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Iran-Krieg: Schiffe als Zielscheiben von Minen und Raketen

Der Krieg der USA und Israels mit dem Iran trifft den Welthandel an einer seiner empfindlichsten Stellen: Im Persischen Golf und in der Straße von Hormus geraten immer wieder Frachter und Tanker unter Beschuss. Nach mutmaßlichen Angriffen des Irans hat es nun weitere Zwischenfälle gegeben.

Ein “unbekanntes Geschoss” habe ein Frachtschiff in der Meerenge getroffen und einen Brand ausgelöst, hieß es an diesem Mittwoch aus Großbritannien von der Behörde für Sicherheit der Handelsschifffahrt (UKMTO). Die Besatzung habe um Unterstützung gebeten und das Schiff werde evakuiert.

Im Persischen Golf vor der Küste Dubais sei zudem ein Massengutfrachter von einem ebenfalls “unbekannten Geschoss” getroffen worden, meldete die UKMTO. Die Crew sei aber in Sicherheit. Die britische Behörde hatte Stunden zuvor auch mitgeteilt, dass ein Containerschiff weiter östlich von einem “unbekannten Geschoss” an der Einfahrt zur Straße von Hormus getroffen worden sei.

Kein Geleitschutz für Handelsschiffe

US-Präsident Donald Trump hat in den vergangenen Tagen wiederholt erklärt, dass die USA im Bedarfsfall jederzeit zu Begleitschutz für Handelsschiffe bereit seien, um die Transporte in der wichtigen Wasserstraße wieder aufzunehmen. Hingegen hält das US-Militär Eskorten von Handelsschiffen durch die Straße von Hormus Insidern zufolge für zu riskant.

Oman Maskat 2026 | Tanker "Callisto" vor Anker in der Nähe der Straße von Hormus (10.03.2026)
Tanker auf Reede im Golf von Oman (am Dienstag)Bild: Benoit Tessier/REUTERS

Die Marine habe nahezu täglich entsprechende Anfragen aus der Schifffahrtsbranche erhalten, diese aber abgelehnt, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters von mit der Angelegenheit vertrauten Personen. Die Marine habe dies damit begründet, ⁠dass ⁠das Risiko von Angriffen derzeit zu hoch sei.

Tückische Gefahr im Wasser

Neben Angriffen aus der Luft droht in der Straße von Hormus nun möglicherweise auch eine tückische Gefahr im Wasser: Laut Medienberichten will der Iran die vor allem für den globalen Ölhandel wichtige Zufahrt zum Persischen Golf verminen. Der Sender CBS berichtet, US-Geheimdienste sähen Anzeichen dafür, dass der Iran Vorbereitungen treffe, Minen in der Straße von Hormus zu legen. Möglicherweise haben iranische Streitkräfte dies auch schon getan.

Straße von Hormus 2026 | Schwarzweiß-Luftbild einer Überwachungskamera von einem iranischen Marineboot (10.03.2026)
US-Aufnahme von iranischem Marineboot, kurz vor einem Treffer durch ein US-Projektil (am Dienstag)Bild: US Central Command/AFP

Laut dem US-Sender CNN hat der Iran in der Meeresenge bereits rund ein Dutzend der schwimmenden Sprengsätze platziert. Der Sender stützt sich dabei auf Aussagen von ungenannten Quellen. Eine der Personen sagte demnach, der Iran verfüge noch immer über das Gros seiner kleinen Boote und Minenleger. Die Streitkräfte könnten demnach Hunderte von Minen in der Wasserstraße verlegen.

Trump droht dem Iran

Der US-Präsident reagierte auf die Medienberichte mit einer Vergeltungsdrohung in Richtung Teheran. “Sollten aus irgendeinem Grund Minen ausgelegt worden sein und diese nicht unverzüglich entfernt werden, wird dies für den Iran militärische Konsequenzen in einem bisher nie dagewesenen Ausmaß haben”, ließ Donald Trump auf seiner Plattform Truth Social verlauten.

Die USA würden “dieselben Technologien und Raketenkapazitäten” einsetzen wie gegen Drogenhändler in der Karibik, um ⁠alle Boote oder Schiffe, die versuchen, die Straße von Hormus zu verminen, “permanent zu eliminieren”. Sollten die Iraner hingegen “entfernen, was womöglich platziert wurde”, wäre das “ein großer Schritt in die richtige Richtung”, so Trump.

