Die Bundeswehr gibt das Geld derzeit mit vollen Händen aus: Mehr als 108 Milliarden Euro stehen ihr in diesem Jahr zur Verfügung – eine gigantische, nie dagewesene Summe. Finanziert wird das aus dem laufenden Bundeshaushalt und aus Sondertöpfen, für die der Staat Kredite aufnimmt.
Mit diesem Geld soll die Bundeswehr, an der jahrzehntelang gespart wurde, wieder schlagkräftig gemacht werden. Das soll möglichst schnell gehen: Bereits 2029, so die Befürchtung von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), könnte Russland zu einem Angriff auf das Bündnisgebiet der NATO fähig sein. Was kauft die Bundeswehr von den vielen Milliarden? Und wie gut funktioniert die schnelle Aufrüstung? Einige herausragende Beispiele:
Erstmals Kampfdrohnen für die Bundeswehr
Um Kampfdrohnen hat die Bundeswehr lange einen Bogen gemacht – für die Anschaffung fand sich keine politische Mehrheit. Der Krieg in der Ukraine, in dem Drohnen ein entscheidender Faktor sind, führte in Deutschland zu einem Umdenken. Erstmals in ihrer Geschichte bestellt die Bundeswehr in diesem Jahr mehrere Tausend Kampfdrohnen.
Im Wettbewerb der Anbieter haben junge Technologieunternehmen die Nase vorn: Die Start-Ups Stark Defence aus Berlin und Helsing aus München sollen jeweils einen Auftrag von bis zu 300 Millionen Euro erhalten. Die Prototypen des Mitbewerbers Rheinmetall überzeugten die Prüfer der Bundeswehr hingegen nicht.
Gekauft werden Kamikazedrohnen, im Fachjargon “Loitering Munition” genannt. Die mit einem Sprengkopf ausgestatteten Drohnen stürzen sich auf ihr Ziel und zerstören sich dabei selbst. Unter anderem soll die Bundeswehrbrigade in Litauen damit ausgestattet werden, die zum besseren Schutz der NATO-Ostflanke aufgestellt wird.
Noch unzureichend: Die Drohnenabwehr
Auch bei der Drohnenabwehr hat die Bundeswehr Nachholbedarf. Ein Mix aus verschiedenen Abwehrwaffen soll die Lücken schließen. Das Spektrum reicht von Jammern, also Störsendern, bis hin zum Flugabwehrpanzer Skyranger 30, der auch Drohnenschwärme bekämpfen kann.
Der vom Rüstungskonzern Rheinmetall produzierte Skyranger wird besonders dringend erwartet, da sich die Flüge verdächtiger Drohnen über Deutschland häufen, auch über Liegenschaften der Bundeswehr. Er kann aber erst 2028 geliefert werden. Der Skyranger wird das Hauptwaffensystem der Flugabwehrtruppe des Heeres, die neu aufgestellt wird. 2012 war diese Einheit aufgelöst worden, weil sie aus damaliger Sicht nicht mehr gebraucht wurde.
Auch neu entwickelte Laserwaffen sind zur Drohnenabwehr vorgesehen, die nun die Marine anschaffen will. Eine solche Laserwaffe, die die Rüstungsfirmen Rheinmetall und MBDA entwickelt haben, hat die Testphase dort bereits durchlaufen. Sie steht nun ebenfalls auf der Einkaufsliste der Bundeswehr.
Großaufträge an US-Konzerne
Zwar kauft die Bundeswehr ihre neue Ausrüstung überwiegend bei deutschen und europäischen Rüstungsfirmen. Doch einige Großaufträge gehen an US-Konzerne. Etwa der für den Tarnkappenbomber F-35A, der als das modernste Kampfflugzeug der Welt gilt. Die Bundesregierung hat 35 Stück beim amerikanischen Rüstungsgiganten Lockheed Martin bestellt. Kosten des Gesamtpakets inklusive Bewaffnung und Ersatzteilen: Knapp zehn Milliarden Euro.
