Das Jahr 20222 war in Deutschland geprägt von Hitze und Dürre. Darunter haben offenbar auch die Ackerhummeln gelitten. Eine Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Kolonien dieser Wildhummeln in Unter- und Oberfranken im Dürrejahr deutlich kleiner waren, kürzer lebten und weniger Nachwuchs produzierten, insbesondere weniger neue Königinnen. Eine Zufütterung mit Zuckerwasser führte zwar zu etwas größeren Hummelvölkern, sorgte aber nicht für mehr weiblichen Nachwuchs. Damit gefährdet anhaltende Trockenheit auch zukünftige Generationen dieser wichtigen Bestäuber.
Zahlreiche Arten von wilden Bienen und Hummeln sichern in Deutschland die Bestäubung von Pflanzen in der Landwirtschaft, der freien Natur und in heimischen Gärten. Doch der Klimawandel macht den Insekten zu schaffen. „Bestäuberpopulationen müssen mit steigenden Durchschnittstemperaturen, veränderten Niederschlagsmustern und extremen Wetterereignissen zurechtkommen“, erklären die Biologen Hanno Korten und Ingolf Steffan-Dewenter von der Universität Würzburg. „Die Häufigkeit und Schwere von Hitzewellen und Dürren haben bereits zugenommen, und Zukunftsszenarien sagen eine weitere Zunahme voraus.“
Kleinere Kolonien
Um herauszufinden, wie sich diese Bedingungen auf wilde Hummeln auswirken, haben Korten und Steffan-Dewenter in verschiedenen Jahren Kolonien von wilden Ackerhummeln (Bombus pascuorum) an 25 Standorten in Ober- und Unterfranken in Bayern angelegt und über die Saison hinweg beobachtet. Die Ackerhummel gilt üblicherweise als robuste Art, die zahlreiche verschiedene Blüten in der Nähe ihres Nests anfliegt und durch ihren langen Rüssel sogar an Nektar gelangt, der für Arten mit kürzerem Rüssel unzugänglich ist. Der süße Nektar dient den erwachsenen Tieren als Energiequelle, während sie die proteinreichen Pollen vor allem für die Aufzucht ihrer Brut brauchen.
Für ihre Auswertung verglichen die Forschenden das Dürrejahr 2022 mit dem klimatisch durchschnittlichen Jahr 2024. Als Maßstab für die Anzahl der Individuen erfassten sie das Gesamtgewicht der einzelnen Kolonien. „Unsere Untersuchung zeigt eine deutliche Differenz zwischen den beiden Jahren“, berichtet Korten. „Im Dürrejahr erreichten die Völker ein Durchschnittsgewicht von lediglich etwa 14 Gramm, während sie im Normaljahr auf rund 140 Gramm anwuchsen.“ Je weniger Individuen eine Kolonie umfasst, desto weniger Arbeiterinnen stehen zur Verfügung, um die Blüten in der Umgebung zu bestäuben.
Nahrungsmangel und fehlender Nachwuchs
Da die meisten Pflanzen bei Trockenheit weniger und kleinere Blüten mit einer geringeren Menge an Nektar ausbilden, bedeutet Dürre für die Hummeln eine Zeit der Nahrungsknappheit. Einigen der beobachteten Völker stellten die Forschenden Zuckerwasser als Ausgleich für den fehlenden Nektar zur Verfügung. Während die Zufütterung im Jahr 2024, als genügend natürlicher Nektar zur Verfügung stand, kaum einen Effekt hatte, sorgte sie im Dürrejahr für eine Verfünffachung der Koloniegröße – auch wenn sie die negativen Effekte der Trockenheit bei weitem nicht ausgleichen konnte. „Die Belastung durch Trockenheit ist offensichtlich so hoch, dass reine Kohlenhydratgaben die Vitalität der Staaten nur bedingt stabilisieren können“, sagt Korten. 2022 starben die meisten Hummelvölker schon im August, die ungefütterten oft sogar schon im Juli, während 2024 mehr als die Hälfte der Völker noch Ende September lebte.
Doch die geringere Koloniegröße und die kürzere Lebensdauer sind den Forschenden zufolge nur die Vorstufe eines noch gravierenderen Problems: „Die langfristige Stabilität einer Population hängt von der Produktion neuer Königinnen ab, die als einzige Individuen den Winter überleben und im Folgejahr neue Staaten gründen“, erklärt Steffan-Dewenter. Doch ausgerechnet neue Königinnen konnten sich im Dürrejahr kaum entwickeln. Während die ungefütterten Völker im Jahr 2024 durchschnittlich 13,5 neue Königinnen hervorbrachten, gab es 2022 bei mehr als der Hälfte der ungefütterten Völker keine einzige neue Königin. Auch die Zufütterung mit Zuckerwasser konnte daran nichts ändern. Zwar entstanden in den gefütterten Völkern mehr Männchen, doch für die Entwicklung von Königinnen fehlten offenbar die proteinreichen Pollen. Ohne fortpflanzungsfähigen Nachwuchs sterben die Hummelvölker lokal aus und stehen im Folgejahr nicht mehr als Bestäuber zur Verfügung.
Gezielter Naturschutz
„Wir kommen zu dem Schluss, dass immer häufiger auftretende Dürren eine große Bedrohung für Hummelpopulationen und die von ihnen erbrachten Bestäubungsleistungen darstellen, selbst in blumenreichen Schutzgebieten“, folgern die Autoren. „Unsere Studie untermauert die Notwendigkeit eines adaptiven Naturschutzmanagements in naturnahen, wertvollen Wiesenlebensräumen.“ Um den Hummeln zu helfen, sei es beispielsweise wichtig, für schattenspendende Bäume an offenen, blütenreichen Wiesen zu sorgen und somit kühlere Flächen zu schaffen. Zudem könnte die Wiederherstellung von Feuchtgebieten dazu beitragen, die Wasserspeicherkapazität der Böden zu verbessern.
Quelle: Hanno Korten und Ingolf Steffan-Dewenter (Universität Würzburg) et al., Proceedings of the Royal Society B, doi: 10.1098/rspb.2025.3056
Quelle:
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