USA Miami 2026 | Donald Trump betritt über eine Gangway die Air Force One - im Vordergrund eine der Triebwerksaufhängungen des Jumbo Jets (09.03.2026)
US-Präsident Trump: “Konsequenzen in einem bisher nie dagewesenen Ausmaß”Bild: Kevin Lamarque/REUTERS

Etwas später teilte das US-Regionalkommando für den Nahen Osten (Centcom) mit, US-Streitkräfte hätten mehrere iranische Marineschiffe zerstört – darunter 16 sogenannte Minenleger, in der Nähe der Straße von Hormus.

Attacken auf Israel und die Golfstaaten

Auch an Land gehen die gegenseitigen Angriffe unvermindert weiter: Die iranischen Streitkräfte attackierten erneut Ziele in Israel und in mehreren Golfstaaten. Die jüngste Angriffswelle sei die bisher “intensivste und schwerste” gewesen, berichtete der iranische Staatssender IRIB unter Berufung auf die iranischen Revolutionsgarden.

Israel Tel Aviv 2026 | Leuchtspuren von zwei Geschossen am nächtlichen Himmel (11.03.2026)
Abfangversuch der israelischen Raketenabwehr gegen iranische Raketen über Tel AvivBild: Dylan Martinez/REUTERS

Irans Streitkräfte zielten iranischen Staatsmedien zufolge auf Tel Aviv, Jerusalem und Haifa im Norden Israels sowie “zahlreiche US-Ziele in Erbil” im Norden des Irak, den Marinestützpunkt der fünften US-Flotte in Bahrain und den US-Armeestützpunkt Arifdschan südlich von Kuwait-Stadt ab. Der Raketenangriff habe drei Stunden gedauert.

Der israelische Rettungsdienst erklärte, seine Einsatzkräfte würden “eine kleine Anzahl von Menschen behandeln, die auf dem Weg in geschützte Bereiche verletzt wurden”. Der israelische Sender Channel 12 berichtete von mehreren Verletzten nahe Tel Aviv.

Mehrere Golfstaaten meldeten Raketen- und Drohnenangriffe. Saudi-Arabiens Armee fing nach Angaben aus Riad sieben ballistische Raketen über dem saudi-arabischen Territorium ab. Sechs davon hätten den Luftwaffenstützpunkt Prinz Sultan in der Provinz al-Chardsch anvisiert, teilte das saudi-arabische Verteidigungsministerium mit.

Zudem seien sieben Drohnen abgefangen worden, die auf dem Weg zu dem Ölfeld Schaybah im Südosten des Landes gewesen seien. Acht weitere Drohnen seien im Osten des Landes gestoppt worden.

Kuwait gab bekannt, insgesamt acht Drohnen abgefangen zu haben, ohne weitere Details zu nennen. In Katars Hauptstadt Doha waren mehrere laute Explosionen zu hören, meldet die Nachrichtenagentur AFP. Die Sicherheitsbedrohung sei groß, teilte das katarische Innenministerium mit und rief die Menschen auf, zu Hause zu bleiben.

Augenzeugen: Schwerste Angriffe auf Teheran

Auch der Iran ist weiter Ziel von US-israelischen Attacken. Einwohner Teherans berichten von den ⁠bislang schwersten Luftangriffen des Krieges. “Es war die Hölle”, sagte ein Bürger der Nachrichtenagentur Reuters. Im ⁠Osten der Stadt seien zwei fünfstöckige Wohnhäuser getroffen worden.

Iran Teheran 2026 | Menschen nahe beschädigter Fahrzeuge nach mutmaßlichem Luftangriff (11.03.2026)
Handybild von Zerstörungen in TeheranBild: Social Media/REUTERS

Die israelische Armee teilte mit, das Militär sei rund um die Uhr im Einsatz, um die iranische Infrastruktur für den Abschuss ballistischer Raketen zu zerstören. Ziel sei, den Umfang der Angriffe auf israelisches Gebiet zu verringern.

AR/pgr (afp, rtr, dpa)


Quelle:

www.dw.com