Spanien hat einen neuen Tennis-Hero – schon wieder. Rafael Jodar, 19 Jahre jung, schießt gerade raketengleich in die Tennisweltspitze vor und steht zum ersten Mal in seiner ganz jungen Karriere in einem Masters-Viertelfinale. Jetzt geht es gegen den Weltbesten.
Die Nachrichtenlage rund um Carlos Alcaraz wurde im Vorfeld der Madrid Open, dem zweiten von drei Sandplatz-Masters vor den French Open, von Tag zu Tag schlechter. Erst musste der Weltranglistenzweite und sechsmalige Grand-Slam-Champion aufgrund einer Handgelenksverletzung sein Heimturnier in Madrid absagen.
Wenige Tage später informierte Alcaraz dann seine achteinhalb Millionen Follower darüber, dass er auch Rom und die French Open ausfallen lassen muss. Ein Schock. An French Open ohne Rafael Nadal hatten sich die spanischen Tennisfans gerade erst gewöhnt. Aber das größte Sandplatzturnier der Welt jetzt auch noch ohne Alcaraz, den Titelverteidiger?
Doch die spanische Tristeza dauerte nicht lange. Ein 19-Jähriger Madrilene mischt nun das Turnier in Madrid auf. Sein Name: Rafael Jodar. Er ist die neue Tennishoffnung im mit Tennishoffnungen so sehr verwöhnten Spanien. Nein, Rafael Jodar ist nicht nach seinem Idol Rafael Nadal benannt. Das wäre auch zu viel des Kitsches. In der Familie Jodar ist es Tradition, dass die Männer alle Rafael heißen. Schon der Urgroßvater hieß so.
Erst seit Januar auf der ATP-Tour
In Zeiten, in denen die Teams der Topprofis immer größer werden, in denen Coaches, Fitnesstrainer, Mentaltrainer, Physios, Hitting Partner inzwischen sechs bis acht Plätze auf der Tribüne einnehmen, sitzt in der Ecke von Jodar bislang nur ein Mensch. Sein Vater, Sie ahnen es, Rafael. Der war selbst kein Tennisspieler, brachte sich stattdessen alles selbst bei, um seinen Sohn trainieren zu können.
Rafael Junior hatte mit vier Jahren zum ersten Mal einen Schläger in der Hand. Jetzt, mit 19, spielte er gegen den Tschechen Vit Kopriva um den Einzug ins Viertelfinale bei seinem Heimturnier. Und er spielte nicht wie einer, der erst seit Januar auf der ATP-Tour ist. Er spielte wie ein alter Hase. Routiniert. Effizient. Und ohne die große Emotionalität eines Carlos Alcaraz.
Rafael Jodar verströmt Sachlichkeit. Sein Spiel hat kaum Schnörkel. Er hat einen harten, sehr effektiven Aufschlag, mit seiner Vorhand kann er von jeder Ecke der Platzes Winner schlagen. Die Verbesserungen in seinem Spiel kann man praktisch wöchentlich beobachten.
Für die Wow-Momente und die La Olas sollen andere sorgen. Zum Beispiel sein gleichaltriger Konkurrent Joao Fonseca, der Brasilianer, der als designierter Tennis-Kronprinz eigentlich schon auserkoren war. In Madrid kam es zum Clash, Jodar entschied das Duell der kommenden Topstars für sich.
Jetzt schon in den Top 50
Dabei sollte alles gar nicht so schnell gehen. Der Plan war, nach seinem US-Open-Titel 2024 bei den Junioren erstmal in den USA zu studieren und seine Tenniskarriere solide aufzubauen. Er spielte an der University of Virginia und zwischendurch sehr erfolgreich ein paar Challenger-Turniere, und plötzlich stand Jodar unter den Top 200 der Welt.
So kam schon ein Jahr später der Sinneswandel, als Profi in Vollzeit auf die ATP-Tour zu gehen. Mittlerweile steht er schon in den Top 50 und wird bei den French Open wahrscheinlich zu den 32 gesetzten Spielern gehören, die gesetzt sind.
Vorher kommt es aber zum größten Match seiner bisherigen Karriere. Am Mittwochnachmittag steigt das Viertelfinale gegen Jannik Sinner. In seiner Geburtsstadt Madrid. Der 19-Jährige potenzielle Thronfolger gegen den zur Zeit besten Spieler der Welt. In diesem Match kann der junge Rafael Jodar nicht verlieren, egal wie es am Ende ausgeht.
In Spanien wächst ein Megatalent heran. Schon wieder.
Quelle:
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