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Was die Forschung über den größten CO₂-Hebel im Gebäudesektor weiß

Mit der Sanierung alter Häuser lassen sich nicht nur die Energiekosten für deren Bewohner senken, sondern auch langfristig die CO₂-Emissionen dieser Gebäude senken. Die Forschung ist sich in großen Teilen einig darüber, dass unsanierte Gebäude in Deutschland maßgeblich zu den Treibhausgasemissionen unseres Landes beitragen. Neben alten Heizungen stellt vor allem die oft schlechte Dämmung ein großes energetisches Problem dar.

Sanierungspflicht in Deutschland

Aktuell gibt es in Deutschland keinen generellen Sanierungszwang von Altbauten. Allerdings schreibt das Gebäudeenergiegesetz (GEG) inzwischen einige Maßnahmen vor, die nach einem Eigentümerwechsel durch Kauf oder Vererbung innerhalb von zwei Jahren umzusetzen sind. 

Zu diesen Pflichtmaßnahmen gehört es zum einen, Heizungen auszutauschen, die älter als 30 Jahre sind. Darüber hinaus müssen das Dach und alle Heizungsrohre gedämmt werden. Nicht alle Eigentümer sind also von obligatorischen Sanierungsmaßnahmen betroffen. Dennoch kann sich eine Sanierung langfristig sehr positiv auf die monatlichen Fixkosten auswirken. Hierzu kann ein Portal mit Expertise im Bereich Sanierung und Renovierung wie Sanierungsexperte zurategezogen werden, um die bestmöglichen Maßnahmen für eine langfristig verbesserte Energieeffizienz des eigenen Hauses zu erörtern. Altbausanierungen sind jedoch auch in einem größeren Kontext zu sehen, denn nicht nur der eigene Geldbeutel leidet langfristig unter schlecht gedämmten Häusern und alten Heizungssystemen. Auch die CO₂-Bilanz fällt im Altbau überaus negativ aus.

Gebäudesektor für bis zu 40  % des CO₂ verantwortlich

Viele Menschen denken beim Thema CO₂-Ausstoß zuerst an Autos, Flugzeuge oder die Industrie und Landwirtschaft. Tatsächlich aber spielen Gebäude eine deutlich größere Rolle, als man zunächst vermuten würde. Laut dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) verursacht der Gebäudesektor in Deutschland rund 16 % der gesamten Treibhausgasemissionen. Dieser Anteil entstehe vor allem durch den Energieverbrauch für Heizung, Warmwasser und Strom in Wohngebäuden. Diese 16 % beziehen sich allerdings nur auf die direkte Nutzung der Gebäude. Betrachte man zusätzlich die Emissionen, die beim Bau von Gebäuden entstehen, also zum Beispiel durch die Herstellung von Baustoffen wie Beton oder Stahl, falle der Anteil noch deutlich höher aus.

Laut dem Gebäudereport 2025 der Deutschen Energie-Agentur (dena) könnte der Gebäudesektor dann insgesamt für bis zu 40 % der CO₂-Emissionen verantwortlich sein. Was den Klimaschutz betrifft, spielen Gebäude also nicht nur im Hinblick auf ihre tägliche Nutzung eine Rolle, sondern bereits ab dem ersten Grundstein. Da in Deutschland ein großer Teil aller genutzten Gebäude aus älteren Baujahren stammt, ergibt sich Experten zufolge genau hier also enormes Einsparpotenzial. Altbauten verbrauchen in der Regel deutlich mehr Energie als moderne Neubauten, insbesondere beim Heizen. Laut Forschung ist der Gebäudesektor daher ohne Zweifel ein zentraler Hebel im Klimaschutz.

Teures und ineffizientes Heizen

Ein wesentlicher Grund für die hohen CO₂-Emissionen im Gebäudesektor liege in der Wärmeversorgung. Ebenfalls laut dem dena-Report werden in Deutschland noch immer rund 79 % der Wohngebäude mit fossilen Energieträgern beheizt. Gemeint sind vor allem Erdgas und Heizöl. Beide Energieträger setzen bei der Verbrennung CO₂ frei und belasten damit unmittelbar die Klimabilanz der Gebäude. Bei älteren Gebäuden sei das besonders problematisch, da ein großer Teil der heute genutzten Gebäude lange vor der Einführung moderner Energie-Anforderungen errichtet worden sei.

