Im Andenstaat Peru nehmen die politischen Spannungen gut eine Woche nach der Präsidentschaftswahl zu. Unter dem Motto “Verteidigen wir die Demokratie” demonstrierten am Sonntagabend mehrere Tausende Anhänger des ultrarechten Kandidaten Rafael López Aliaga sowie Mitglieder von Bürgerinitiativen in der Hauptstadt Lima.
“Nein zum Betrug”
Protestierende skandierten und trugen Schilder mit der Aufschrift: “Nein zum Betrug, respektiert die Stimmen”. “Diese Wahlen sind bereits ein Betrug, aber sie wollen es nicht zugeben. Wir werden für unsere Stimmen kämpfen”, sagte eine 64-Jährige einem Reporter der Nachrichtenagentur AFP.
Einige der Demonstrierenden verlangten auch den Rücktritt des Präsidenten der Wahlbehörde ONPE, Piero Corvetto.
López Aliaga vermutet Wahlbetrug
Der bei dem derzeitigen Stand der Stimmen-Auszählung drittplatzierte Bewerber López Aliaga wiederholte seine Vorwürfe, es gebe Wahlbetrug. Aufgrund zu spät gelieferter Unterlagen hätten mehr als eine Million Bürger ihre Stimme nicht abgeben können, erklärte der ehemalige Bürgermeister von Lima. Er verlangte eine Wiederholung der Wahl. Beweise für seine Behauptungen legte López Aliaga nicht vor. Andere Präsidentschaftskandidaten schlossen sich den Forderungen von López Aliaga nicht an.
In Peru waren die Wählerinnen und Wähler am 12. April aufgerufen, den Präsidenten und das Parlament neu zu bestimmen. Die Endergebnisse sollen erst Mitte Mai veröffentlicht werden. Die Generalsekretärin des Obersten Wahlgerichts, Yessica Clavijo, begründet die Entscheidung mit der erforderlichen Überprüfung von mehr als 15.000 Stimmzetteln. Davon betreffen 30 Prozent die Präsidentschaftswahl.
Bei der Abstimmung am Sonntag vor einer Woche hatte es Probleme mit Wahlunterlagen gegeben. In vielen Orten blieben wegen zu spät angelieferter Stimmzettel die Wahllokale länger geöffnet. Zudem öffneten am Montag einige Wahllokale nochmals. Die Auszählung der Stimmen ist nach wie vor nicht abgeschlossen – auch, weil die Justiz inzwischen ermittelt.
Stimmzettel in einem Müllcontainer in Lima gefunden
Am Donnerstag waren in einem Müllcontainer in der Hauptstadt vier Kisten mit 1200 Stimmzetteln entdeckt worden. Der Präsident des Obersten Wahlgerichts, Roberto Burneo, sprach vor einem Parlamentsausschuss von “schwerwiegenden Unregelmäßigkeiten” bei der Wahlbehörde.
Bis Sonntagnacht waren laut offiziellen Angaben 93,5 Prozent der Stimmen ausgezählt. Danach liegt die rechtsgerichtete Politikerin Keiko Fujimori – Tochter des von 1990 bis 2000 autoritär herrschenden Präsidenten Alberto Fujimori – mit 17 Prozent vorn.
Dahinter kämpfen zwei Kandidaten mit jeweils um die elf Prozent um den Einzug in die Stichwahl, die für den 7. Juni geplant ist. Einer von ihnen ist López Aliaga. Er hat derzeit etwa 14.000 Stimmen weniger als der linke Bewerber Rafael Sánchez.
se/pgr (epd, afp, efe, ap)
Quelle:
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