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SportMarie-Louise Eta: "Natürlich ist es schön, zu inspirieren"

Marie-Louise Eta: "Natürlich ist es schön, zu inspirieren"


interview

Stand: 16.04.2026 • 17:59 Uhr

Wenn der 1. FC Union am Samstag auf den VfL Wolfsburg trifft, wird Marie-Louise Eta als erste Trainerin in der Fußball-Bundesliga der Männer Geschichte schreiben. Auch darüber spricht sie im RBB-Interview.

Marie-Louise Eta wurde am Donnerstag offiziell als Cheftrainerin des 1. FC Union Berlin vorgestellt. Wenn die “Eisernen” am Samstag (18. April, 15:30 Uhr) den VfL Wolfsburg empfangen, wird die 34-Jährige als erste Trainerin in der 1. Fußball-Bundesliga der Männer Geschichte schreiben. Im Interview spricht Eta über einen besonderen Anruf am vergangenen Samstagabend, ihre Vorreiterrolle, eigene Vorbilder und die verbleibenden Spiele im Kampf um den Klassenerhalt.

rbb|24: Frau Eta, wie haben Sie die vergangenen Tage – seit Ihrer Ernennung zur Cheftrainerin der Union-Profis – wahrgenommen?

Marie-Louise Eta: Als der Anruf am Samstagabend kam, war ich erstmal überrascht. Ich habe mich aber über das Vertrauen von Dirk Zingler [Präsident des 1. FC Union; Anm. d. Red.] und vom Verein gefreut.

Dann ging es direkt weiter. Ich war bis dahin ja in der Spielvorbereitung für die U19-Junioren. Es war auch nicht das beste Gefühl, über eine WhatsApp-Nachricht die Jungs und den Staff am Samstagabend darüber zu informieren, dass ich am nächsten Tag nicht kommen kann. Ich habe versucht, die Aufgaben zu verteilen und das trotzdem noch bestmöglich vorzubereiten, sodass die U19 – meine Mannschaft – am Sonntag ein gutes Spiel machen konnte.

rbb|24: Sie sind nun diejenige, die als erste Frau ein Team in der Männer-Bundesliga leiten wird. War Ihnen die Tragweite bewusst und hatten Sie eine Vorstellung, was das bedeutet? Der PK-Raum war bei Ihrer Vorstellung eben voller als vor jedem Champions-League-Spiel.

Eta: Das waren nicht meine ersten Gedanken. Die ersten Gedanken gingen sofort darum: Okay, wie gehen wir das jetzt an? Da war es vor allem wichtig, die ersten Gespräche zu führen und sich zu organisieren, wie die ersten Tage aussehen sollen – inhaltlich, aber auch drumherum. Das war sehr präsent.

Natürlich war mir aber bewusst, dass das etwas auslösen wird. Das haben wir so ähnlich ja auch schon vor drei Jahren [als Eta 2023 interimsweise Co-Trainerin wurde; Anm. d. Red.] erlebt oder auch, als Sabrina Wittmann als Cheftrainerin 2024 beim FC Ingolstadt in der dritten Liga ernannt wurde. Von daher war das nicht völlig überraschend. Ich habe mich damit aber auch nicht wirklich auseinandergesetzt.

rbb|24: Vincent Kompany, Cheftrainer des FC Bayern München, sagte, dass Ihr Start als Trainerin in der Bundesliga vielen Mädchen, die jetzt mit dem Fußballspielen anfangen, Türen öffnen könnte. Das könnte ein Schlüsselmoment für den Fußball sein. Sehen Sie sich auch als Vorreiterin?

Eta: Ich verstehe, dass das für die Öffentlichkeit ein großes Thema ist und dass das gesellschaftlich eine Signalwirkung haben kann. Darum ging es mir aber nicht; das war nie etwas, das ich mir vorgenommen habe. Ich habe aber versucht, diese Rolle anzunehmen und ich freue mich, dass ich hier das Vertrauen habe und in der Fußball-Bundesliga arbeiten darf. Am Ende geht es wieder um Fußball. Natürlich ist es aber schön, dadurch die eine oder andere zu inspirieren – und dass sich dadurch die eine oder andere Tür mehr öffnet.

rbb|24: Hatten Sie in jungen Jahren eigentlich Vorbilder im Fußball?

Eta: (lacht) Ja. Ein Vorbild war David Beckham – und relativ schnell ging es dann zu Xavi beim FC Barcelona, der inzwischen ja auch Trainer ist. Ansonsten gab es viele weitere Fußballer, denen ich gerne zugeschaut habe. Vor allem natürlich im zentralen Mittelfeld, auf der Position, auf der ich auch gespielt habe.

rbb|24: Sie kennen das Stadion An der Alten Försterei und den gesamten Verein seit etwa drei Jahren. In zwei Tagen, am Samstag, werden Sie zum ersten Mal als Cheftrainerin in der Kabine stehen. Haben Sie schon eine Idee davon, was Sie dann erwarten wird?

Eta: Ein Fußballspiel wird mich erwarten. Ich freue mich auf die Alte Försterei. Ich freue mich auf das Spiel – gemeinsam mit der Mannschaft, mit dem Staff, dem Trainerteam, den Fans, von denen wir jeden einzelnen brauchen werden. Mit Anpfiff ist sowieso klar, dass es um Fußball geht.

rbb|24: In dieser Saison stehen noch fünf Bundesliga-Spieltage an. Aktuell hat der 1. FC Union sieben Punkte Vorsprung auf den FC St. Pauli auf dem Relegationsplatz. Was wird die Hauptaufgabe sein?

Eta: Es geht nicht darum, alles auf links zu drehen – innerhalb von drei Tagen sowieso nicht. Es geht um die Stärken, die die Mannschaft immer wieder ausgezeichnet haben: über defensive Kompaktheit, Intensität und direkte Duelle alles dafür zu tun, um den Gegner bestmöglich vom Tor wegzuhalten. Natürlich ging es diese Woche aber auch um offensive Lösungen: mit dem Ball mutig zu sein, Optionen und Räume aufzuzeigen, in die wir am Wochenende kommen wollen, um Tore zu schießen. Denn am Ende wollen wir ja das Spiel gewinnen.

rbb|24: Und warum wird das am Samstag gegen Wolfsburg gelingen?

Eta: Weil wir eine sehr gute Energie, eine gute Mannschaft und die Fans im Rücken haben. Deshalb bin ich da sehr positiv gestimmt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Dennis Wiese.

Sendung: rbb|24, 16.04.2026, 17:20 Uhr

Audio: rbb|24, 16.04.2026, Marie-Louise Eta im Interview mit Dennis Wiese


Quelle:

www.sportschau.de