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Wie Kuckucke ihre Eier in Nisthöhlen legen

Der Kuckuck ist dafür bekannt, seine Eier in fremde Nester zu legen und den eigenen Nachwuchs von anderen Vögeln aufziehen zu lassen. Normalerweise bevorzugen die Weibchen dafür offene, leicht erreichbare Nester. Doch einige Kuckucke haben sich auf eine Wirtsart spezialisiert, die in Baumhöhlen brütet: den Gartenrotschwanz. Die Nisthöhlen dieses kleinen Singvogels sind eigentlich zu eng für den deutlich größeren Kuckuck. Dennoch schafft es der Brutparasit, seine Eier in die Gelege zu schmuggeln. Nun sind Forschende den Tricks der Kuckucksweibchen auf die Spur gekommen.

Kuckucke bauen keine eigenen Nester, sondern legen ihre Eier in die Nester anderer Arten. Dabei sind die Kuckucksweibchen jeweils an eine bestimmte Wirtsart angepasst. Farbe, Muster und Größe ihrer Eier sind so gestaltet, dass sie sich nahezu perfekt in das Gelege der jeweiligen Wirte einfügen. Während die meisten Kuckucke Arten parasitieren, deren Nester leicht zugänglich sind, haben sich manche ausgerechnet auf den Gartenrotschwanz spezialisiert, der bevorzugt in engen Baumhöhlen brütet. Schon vor mehr als 2000 Jahren spekulierte der griechische Universalgelehrte Aristoteles darüber, wie es den Kuckucksweibchen gelingt, Eier in solche Nester zu befördern. Er mutmaßte, dass sie ihr Ei womöglich im Schnabel ans Ziel transportieren. Da die Eiablage an verborgenen Nistplätzen schwierig zu beobachten ist, hielt sich dieser Irrglaube über viele Jahrhunderte hinweg.

Strategien mit Risiko

Um den wahren Strategien der Kuckucksweibchen auf die Spur zu kommen, platzierten Biologen um Michal Kysučan von der Palacký Universität in Tschechien zahlreiche Nistkästen für Gartenrotschwänze in finnischen Wäldern und beobachtete diese per Video. Innerhalb von vier Jahren gelang es ihnen, 63 Kuckucksei-Ablagen an 53 verschiedenen Nistkästen zu filmen. „Diese Beobachtungen ermöglichen es uns, endlich zu sehen, was tatsächlich während der Eiablage in einer schwierigen Nistumgebung geschieht“, sagt Co-Autor Tomáš Grim von der Universität Ostrava in Tschechien. „Jahrhundertelang füllten Spekulationen diese Wissenslücke. Jetzt haben wir direkte Beweise.“

Diese Aufnahme zeigt, wie ein Kuckucksweibchen ihr Ei vom Nesteingang aus ins Nest fallen lässt. © Robert Thomson

Anders als Aristoteles vermutet hatte, nutzte keiner der beobachteten Kuckucke seinen Schnabel zum Ei-Transport. Stattdessen dokumentierten die Forschenden zwei andere Strategien, die jeweils eigene Vor- und Nachteile mit sich brachten: „Drei Viertel der Kuckucksweibchen legten ihr Ei, während sie am Eingang der Höhle saßen“, berichtet das Team. Dabei ließen die Vögel das Ei in das fremde Nest plumpsen, ohne sich selbst in die Nisthöhle zu zwängen. Doch nicht immer gelang es den Kuckucksweibchen, richtig zu zielen: Viele Eier landeten neben dem eigentlichen Nest und wurden in der Folge von den Wirtsvogeleltern ignoriert. Andere trafen nicht einmal den Nistkasten, sondern fielen auf den Boden. „Dadurch wies diese Strategie einen niedrigen Fortpflanzungserfolg auf“, schreiben Kysučan und seine Kollegen.

Evolutionäres Wettrüsten

Die übrigen Kuckucksmütter gaben sich mehr Mühe, ihr Ei richtig zu platzieren: Sie zwängten sich selbst in die enge Nisthöhle. „Diese Strategie war jedoch mit einem höheren Risiko verbunden, dass das Kuckucksweibchen in der Höhle stecken blieb“, berichten die Forschenden. Auch in Fällen, in denen sich die Kuckucke wieder befreien konnten, brachten sie das Ursprungsnest nicht selten so durcheinander, dass die Wirtsvögel Verdacht schöpften und ihr Gelege aufgaben. Dennoch überlebten mit dieser Methode mehr Küken als bei einer Eiablage vom Höhlenrand. „Wir haben festgestellt, dass das direkte Legen im Inneren der Höhle eine höhere Erfolgsquote, aber auch größere potenzielle Kosten mit sich bringt“, erklärt Grim. „Dieses Gleichgewicht erklärt wahrscheinlich, warum beide Strategien innerhalb der Population fortbestehen.“

Aus Sicht der Forschenden illustriert das Beispiel von Kuckuck und Gartenrotschwanz ein evolutionäres Wettrüsten zwischen Brutparasiten und ihren Wirten. „Dies ist ein seltenes Beispiel für eine deutliche Verhaltensvariation innerhalb einer Brutparasitenart“, sagt Co-Autor Robert Thomson von der Universität Turku in Finnland. „Es verdeutlicht, wie anpassungsfähig diese Vögel sind, wenn sie mit unterschiedlichen ökologischen Einschränkungen konfrontiert werden.“

Quelle: Michal Kysučan (Palacký University, Olomouc, Tschechien) et al., Animal Behaviour, doi: 10.1016/j.anbehav.2026.123548


Quelle:

www.wissenschaft.de