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SportEintracht Frankfurt liegt am Boden

Eintracht Frankfurt liegt am Boden


analyse

Stand: 03.05.2026 • 09:14 Uhr

Eintracht Frankfurt blamiert sich im Heimspiel gegen den Hamburger SV. Der Europacup wird immer unwahrscheinlicher, auch die Zukunft von Albert Riera steht in den Sternen. Die Saison wird Konsequenzen haben müssen.

Nach etwa 65 Minuten hatten auch die Treuesten der Treuen genug. Ein letztes “Wir wollen euch kämpfen sehen” schallte aus der Nordwestkurve durchs Frankfurter Waldstadion, dann stellte die aktive Fanszene den Support ein. Fortan herrschte Stille im Rund. 1:2 gegen den Hamburger SV, die erneute Qualifikation für den Europacup – immer unwahrscheinlicher. Was sollte man zu diesem Spiel auch noch sagen, geschweige denn singen?

Es ist schon wirklich erstaunlich, wie blutleer, wie fragil, wie überfordert Eintracht Frankfurt auf der Zielgeraden der Saison 2025/26 wirkt. Gegen den Hamburger SV, Aufsteiger, Abstiegskandidat und mit der Empfehlung von sechs sieglosen Spielen in Folge vorstellig, zeigte die Eintracht die nächste völlig ideen- und energielose Vorstellung. “Ich bin extrem verärgert über die Art und Weise, wie wir Fußball gespielt haben”, sagte Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche nach dem Spiel. Damit können wir nicht den Anspruch haben, in Europa zu spielen.” So oder so ähnlich dürfte das die Mehrzahl der 59.400 Anwesenden gesehen haben.

Die Eintracht liegt am Boden

In diesem Sinne brachte das Spiel gegen den HSV vielleicht keine Punkte, dafür aber genug Erkenntnisse über Eintracht Frankfurt im Mai 2026. Und das sind keine guten. Die Eintracht, man muss es so sagen, liegt am Boden. Gegen den HSV schaffte es die Eintracht, in der ersten Halbzeit einen xGoal-Wert von 0,02 hinzulegen. Keine Idee, keine Tiefe, keine Intensität – zu keiner Zeit sah man, dass der Mannschaft die Bedeutung dieser Partie bewusst war. Was mit einem amtlichen Pfeifkonzert zur Pause bedacht wurde.

Als es dann weiterging, zeigten die Hessen drei aktive Minuten, die Can Uzun mit dem 1:0 krönte. Der Jubel war aber kaum verklungen, da gab es für die Fans die nächste Frusterfahrung. Nur 45 Sekunden nach dem Tor gab es auf der Gegenseite Ecke, nochmal 30 Sekunden später hatte der HSV ausgeglichen. Bezeichnend: Der Eintracht mangelt es an Seriosität, an Resilienz, an Siegeswillen, eigentlich an allem. Der spielerisch völlig magere HSV wurde anschließend noch zum 1:2 eingeladen und durfte danach das Spiel 40 Minuten lang mit allerlei Zeitspiel und ohne große Mühe nach Hause bringen. Nach Uzuns Tor dauerte es bis zu einem Seitfallzieher des eingewechselten Younes Ebnoutalib in der 93. Minute, dass die Eintracht zu einer echten Chance kam.

“Keine Leidenschaft, keine Energie”

“Wir haben keine Leidenschaft, keine Energie auf den Platz bekommen”, sagte Krösche nach dem Spiel, und dass die Spieler die ganze Saison schon nicht an ihr Leistungsmaximum kommen. Allerdings sind die Probleme, die er benennt, seit Monaten dieselben. Auch unter Riera reiht die Mannschaft einen müden Auftritt an den nächsten, “wir hatten keine Energie”, bemängelte der Spanier. Seine eigene Emotionalität hat er offensichtlich nicht auf die Mannschaft übertragen können. Was vielleicht verschmerzbar wäre, würde man wenigstens sehen, wie die Mannschaft spielerisch zum Erfolg kommen will. Aber auch das ist eigentlich die gesamte Saison 2025/26 schon unklar, erst unter Dino Toppmöller, nun unter Riera. Und so steht Eintracht Frankfurt im Mai 2026 für eigentlich gar nichts mehr, weder spielerisch noch energetisch.

Dass Riera beharrlich Spieler positionsfremd einsetzt, hilft dabei auch nicht unbedingt. Gegen den HSV startete Ellyes Skhiri in der Innenverteidigung, Arnaud Kalimunendo spielte erneut auf Linksaußen, Aurele Amenda lief nach starken Wochen in der Innenverteidigung als Rechtsverteidiger auf, der ebenso wie sein Pendant auf Links Nathaniel Brown immer wieder ins zentrale Mittelfeld zog. Was den Vortrag der Eintracht in keinster Weise belebte, im Gegenteil. Eher hat man das Gefühl, dass die vielen Rochaden das Frankfurter Spiel lähmen. “Das ist nicht unsere Aufgabe. Wir müssen schauen, dass wir unsere Leistung bringen”, antwortete Kapitän Koch eher schmallippig, angesprochen auf die Aufstellung.

Riera kann einem fast leid tun

Bei allen Fehlern kann einem Riera mittlerweile schon fast leid tun. Seine sportlichen Entscheidungen sind teils schwer nachzuvollziehen, die Kommunikation nicht erst seit seiner Wutrede schlecht, hinzu kommen die Berichte über das gestörte Binnenklima. In all dem wird Riera aber auch seit Wochen vom Verein alleingelassen. Von Vorstandsboss Axel Hellmann hört man wenig, Krösche vermied nach dem Spiel ein Bekenntnis zu Riera über den Sommer hinaus.

Dieser Sommer wird für die Eintracht derweil ein sehr wichtiger. Der Klub muss dringend die Fehler in Kaderplanung und Außendarstellung analysieren, das wird nicht ohne eine gehörige Portion Selbstkritik der Bosse gehen. Dann wird der Verein nicht an einem Umbruch vorbeikommen. Zu viele Spieler haben in dieser Saison den nächsten Schritt nicht gemacht, zu viele Führungsspieler scheinen mit der Rolle überfordert. Bezeichnend: Nach der Pleite stellte sich einzig Koch den Medienvertretern. Schon zuvor hatte man das Gefühl, dass der ein oder andere Spieler gerne woanders wäre als auf dem Platz.

Und zu guter Letzt wird man auch die Trainerposition bewerten müssen. Das Experiment Riera ist bislang alles andere als vom Erfolg gekrönt, vor dem Spiel gab es bei der Verkündung seines Namens durch den Stadionsprecher gar Pfiffe. “Ich denke nicht über Sachen nach, die ich nicht kontrollieren kann, sondern gebe immer mein Maximum”, sagte Riera, als er auf seine Zukunft angesprochen wurde. Das Maximum wäre der siebte Platz, der ganz vielleicht sogar für die Europa League reichen würde. Bei einer Eintracht in dieser Verfassung wäre das ein kleines Wunder.


Quelle:

www.sportschau.de