Stag and Vixen: Das bedeutet es – und das unterscheidet es vom Cuckolding.
Neulich plauderte ich mit einem guten Freund über das Thema Cuckolding. Er sei dem Ganzen nicht abgeneigt, sagte mein Freund. Der Gedanke, seiner Partnerin beim Liebesspiel mit anderen Männern zuzusehen, errege ihn, aber: „Ich habe keine Lust auf dieses Devote. Ich sehe mich nicht als Cuck, der sich von seiner Freundin und ihren Lovern demütigen lässt, das würde mich irre machen.“ „Und was reizt dich dann daran?“, wollte ich wissen. „Es ist für mich persönlich gefühlt das Gegenteil von Cuckolding. Ich denke mir: ,Die anderen wollen meine Frau, weil sie das Schönste und Geilste ist, was sie je gesehen haben. Das macht mich extrem stolz. Und es liegt in meiner Macht, ihr und den anderen dieses Abenteuer zu erlauben. So ungefähr.“
Ich erklärte meinem Freund, dass das, was er mir da beschrieben hatte, nicht wirklich dem Cuckolding zuzuordnen sei. Sondern einer anderen erotischen Spielart: der so genannten Stag and Vixen Dynamik. Stag and Vixen – das heißt übersetzt Hirsch und Füchsin. Halali. Begeben wir uns also auf die Jagd und sehen uns an, was die Sache für viele Männer (und ihre Partnerinnen) so reizvoll macht.
Was macht die Stag-and-Vixen-Beziehung aus?
Im Kern geht es um ein heterosexuelles Paar, bei dem die Frau, die Füchsin, sexuelle Begegnungen außerhalb ihrer festen Beziehung erlebt. Dies nicht etwa heimlich, sondern mit der Unterstützung ihres Partners, des Hirsches, der sie – wir reden hier von einem Bilderbuchbeispiel – zu ihren Tête-à-têtes begleitet. Ob der Mann nur zuschaut oder selbst aktiv wird, ist dabei ganz unterschiedlich.
„Ist aber doch exakt dasselbe wie Cuckolding“, denken Sie sich nun vielleicht. Und ich sage: Au Contraire.
Was war nochmal Cuckolding?
Das Wort Cuckold, kurz Cuck, bezeichnet einen devot veranlagten Mann, dem es Lust bereitet, wenn seine Partnerin sexuellen Kontakt zu anderen Männern pflegt. Dem Cuck geht es in der Regel um die Demütigung durch die eigene Frau, die ihre Befriedigung im Sex mit anderen Liebhabern findet. Weil er, der Cuck, seine Frau zum Beispiel nicht zum Höhepunkt bringt, einen zu kleinen Penis und/oder Erektionsprobleme hat. Der Möglichkeiten gibt es viele. Oft unterstützt der Cuckold die außerpartnerschaftlichen Beziehungen der Liebsten, ist während des Liebesspiels mit dem anderen Liebhaber zugegen, agiert als williger Sklave und unterwürfiger Statist, und nicht zuletzt als Voyeur.
Und was ist der Unterschied zu Stag und Vixen?
Obwohl in beiden Dynamiken ein Partner den anderen beim Sex mit einer anderen Person beobachtet oder dazu ermutigt, unterscheiden sie sich in einem grundlegenden Punkt.
Beim Cuckolding entsteht Erregung oft aus Demütigung oder Ohnmacht. Der Cuck fühlt sich durch die Aktivitäten seiner Partnerin minderwertig oder ausgeschlossen – und genießt genau das.
Im Lebensstil von Stag and Vixen verhält es sich umgekehrt. Der Hirsch ist stolz und dominant, nicht devot. Er genießt das Selbstbewusstsein und die sexuelle Ausstrahlung seiner Partnerin. Er kann ihre Liebhaber – je nach Absprache – mit auswählen, Grenzen setzen oder sogar selbst am Geschehen teilnehmen. Die Emotionen hier sind nicht Eifersucht oder Scham – es sind Erregung, die Freude an der Lust der Partnerin und eine tiefe erotische Verbindung.
Quelle:
www.gq-magazin.de



