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Iran: Wer beeinflusst die Verhandlungen mit den USA?

Seit dem 8. April suchen die USA nach einem Abkommen mit dem Iran, um den Krieg zu beenden. Doch die Gespräche, die über Vermittler geführt werden, sind ins Stocken geraten.

US-Präsident Donald Trump sieht den Grund dafür in der chaotischen innenpolitischen Lage des Iran. “Der Iran hat große Schwierigkeiten herauszufinden, wer eigentlich sein Anführer ist”, schrieb er am vergangenen Donnerstag (23.04.2026) auf dem sozialen Netzwerk Truth Social. Es gebe einen Machtkampf zwischen “Hardlinern” und “Gemäßigten, die gar nicht so gemäßigt sind, aber an Akzeptanz gewinnen”.

Am selben Tag berichtete der amerikanische Nachrichtensender CNN, dass das US-Militär unter anderem gezielte Angriffe auf einzelne iranische Militärführer sowie andere Personen planen würde, die nach Einschätzung der USA die Verhandlungen aktiv untergraben.

Ganz oben auf dieser Liste dürfte Ahmad Vahidi stehen, der seit März 2026 der an der Spitz der iranischen Revolutionsgarde steht.

Ahmad Vahidi, Oberbefehlshaber der iranischen Revolutionsgarde

Als Oberbefehlshaber der iranischen Revolutionsgarde folgte der 68-jährige Ahmad Vahidi auf Mohammad Pakpour, der am 28. Februar 2026 zusammen mit mehreren hochrangigen Kommandeuren der Revolutionsgarde während einer Sitzung mit dem Obersten Führer Ali Chamenei getötet wurde.

Iran | Innenminister Ahmad Vahidi
Ahmad Vahidi, Oberbefehlshaber der iranischen RevolutionsgardeBild: Foas Ashtari/Tasnim

Ahmad Vahidi ist kein unbekanntes Gesicht, weder im Iran noch international. Bereits seit 2007 fahndet Interpol als internationale Organisation für kriminalpolizeiliche Zusammenarbeit nach ihm wegen seiner mutmaßlichen Beteiligung am Bombenanschlag auf das jüdische Gemeindezentrum AMIA (Asociación Mutual Israelita Argentina) in Buenos Aires.

Argentinische Ermittler betrachten Vahidi als einen der Drahtzieher des verheerenden Anschlags, bei dem 85 Menschen getötet und mehr als 300 verletzt wurden. Zum Zeitpunkt des Anschlags war Vahidi Kommandeur der Quds-Brigade, einer Eliteeinheit der iranischen Revolutionsgarde (IRGC), die für Auslandseinsätze zuständig ist.

Vahidi schloss sich bereits im Alter von 20 Jahren der Revolutionsgarde an und machte während des Iran-Irak-Krieges Karriere. Danach wurde er Kommandeur der Quds-Einheit und blieb bis 1997 in dieser Position.

Er gilt als enger Vertrauter der Hardliner. Unter Präsident Mahmud Ahmadineschad (2009-2013) war er Verteidigungsminister. Unter Präsident Ebrahim Raisi war Vahidi von 2021 bis 2024 Innenminister.

Während der Protestbewegung “Frau, Leben, Freiheit” nach dem Tod von Jina Mahsa Amini in Polizeigewahrsam im Jahr 2022 galt er als eine der zentralen Figuren bei der Unterdrückung der Proteste und als entschiedener Befürworter des Kopftuchzwangs.

Vahidi soll laut iranischen Quellen zudem zum inneren Kreis jener Personen gehören, die direkten Kontakt zum neuen Revolutionsführer im Iran, Modschtaba Chamenei, pflegen.

Nach Einschätzung des amerikanischen Institute for the Study of War (ISW) und des Critical Threats Project (CTP) deutet die aktuelle Lage im Iran darauf hin, dass sich Vahidi im internen Machtkampf stärker als Mohammad Bagher Ghalibaf zeigen könnte. Ghalibaf ist der Parlamentschef und wird dem gemäßigten Lager zugerechnet, das direkte Verhandlungen mit den USA befürwortet.

