Insekten gelten als mögliche Proteinquelle der Zukunft. Besonders die Larven der Schwarzen Soldatenfliege werden häufig als klimafreundliche Alternative zu Fleisch oder Soja genannt, weil sie aus Reststoffen hochwertiges Eiweiß erzeugen können. Doch wie nachhaltig ist die Produktion dieser Insektenlarven tatsächlich? Ein Forschungsteam hat das nun genauer untersucht.
Die Larven der Schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens) enthalten hochwertiges Protein, das in seiner Qualität mit Sojaprotein vergleichbar ist. Zudem können sie auf ganz unterschiedlichen Biomassequellen wachsen, darunter Neben- und Reststoffen aus Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung. Fachleute sehen deshalb großes Potenzial darin, dass diese Larven künftig zu einer nachhaltigeren Proteinproduktion beitragen könnten. Wie umwelt- und klimafreundlich die Aufzucht der Larven ist, war bislang jedoch kaum untersucht.
Es kommt auf das Futter an
Ein Forschungsteam um Manfred Mielenz vom Forschungsinstitut für Nutztierbiologie in Dummersdorf hat sich der Frage nun erstmals systematisch angenommen. Die Forschenden untersuchten, wie sich Qualität und Nährstoffzusammensetzung der verfütterten Biomasse auf Wachstum, Körperzusammensetzung und Gasemissionen der Insektenlarven auswirken. Die kontinuierlichen Messungen der Gasemissionen von Kohlendioxid und Ammoniak erfolgten dabei in einer sensiblen Phase der Larvenentwicklung, nämlich zwischen dem neunten und 16. Tag nach dem Schlupf.
Das Ergebnis: Welche Gase während der Aufzucht entstehen, hängt stark von der Qualität und der Nährstoffzusammensetzung des Futters ab. Ist das Substrat schwer verdaulich oder nährstoffarm, wachsen die Larven schlechter und setzen weniger Protein an – gleichzeitig steigt die CO₂-Emission. Mit nährstoffreicherer Biomasse entwickeln sich die Larven dagegen deutlich besser. Gegen Ende der Wachstumsphase können unter solchen Bedingungen jedoch erhöhte Ammoniakemissionen auftreten. Vermutlich hängt das mit einem unausgewogenen Verhältnis von Protein und Energie im Futter zusammen.
Klimabilanz nur mit Gesamtbetrachtung
Entscheidend ist deshalb auch, wie diese Emissionen bewertet werden. „Emissionen lassen sich nur sinnvoll einordnen, wenn sie auf den tatsächlichen Output bezogen werden – etwa auf den Proteinansatz oder die Trockenmasse der Larven“, erklärt Mielenz. „Höhere absolute Emissionen bedeuten nicht zwangsläufig eine schlechtere Klimabilanz, wenn die Emissionen je Einheit des erzeugten hochwertigen Proteins geringer sind.“ Eine erste grobe Einordnung deutet darauf hin: Bezogen auf die produzierte Proteinmenge könnten die CO₂-Emissionen der Larven niedriger liegen als bei Rindern oder Hühnern. Die Forschenden betonen jedoch, dass es sich dabei nur um eine erste Schätzung handelt und weitere Studien nötig sind.
Die Studie liefert nun erstmals quantitative Emissionsdaten und zeigt zudem, wie sich Futtersubstrate so zusammensetzen lassen, dass bei der Produktion des Insektenproteins weniger Emissionen entstehen und die Larvenaufzucht effizienter wird. Für eine abschließende Bewertung der Emissionen reicht eine Untersuchung der Larvenaufzucht allein jedoch nicht aus, wie die Forschenden betonen. Entscheidend ist der gesamte Lebenszyklus für das Insektenprotein aus den Soldatenfliegen – also auch die Produktion der Futtersubstrate und der Umgang mit verbleibenden Reststoffen nach der Wachstumsphase. Dennoch legen diese und weitere Studien nahe, dass Insekten langfristig dazu beitragen können, tierisches Protein nachhaltiger zu produzieren.
Quelle: Forschungsinstitut für Nutztierbiologie; Fachartikel: Bioresource Technology, doi: 10.1016/j.biortech.2025.133812
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