Viele Wohnhäuser stammten also aus einer Zeit, in der Energiepreise, Klimaschutz und Effizienzstandards beim Bauen praktisch keine bedeutsame Rolle spielten. In Zeiten hoher Energiekosten räche sich das nun, da ältere Häuser häufig deutlich mehr Wärmezufuhr benötigten, um dieselbe Wohnqualität zu bieten wie neuere Gebäude. Nicht nur werde also mehr Energie zur Wärmeerzeugung benötigt, sondern stamme diese aus fossilen Quellen, die aus Klimaschutzperspektive ein großes Problem darstellten. Auf der Suche nach Optimierungspotenzial seien Altbauten aufgrund dieses doppelten Effektes daher besonders relevant.

Optimale Gebäudedämmung bleibt unverzichtbar

Neben der Umstellung der Heizsysteme spielt die Dämmung eine zentrale Rolle bei der Reduktion von CO₂-Emissionen im Gebäudesektor. Selbst moderne und klimafreundlichere Heizungen können ihr volles Potenzial nicht entfalten, wenn ein Gebäude weiterhin große Mengen an Wärme verliert.

In vielen Altbauten entweicht ein erheblicher Teil der erzeugten Wärme ungenutzt über Außenwände, Dächer oder Fenster. Dadurch steigt der Energiebedarf, unabhängig davon, welche Heiztechnik eingesetzt wird. Die Forschung zeigt, dass eine verbesserte Dämmung den Wärmebedarf eines Gebäudes deutlich senken kann.

Weniger Energieverbrauch bedeutet gleichzeitig weniger CO₂-Emissionen. Aus diesem Grund wird die Dämmung häufig als unverzichtbare Ergänzung zur Heizungsmodernisierung betrachtet. Erst das Zusammenspiel aus effizienter Wärmeerzeugung und reduziertem Energiebedarf ermöglicht eine nachhaltige Senkung der Emissionen im Gebäudebestand.

Bis zu 85 % Einsparungen wären möglich

In der energetischen Sanierung von Altbauten steckt daher enormes Potenzial. Laut dem Fraunhofer ISI könnten durch umfassende Sanierungsmaßnahmen die CO₂-Emissionen von Gebäuden um bis zu 55 bis 85 % reduziert werden. Wie hoch genau die Reduktion ausfallen könne, hänge davon ab, wie konsequent die Maßnahmen umgesetzt würden und wie ineffizient das jeweilige Gebäude vor Sanierungsbeginn sei. Besonders unsanierte Altbauten wiesen entsprechend ein enormes Einsparpotenzial auf, da ihr aktueller Energieverbrauch vergleichsweise hoch sei.

Die gleiche Studie kommt zu dem Ergebnis, dass der Energiebedarf selbst im Gebäudebestand durch Sanierungsmaßnahmen um bis zu 35 % gesenkt werden könne. Eine solche Reduktion würde sich direkt auf den CO₂-Ausstoß auswirken, da weniger Energie für Heizung und Warmwasser benötigt werden würde. Das Potenzial von Altbausanierungen sei also enorm. In der Realität jedoch sei die Sanierungsrate weiterhin sehr niedrig. Nur zirka 0,6 bis 0,7 % der klimatechnisch problematischen Bauten würden aktuell zum Zwecke der Energieeffizienz saniert. Um die gesetzten Klimaziele der Regierung zu erreichen, müssten hingegen mindestens 1,8 % der betroffenen Gebäude saniert werden.

Private Sanierungen scheitern an Unsicherheit und Bürokratie

Ein Hauptgrund für die niedrige Sanierungsrate liegt Experten zufolge in den Hürden, mit denen vor allem private Eigentümer konfrontiert sind. Ein wesentlicher Faktor sei dabei die Unsicherheit vieler Eigentümer. Häufig sei unklar, welche Maßnahmen im Einzelfall sinnvoll seien, welche Kosten entstehen und wie schnell sich diese Investitionen amortisieren. Hinzu komme, dass Sanierungen in der Praxis mit erheblichem organisatorischem Aufwand verbunden seien. Unterschiedliche Vorschriften, Förderprogramme und technische Anforderungen machten die Planung komplex. Gerade für private Haushalte ohne fachliche Vorkenntnisse stelle dies eine große Herausforderung dar. Entscheidungen würden daher häufig aufgeschoben oder gar nicht erst getroffen. Während neue Gebäude klaren Standards folgten, müssten bei bestehenden Häusern individuelle Lösungen gefunden werden.

Die Kombination aus Unsicherheit, finanziellen Risiken und bürokratischen Hürden schrecke viele Eigentümer daher von Beginn an ab. Solange es keinen Zwang zur Sanierung gebe, nähmen viele lieber die höheren Energiekosten in Kauf.


Quelle:

www.wissenschaft.de