Mohammad Bagher Ghalibaf, Parlamentschef

Mohammad Bagher Ghalibaf gehört zu den einflussreichsten Politikern, ebenfalls mit engen Verbindungen zur Revolutionsgarde. Seit 2020 ist er Präsident des iranischen Parlaments (Madschles).

Iran Teheran 2025 | Basidsch-Versammlung am Mausoleum von Ruhollah Chomeini
Parlamentschef Mohammad Bagher Ghalibaf war Kommandeur der Revolutionsgarde Bild: Icana/ZUMA/picture alliance

Im Jahr 1961 geboren, schloss er sich nach der Revolution der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC) an. Während des Iran-Irak-Krieges war er Kommandeur in der Revolutionsgarde und stieg später im Sicherheitsapparat weiter auf.

Als Parlamentschef hat er die ersten direkten Verhandlungen mit den USA in Pakistan geführt. Ob er diese Rolle weiter ausüben wird, ist derzeit unklar.

Interne Konflikte mit ultraharten Kräften über den Kurs, der bei den Gesprächen eingeschlagen werden soll, werden offiziell dementiert. Im inneren Machtkampf soll Mohammad Bagher Ghalibaf intern deutlich vor dem Einfluss von Leuten wie Said Dschalili gewarnt haben, die nach seiner Einschätzung “den Iran zerstören werden”.

Laut dem iranischen Nachrichtenportal Jamaran dementierte Amir Ebrahim Rasouli, politischer Berater des Parlamentspräsidenten, entsprechende Berichte.

Said Dschalili, der Hardliner

Der amerikanische Sender Fox News berichtete am 26. April, dass Said Dschalili ein “Ultra-Hardliner, der Trump verspottet hat, kurz davorsteht, die Atomverhandlungen zu übernehmen”. Eine offizielle Bestätigung aus dem Iran für einen Wechsel im Verhandlungsteam gibt es nicht.

Iran I Said Dschalili
Said Dschalili lehnt jede Annäherung an den Westen abBild: Morteza Nikoubazl/NurPhoto/picture alliance

Said Dschalili (geboren 1965) ist einer der bekanntesten Hardliner im iranischen politischen System und lehnt jede Annäherung an den Westen ab. Wie viele seiner Generation hatte er sich im Iran-Irak-Krieg (1980-1988) freiwillig zum Militär gemeldet und verlor bei seinem Einsatz einen Teil seines rechten Beins. Nach dem Krieg startete er 1989 seine Karriere im iranischen Außenministerium.

Später arbeitete er im Büro des Obersten Führers und war von 2007 bis 2013 Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats sowie gleichzeitig Chefunterhändler im Atomprogramm. In dieser Rolle führte er die Gespräche mit dem Westen in eine zunehmend konfrontative Richtung und trug damit zu weiteren UN-Sanktionsbeschlüssen gegen den Iran bei.

Nach den jüngsten Äußerungen von Donald Trump positionierte er sich demonstrativ an der Seite der Regierung und unterstützte die offizielle iranische Linie. Dschalili und weitere Funktionsträger veröffentlichten in sozialen Netzwerken nahezu identische Beiträge mit dem Inhalt: “In unserem Iran gibt es weder Hardliner noch Gemäßigte.”

In der Botschaft hieß es weiter: “Wir alle sind ‘iranisch’ und ‘revolutionär’, und mit der eisernen Einheit von Volk und Staat werden wir in vollständiger Gefolgschaft gegenüber dem Obersten Führer der Revolution, den verbrecherischen Aggressor zur Reue zwingen.”

Modschtaba Chamenei, der Oberste Führer Irans

Der Oberste Führer ist Modschtaba Chamenei, geboren 1969 als der zweite Sohn des ehemaligen iranischen Obersten Führers Ali Chamenei. Nach dessen Tod im Februar 2026 wurde er von der 88-köpfigen Expertenversammlung als dessen Nachfolger und neuer Oberster Führer bestimmt.

