Die Bürgerinnen und Bürger in Kiel haben mit deutlicher Mehrheit für eine Olympia-Bewerbung ihrer Stadt gestimmt. Wer der Kieler Partner bei einer Bewerbung wird, steht noch nicht fest.
Nach Angaben der Stadt Kiel stimmten laut vorläufigem Endergebnis 63,5 Prozent bei dem Bürgerentscheid am Sonntag mit “Ja”, 36,5 Prozent mit “Nein”. Auch das nötige Quorum wurde mit 35.043 Ja-Stimmen erreicht. Dieses sah vor, dass mindestens 19.022 Menschen mit Ja stimmen mussten. Das entspricht zehn Prozent der Stimmberichtigten (insgesamt 190.220). Die Abstimmungsbeteiligung lag bei 29,1 Prozent.
OB Kämpfer: “Fulminantes Ergebnis”
“Ich freue mich über dieses fulminante Ergebnis. Das ist ein ganz starkes Signal“, sagte Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD). Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und Innenministerin Magdalena Finke (CDU) sprachen von einer “großartigen Nachricht für den Sport und unsere Gesellschaft.” Landtagspräsidentin Kristina Herbst (CDU) sagte, nun gelte es, “den Vertrauensvorschuss verantwortungsvoll umzusetzen.” Auch der FDP-Landesverband äußerte sich positiv.
TASH: “Chance für Tourismus”
Die Industrie- und Handelskammer zu Kiel (IHK) begrüßte das Votum. “Die Menschen haben sich bewusst für eine große Chance entschieden, unseren Standort international sichtbarer zu machen und langfristige wirtschaftliche Impulse zu setzen”, sagte Knud Hansen, Präsident der IHK zu Kiel. Die Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TASH) betonte, “olympische Wettkämpfe in Kiel wären eine große Chance für Schleswig-Holsteins Tourismus.”
Linke: “Mehrheit ist nicht von Olympia begeistert”
Der grün-roten Rathauskooperation ist es nicht gelungen, eine überzeugend große Mehrheit für Olympia zu begeistern und ihr selbst gestecktes Ziel von 70 Prozent Zustimmung zu erreichen.
Kritik kam von den Linken. Björn Thoroe (Die Linke) monierte: “Die niedrige Wahlbeteiligung zeigt, dass das Olympia-Fieber noch nicht ausgebrochen ist.”
Segeln, Rudern, Handball und Rugby als Sportarten denkbar
In dem Bürgerentscheid ging es darum, ob sich die Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein zusammen mit einem deutschen Hauptaustragungsort für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben soll.
In Kiel könnten die Segelwettbewerbe – dazu zählen auch Kite- und Windsurfen – stattfinden. Weitere Sportarten wie Freiwasserschwimmen, Küstenrudern sowie Handball und Rugby wären ebenfalls denkbar.
Olympia: Vier deutsche Bewerber konkurrieren um den Zuschlag
Im deutschen Wettbewerb konkurrieren vier Bewerber darum, als offizieller Olympia-Bewerber ins internationale Rennen zu gehen. Hamburg hat sich bereits darauf festgelegt, dass Kiel der Segel-Partner sein soll. Allerdings hängt der Fortgang der Bewerbung in der Hansestadt von einem Referendum ab, das am 31. Mai endet. Sollte es ein “Nein” der Bevölkerung geben, wäre das Projekt gescheitert.
Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sprach nach dem positiven Votum in Kiel von einem “starken Signal im Wettbewerb der Regionen um die bedeutendste Sportveranstaltung der Welt”. Er setzt “auf ein ebenso positives Ergebnis im Referendum am 31. Mai in Hamburg”.
Berlin plant mit Rostock-Warnemünde als Segel-Standort. Noch nicht endgültig entschieden haben sich München und die Region Rhein-Ruhr.
DOSB entscheidet am 26. September
Bis zum 4. Juni müssen die Bewerber ihr finales Konzept beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) einreichen. Anschließend bewertet eine Evaluierungskommission anhand eines umfangreichen Kriterienkatalogs die Konzepte – und kann eine Wahl-Empfehlung aussprechen.
Über den deutschen Olympia-Kandidaten entscheidet dann am 26. September die DOSB-Mitgliederversammlung in Baden-Baden.
Kiel bereits 1936 und 1972 Olympia-Standort
Kiel hat bereits Olympia-Erfahrung: 1936 war die Stadt Segel-Partner von Berlin, 1972 von München. Das Olympiazentrum Schilksee soll auch bei der erneuten Bewerbung genutzt werden. Allerdings müsste es modernisiert werden.
Zwischen Schilksee und Strande (Kreis Rendsburg-Eckernförde) könnte das olympische Dorf stehen. Nach den Spielen könnte es für sozialen Wohnraum genutzt werden. Allein diese Maßnahmen kosten wohl etwa 65 Millionen Euro, sagte Oberbürgermeister Kämpfer im März. Einen Teil der Kosten sollen der Bund und das Land tragen.
Quelle:
www.sportschau.de




