Deutschlands Olympia-Macher sehen sich gestärkt nach dem deutlichen Referendums-Erfolg von Köln-Rhein-Ruhr – auch mit Blick auf das IOC.
Auch Köln-Rhein-Ruhr und Kiel haben also “Ja” gesagt zur Bewerbung um Olympische und Paralympische Sommerspiele, und das im Schnitt ähnlich deutlich wie zuvor München. Damit geht der innerdeutsche Wettbewerb weiter, denn am 26. September wird der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) darüber abstimmen, mit welcher Bewerbung sich Deutschland um die Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewirbt.
Der DOSB wertete die Abstimmungsergebnisse vom Sonntag als großen Erfolg. “Die Zeichen sind eindeutig: Die Begeisterung für Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland ist kein regionales Phänomen”, sagte Präsident Thomas Weikert.
Der Vorstandsvorsitzende Otto Fricke sieht ein Zeichen, dass “das Thema Olympia den Sport wieder in die Mitte des gesellschaftlichen Interesses rückt und die Menschen aktiviert”.
Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes: Otto Fricke
Mronz: “Ergebnis wird internationale Beachtung finden”
Wann und wie das Internationale Olympische Komitee (IOC) über die Austragungsorte der Spiele ab 2036 entscheidet, ist noch offen. Die Konkurrenz dürfte groß sein und Deutschland hatte zuletzt mit missglückten Initiativen und verlorenen Referenden Kredit verspielt.
IOC-Mitglied Michael Mronz sieht Deutschland aber nun gestärkt. Er sprach von einem “Ergebnis, das sicherlich auch international Beachtung finden wird.” Mronz war einst Mitinitiator der Olympia-Initiative an Rhein und Ruhr, ist Geschäftsführer der Aachener Reitturnier GmbH und sitzt als IOC-Mitglied qua Amt im Präsidium des DOSB. Aachen ist im Konzept Köln-Rhein-Ruhr als Austragungsort der Reitsportwettbewerbe vorgesehen.
Neue Umfrage in Hamburg
Zufrieden äußerte sich auch Sportstaatsministerin Christiane Schenderlein (CDU): “Die gewonnenen Referenden in NRW und Kiel sind ein deutliches Zeichen für die olympische Bewegung in Deutschland und hoffentlich auch ein motivierendes Signal für die noch folgende Abstimmung in Hamburg am 31. Mai.”
Die Hamburger Bevölkerung gilt als olympiakritisch, die jüngste repräsentative Umfrage im Auftrag der Handelskammer ergab aber einen Zustimmungswert von 60 Prozent. In Berlin, dem vierten Kandidaten, ist kein Referendum geplant.
Langes Warten auf das Kölner Ergebnis
Der Ratsbürgerentscheid von Nordrhein-Westfalen war aufwändig und 9,5 Millionen Euro teuer – Werbemaßnahmen nicht eingerechnet. In jeder der 17 am Konzept beteiligten Kommunen wurde per Briefwahl abgestimmt. 1,4 Millionen Menschen nahmen teil, die Veranstalter sprachen vom größten Referendum in der Geschichte des Landes Nordrhein-Westfalen.
Der DOSB sprach am Montagmorgen von einem kumulierten Gesamtergebnis von knapp zwei Drittel Zustimmung (66 Prozent), der Wert ist demnach ähnlich hoch wie in München. Die Ergebnisse sind insofern vorläufig, dass die Stadträte sie noch formell bestätigen müssen.
Höchster Zustimmungswert in Aachen, niedrigster in Köln
Viele Kommunen sind nur mit ein oder zwei Disziplinen am Konzept beteiligt, Aachen etwa ist neben Reitsport noch für Fußball vorgesehen. Dort war die Zustimmung mit 76 Prozent am größten.
Das knappste Ergebnis kam aus Köln (57 Prozent), und weil die Ergebnisse mehrere Stunden verspätet eintrafen, konnten die Beteiligten erst tief in der Nacht zum Montag wirklich aufatmen. Hätte die sogenannten “Leading City” mit ihren vielen angedachten Disziplinen Nein gesagt, wäre das Konzept gescheitert.
Olympia-Ratsbürgerentscheide
Bewerbung
Zustimmung
Wahlbeteiligung
München
66,4%
42%
Köln-Rhein-Ruhr
66,0%*
32%**
Kiel
63,5%
29,1%
* vorläufiges kumuliertes Ergebnis laut DOSB** Schätzung der NRW-Staatskanzlei
Hohe Wahlbeteiligung in Köln, ungenügende in Herten
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst bezifferte die Wahlbeteiligung gemäß einer Schätzung auf 32 Prozent und sprach von einer “herausragende Zahl”. In Köln war die Beteiligung mit rund 40,5 Prozent am größten. In München hatten 42 Prozent der Menschen abgestimmt.
Einen Dämpfer gab es in Herten, wo nur 17 Prozent der Menschen abgestimmt haben. So kamen trotz 74 Prozent Zustimmung zu wenige Ja-Stimmen zustande (12,55 statt 15 Prozent). Nach dem verpassten Quorum ist die Ruhrgebietsstadt raus, die angedachten Mountainbike-Wettbewerbe müssen woanders ausgerichtet werden.
Referendums-Ergebnisse Köln-Rhein-Ruhr
Stadt
Ja
Nein
Köln
57,39%
42,61%
Oberhausen
62,66%
37,34%
Leverkusen
62,70%
37,30%
Bochum
63,97%
36,03%
Essen
64,26%
35,74%
Krefeld
64,41%
35,59%
Düsseldorf
67,24%
32,76%
Dortmund
68,27%
31,73%
Pulheim
70,19%
29,81%
Monheim am Rhein
70,70%
29,30%
Wuppertal
72,20%
27,80%
Recklinghausen
72,85%
27,15%
Duisburg
72,95%
27,05%
Herten*
73,79%
26,21%
Gelsenkirchen
74,19%
25,81 %
Mönchengladbach
74,45%
25,55%
Aachen
76,29%
23,71%
Quelle: dpa*Herten hat das notwendige Quorum verfehlt, weil lediglich 12,55 Prozent aller Abstimmungsberechtigten mit Ja stimmten – notwendig wären 15 Prozent gewesen.
Zustimmung auch in Kiel
In Kiel haben sich 63,5 Prozent der Bürgerinnen und Bürger für eine Beteiligung am Bewerbungsprozess ausgesprochen. Allerdings fiel die Wahlbeteiligung mit 29,1 Prozent gering aus. Kiel kommt vor allem als Standort für die Segelwettbewerbe infrage, auch bei der Initiative aus Nordrhein-Westfalen.
Quelle:
www.sportschau.de





