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Unterwasserarchitekten

Ein Schneckenbuntbarsch im Aquarium. Hier wird mithilfe von Schnecken aus dem 3D-Drucker deren Verhalten im Nestbau untersucht. © MPI für biologische Intelligenz / Swantje Grätsch

Der kleine Schneckenbuntbarsch soll unter Beobachtung sein Nest aus einem verlassenen Schneckenhaus bauen.  Eine neue Studie zeigt, dass dieses Verhalten angeboren ist. Jedoch werden die Tiere mit etwas Übung beim Nestbau immer geschickter.

Viele Tierarten bauen Nester. Dabei denkt man häufig an warme, weiche Orte, in denen Tiere gut geschützt ihre Jungen aufziehen können. Auch manche Fischarten richten zum Paarungsvorspiel und zur Eiablage Unterwassernester her. So bauen Buntbarsch-Männchen Nester aus Sand und anderen Materialien um Weibchen anzuziehen – die bei den unterschiedlichen Arten jeweils eigene Formen aufweisen, von Höhlen über Mulden bis hin zu Hügeln. Schneckenbuntbarsche (Lamprolo ocellatus), die ausschließlich am Tanganjikasee in Afrika vorkommen, nutzen verlassene Schneckenhäuser als Unterschlupf und Kinderstube.

Forschende des Max-Planck-Instituts haben nun genauer untersucht, wie die Schneckenbuntbarsche ihre Nester bauen. Die Fische graben die Schnecken zunächst in den Sand ein und bedecken sie schließlich mit Sand. Dieser Prozess dauert üblicherweise um die drei Stunden. Aber auch ohne vorheringen Kontakt mit Schneckenhäusern wissen die geschickten Unterwasserarchitekten, dass sie daraus ein Nest bauen können, und wissen außerdem, wie das Nest zu bauen ist. Beim ersten Mal brauchten sie dabei allerdings im Durchschnitt 12 Stunden.

Dies zeigt, dass das Nestbauverhalten angeboren ist. Allerdings beobachteten die Wissenschaftler auch, dass kognitive Komponenten wie die Fähigkeit zur Anpassung und Lernen eine Wichtige Rolle spielen. Dass Übung auch bei Schneckenbuntbarschen den Meister macht, zeigte sich, als die Versuchsfische schon beim dritten Nestbauversuch nur noch viereinhalb Stunden bis zur Fertigstellung brauchten.

Außerdem konnte in dem Experiment die Flexibilität der Schneckenbuntbarsche gezeigt werden. Sie akzeptierten bereitwillig veränderte äußere Geometrien der 3D-gedruckten Schneckenhäuser, darunter solche in verschiedenen Größen ebenso wie linksdrehende Schneckenhäuser, die in der Natur nur sehr selten vorkommen.


Quelle:

www.wissenschaft.de