Iran Teheran 2026 | Jugendliche vor einem Plakat von Ayatollah Modschtaba Chamenei
Bilder von Modschtaba Chamenei hängen in vielen Straßen landesweitBild: Morteza Nikoubazl/NurPhoto/picture alliance

Seit seinem Amtsantritt am 8. März 2026 warten seine Anhänger auf ein öffentliches Signal. Bis heute gibt es aber weder ein offizielles Video noch eine Tonaufnahme von ihm. Im Gegensatz zu seinem Vater oder dem Revolutionsführer Ajatollah Khomeini ist Modschtaba nicht als öffentlicher Redner bekannt und trat stets im Hintergrund auf.

Viele fragen sich, ob er den Angriff mit rund 30 Raketen auf die Wohn- und Bürokomplexe seines Vaters überlebt hat.

Laut einem Bericht der New York Times von letzter Woche soll er schwer verletzt an einem geheimen Ort behandelt werden, ohne elektronische Kommunikation und unter Aufsicht eines kleinen Kreises vertrauenswürdiger Ärzte. Auch Präsident Masud Peseschkian soll laut Bericht als Herzchirurg an seiner Behandlung beteiligt sein.

Masud Peseschkian, der Präsident

Masud Peseschkian ist seit Juli 2024 Präsident des Iran. Er wurde 1954 in Mahabad geboren, ist ausgebildeter Herzchirurg und war von 2001 bis 2005 Gesundheitsminister unter Präsident Mohammad Chatami. Später war er viele Jahre Parlamentsabgeordneter für Täbris und von 2016 bis 2020 Vizepräsident des iranischen Parlaments.

Iran Teheran 2026 | Präsident Masud Peseschkian bei Regierungssitzung im Präsidentenpalast in Teheran
Präsident Masud Peseschkian Bild: Iranian Presidency/ZUMA/picture alliance

Im politischen System des Iran ist der Präsident dem Obersten Führer nachgeordnet , der die eigentliche Kontrolle über Militär, Revolutionsgarde, Justiz und strategische Außenpolitik besitzt.

Peseschkian betont immer wieder die Notwendigkeit von Verhandlungen mit den USA und fordert “faire und gleichberechtigte Gespräche”. Er steht offiziell hinter Mohammad Bagher Ghalibaf, der als Parlamentspräsident erste direkte Kontakte in den Verhandlungen mit den USA in Pakistan geknüpft hat.

Abbas Araghtschi, der Außenminister

Auch Abbas Araghtschi greift diese Botschaft in seinen öffentlichen Aussagen immer wieder auf. Geboren im Jahr 1962, ist Araghtschi seit 2024 Außenminister des Iran und das öffentliche Gesicht bei den Verhandlungen mit den USA.

Pakistan Rawalpindi 2026 | Irans Außenminister Araghchi trifft zu Friedensgesprächen ein
Irans Außenminister Araghtschi war zweimal am Wochenende in Pakistan Bild: Aamir Qureshi/Pakistan’s Prime Minister Office/AFP

Er nahm bereits als Teenager an der iranischen Revolution teil und kämpfte in den 1980er Jahren im Iran-Irak-Krieg als Mitglied der Revolutionsgarde. Araghtschi trat 1989 in das iranische Außenministerium ein und war unter anderem Botschafter in Finnland (1999-2003) und Japan (2007-2011) sowie mehrfach Vizeminister und Sprecher des Außenministeriums. 2015 war er der Chefunterhändler des Iran in den Atomgesprächen, die zum Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA), bekannt als das iranische Atomabkommen,  führten.

In den vergangenen Tagen war Araghtschi zu Gesprächen nach Pakistan, den Oman und am Montag (27.04.) nach Russland gereist. Gleichzeitig steht er im Zentrum intensiver diplomatischer Aktivitäten.

Die der Revolutionsgarde nahestehende iranische Nachrichtenagentur Fars berichtete zudem, der Iran habe über den Vermittler Pakistan “schriftliche Botschaften” an die US-Regierung übermittelt. Diese sollen sich auf “rote Linien der Islamischen Republik Iran” beziehen, darunter das Atomprogramm und die Straße von Hormus. Laut dem Bericht sind diese Inhalte jedoch nicht Teil der offiziellen Verhandlungen.


Quelle:

www.dw.com