Die Polizei Vancouvers hat entschieden, dass FIFA-Präsident Gianni Infantino anders als Staatspräsidenten und der Papst vor roten Ampeln anhalten muss. Beim Kongress des Weltverbandes in Kanada wird der Iran fehlen.
Die Polizei Vancouvers hat entschieden, dass FIFA-Präsident Gianni Infantino anders als Staatspräsidenten und der Papst vor roten Ampeln muss. Beim Kongress des Weltverbandes in Kanada wird der Iran fehlen. Es gab Ärger trotz erteilter Visa.
Gianni Infantino ist Dauergast im Weißen Haus als Freund von US-Präsident Donald Trump. Er trifft regelmäßig Staats- und Regierungschefs, nahm auch schon an einem G20-Gipfel teil.
Da schien die Bitte naheliegend, dass dem Präsidenten des Weltfußballverbandes bei dessen Kongress in Kanada die gleichen Privilegien wie den Staatsoberhäuptern und dem Papst eingeräumt werden. Aber die Polizei in Vancouver lehnte ab.
“Formelle Fahrzeugkonvois sind Staatsoberhäuptern vorbehalten”
“Formelle Fahrzeugkonvois mit Verkehrssperrungen sind Staatsoberhäuptern vorbehalten”, sagte Polizeivizepräsident Don Chapman, der damit Medienberichte bestätigte, dass ein entsprechender Antrag gestellt worden war.
Die FIFA teilte mit, dass sie im Austausch mit den lokalen Behörden gestanden und um Unterstützung beim Transport gebeten habe. Es sei aber nicht um ein “spezielles Level” einer Polizeieskorte gegangen. Außerdem sei Infantino nicht involviert gewesen. Weitere Kommentare zu logistischen Fragen werde es nicht geben.
Wie Vancouvers Polizei weiter mitteilte, würden die Offiziellen der FIFA nicht die Kriterien für international geschützte Personen erfüllen. Mit einer derartigen Eskorte gingen Straßensperrungen und die Erlaubnis, rote Ampeln zu überfahren, einher.
Nichts Offizielles zum Thema Iran
Bevor am Donnerstag ab 18.30 Uhr deutscher Zeit der Kongress des Weltverbandes mit seinen 211 Nationalverbänden in Vancouver zusammenkommen wird, gab es schon einige andere Treffen in der Stadt am Pazifik. Unter anderem tagte das Council der FIFA, dem auch Bernd Neuendorf angehört, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).
Auf Anfrage der Sportschau wollte er sich nicht zu möglichen Themen äußern, wie etwa der Situation um den Iran, dessen Nationalmannschaft sich für die Weltmeisterschaft vom 11. Juni bis 19. Juli in den USA-Kanada und Mexiko qualifiziert.
Der Iran ist seit Ende Februar im Krieg mit den USA und Israel, die Teilnahme an der WM wird daher seit Wochen diskutiert. Offen war längere Zeit auch die Frage, ob eine Delegation des Iran Visa erhalten wird, um am Kongress teilnehmen zu können. Die Einreisen wurden zwar genehmigt, aber die drei vorgesehenen Funktionäre werden in Vancouver fehlen.
Nach einem Bericht der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim reiste die Delegation um Verbandspräsident Mehdi Taj, Generalsekretär Hedayat Mombeni und dessen Stellvertreter Hamed Momeni wieder ab, weil sich die kanadischen Einreisebehörden bei einer Zwischenlandung in Toronto “inakzeptabel verhalten” hätten.
Verbandspräsident Ex-Mitglied einer Terrororganisation
Tasnim gilt als regimetreu und eng verbunden mit den iranischen Revolutionsgarden, die seit 2024 von Kanada als Terrororganisation eingestuft werden. Verbandspräsident Taj ist ein ehemaliges Mitglied der Revolutionsgarden, die das Volk seit Jahrzehnten brutal unterdrücken und das Regime an der Macht halten.
Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert eine Stellungnahme der kandischen Regierung, nach der Angehörige der Revolutionsgarden “in unserem Land keinen Platz” haben, zu einzelnen Fällen werde sie sich aber aus Datenschutzgründen nicht äußern.
Das “Raoul-Wallenberg-Zentrum” für Menschenrechte kritisierte gegenüber Reuters, dass Taj die Sondergenehmigung für ein Visum wegen des FIFA-Kongresses gar nicht hätte erteilt werden dürfen. “Das hat Kanadas Einstufung der Revoltionsgarden als terroristische Organisation untergraben und steht im Widerspruch zu dem Engagement unseres Landes, die Hinnahme schwerer Menschenrechtsverletzungen im Iran zu bekämpfen.”
Unter Berufung auf eine Quelle bei der FIFA berichtet Reuters, der Weltverband habe Vertreter nach Toronto geschickt, um zu vermitteln. Die iranische Delegation sei aber mit dem Ziel Türkei zurückgeflogen.
Infantino in kleiner Runde mit Iran?
Nach Informationen der Sportschau soll Präsident Infantino in den kommenden Tagen in kleiner Runde mit dem Iran sprechen, wie es mit Blick auf die WM weitergeht.
Noch ohne öffentliche Antwort ist etwa auch die Frage, ob Fans des Iran in die USA einreisen dürfen, in denen ihre Mannschaft die drei Gruppenspiele bestreitet.
Grundsätzlich gilt für Einwohner des Iran ein Einreiseverbot. Auch Haiti, der Senegal und die Fans von Deutschlands Gruppengegner Elfenbeinküste dürfen nicht in die USA. Für die Mannschaften, Trainerstab und Offizielle dieser Länder gilt die Ausnahmeregelung für Großereignisse im Sport, wie es auch die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles sein werden.
Quelle:
www.sportschau.de






