Was die auf der Watches & Wonders gezeigten Uhren für das Uhrenjahr 2026 vorhersagen
Genf ist jedes Jahr ein Seismograf für das, was am Handgelenk als Nächstes passiert. Doch die diesjährige Messe machte deutlich, dass manchmal auch ein Schritt zurück ein Schritt nach vorne sein kann. Statt immer extremerer Komplikationen und lautem Material-Showdown dominierten in diesem Jahr Feinschliff, Proportion und ein neues Selbstbewusstsein im Understatement. Auffällig war die Rückkehr ikonischer Modelle – nicht als Retro-Kopie, sondern als präzise weiterentwickelte Evolution. Ultrflache Werke feiern ein Comeback, integrierte Armbänder bleiben gesetzt, während Emaille, Onyx und handgravierte Oberflächen zeigen, dass Handwerk wieder stärker ins Zentrum rückt. Gleichzeitig wird High Performance elektrifiziert gedacht – technisch anspruchsvoll, aber optisch kontrolliert. Die Neuheiten für das Jahr 2026 setzen auf Substanz statt Spektakel – und genau das macht sie spannender denn je.
Uhrentrends 2026: Diese 6 Designrichtungen bestimmen das Jahr
© Rolex
Trend #1: Das Jahr der Ikonen
Jubiläen sind auf der Watches & Wonders nie bloß nostalgische Fußnoten, sondern strategische Selbstvergewisserungen einer Branche, die ihre Zukunft gern aus der Vergangenheit ableitet. Rolex blickt in diesem Jahr besonders auf das Jahr 1926 zurück, in dem mit der “Oyster” die erste wasserdichte Armbanduhr vorgestellt wurde. Zum 100. Jubiläum dieses Meilensteins der Uhrengeschichte inszeniert die Marke auf der Messe eine eigene Ausstellung samt Film und übersetzt das Erbe in eine Oyster Perpetual 41 in Rolesor Gelb, also der Kombination aus Edelstahl und Gelbgold. Eine mit “100” gravierte Krone, ein schiefergraues Zifferblatt und Jubiläumsdetails in charakteristischem Rolex‑Grün verknüpfen Historie und Gegenwart mit jener kalkulierten Selbstverständlichkeit, die man von der Genfer Marke kennt.
Tudor ergänzt dieses Kapitel nicht mit einer klassischen Gedenkuhr, sondern mit der Monarch, die direkt in die reguläre Kollektion einzieht und mit California Dial, papyrusfarbenem Zifferblatt und Chronometer-Zertifizierung Vintage-Codes mit moderner Präzision verschränkt. Und dann ist da noch Ulysse Nardin, die 25 Jahre nach der ersten Freak erneut beweisen, dass Jubiläen auch als Sprungbrett in radikale Zukunftsvisionen taugen. Die neue Super Freak wirkt selbst im Kontext zeitgenössischer Haute Horlogerie wie ein Grenzgang: 511 Komponenten, von denen sich über 97 Prozent permanent bewegen – eine Zahl, die eher an kinetische Kunst als an klassische Uhrmacherei erinnert.
Quelle:
www.gq-magazin.de



