatlicher Atomkonzern Rosatom baut dort derzeit einen zweiten Reaktorblock. Russische Techniker unterstützten auch den Betrieb vor Ort.

Nach dem mehrfachen Beschuss zog Rossatom nun Konsequenzen und bringt nach und nach seine Mitarbeiter in Sicherheit. Russische Nachrichtenagenturen zitieren den Chef des Atomkonzerns, Alexej Lichatschow, mit den Worten, die Entwicklungen in der Nähe des Kraftwerks entsprächen dem schlimmsten anzunehmenden Szenario.

Russland Sankt Petersburg 2026 | Alexej Lichatschow vor dunklem Hintergrund (02.04.2026)
Rosatom-Chef Lichatschow: “Schlimmstes anzunehmendes Szenario”Bild: Peter Kovalev/TASS/ZUMA/picture alliance

“Etwa 20 Minuten nach dem verhängnisvollen Angriff fuhren Busse vom Busbahnhof Buschehr in Richtung der iranisch-armenischen Grenze ab”, so Lichatschow. Es seien 198 Arbeiter in Sicherheit gebracht worden – “das ist die größte Evakuierung”.

Bereits Ende März waren gut 160 russische Arbeiter nach US-israelischen Angriffen von dem Gelände fortgebracht worden. Die nun erfolgte Evakuierung von weiteren Mitarbeitern sei bereits vor dem Angriff am Samstag geplant gewesen, teilte der Rosatom-Chef mit.

AR/cw (dpa, afp, rtr, IAEA)

Redaktionsschluss 17.45 Uhr (MESZ) – Dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert.


Quelle:

www.dw.com