Ein Grund für die Wahl: Die F-35 können im Ernstfall mit US-Atombomben bewaffnet werden. Diese Rolle hatten bisher die Tornados der Bundeswehr, die aus Altersgründen in naher Zukunft ausgemustert werden. Die deutsche F-35-Flotte wird damit Teil des Nuklearschirms der NATO über Europa.
Außerdem kauft die Bundeswehr 60 schwere Transporthubschrauber CH-47 Chinook beim US-Luftfahrt- und Rüstungskonzern Boeing. Es gebe in Europa kein Konkurrenzprodukt, das diese Leistungsfähigkeit habe, heißt es aus der Luftwaffe. Kosten: 7,3 Milliarden Euro.
Aus dem Hause Boeing stammt auch der Seefernaufklärer P-8A Poseidon, der dank modernster Sensortechnik große Seegebiete überwachen und U-Boote aufspüren kann. Die erste Maschine wurde im Herbst an die deutsche Marine ausgeliefert. Laut Verteidigungsminister Boris Pistorius könnte der Seefernaufklärer ein Beitrag Deutschlands zur besseren Überwachung der Gewässer rund um Grönland im Rahmen eines NATO-Einsatzes sein.
Ein Novum für die Bundeswehr: Das Projekt Uranos KI
Künstliche Intelligenz (KI) ist aus modernen Waffensystemen nicht mehr wegzudenken. Dass die Bedeutung der KI wächst, zeigt das Projekt “Uranos KI”, mit dem die Bundeswehrbrigade in Litauen ausgestattet werden soll. An der NATO-Ostflanke gilt es, große Räume genau zu überwachen – und hier kommt die KI ins Spiel. Sie soll bei der Analyse großer Datenmengen helfen, die mittels unterschiedlicher Sensoren gewonnen werden. Das könnte zum Beispiel das Aufspüren feindlicher Drohnen erleichtern. Details des Projekts hält das Verteidigungsministerium aus gutem Grund geheim.
Fregatte F126: Vom Prestigeprojekt zum Problemfall
Dass nicht alle teuren Großaufträge glatt über die Bühne gehen, zeigt der Fall der Fregatte F126. Wurde der Entwurf für das größte Kampfschiff der Marine noch euphorisch gefeiert, so stellte sich beim Bau schnell Ernüchterung ein: Der Haupt-Auftragnehmer, die niederländische Werft Damen Naval, scheiterte an der Umsetzung der Pläne. Laut Medienberichten sind bereits rund 1,8 Milliarden Euro in die F126 investiert worden. Das Projekt könnte zum “Milliardengrab” werden, fürchten Oppositionspolitiker.
Nun soll das deutsche Unternehmen Naval Vessels Lürssen (NVL) den Auftrag übernehmen und retten, was noch zu retten ist. Weil die Marine aufgrund von Verpflichtungen in der NATO aber dringend neue Fregatten braucht, ist eine Übergangslösung in Planung: Die Bundeswehr will zusätzlich Fregatten des Typs MEKO A-200 bei TKMS kaufen, Deutschlands größtem Marineschiffbauer. Da dieses Modell bereits für den Export gebaut wurde, sind die Pläne fertig. Doch diese “Übergangslösung” kostet natürlich extra – 7,8 Milliarden Euro zusätzlich hat der Bundestag bereits im vergangenen Jahr dafür bewilligt.
Etwas Neues zum Anziehen
Auch für neue Uniformen und persönliche Ausrüstung hat der Bundestag Ende letzten Jahres eine hohe Summe bewilligt – und zwar für insgesamt 460.000 Soldatinnen und Soldaten. Ob das nicht übertrieben sei, wollten Kritiker wissen. Schließlich hat die Bundeswehr derzeit nur eine Personalstärke von 184.000 Soldatinnen und Soldaten. Doch sie soll stark wachsen – einschließlich der Reserve auf 460.000 Männer und Frauen. Das kann zwar noch Jahre dauern, doch Kampfanzüge wären dann in jeden Fall ausreichend vorhanden. Wenn die neuen Soldatinnen und Soldaten ihren Dienst anträten, “dann können wir sie nicht provisorisch in Jogginganzüge stecken”, erklärte Verteidigungsminister Boris Pistorius.
Quelle:
www.dw.com



