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SportElena Semechin: "Ich hatte Angst, mein Baby nie zu sehen"

Elena Semechin: "Ich hatte Angst, mein Baby nie zu sehen"

Stand: 06.05.2026 • 12:40 Uhr

Para-Schwimmerin Elena Semechin spricht im BR24Sport-Podcast “Pizza & Pommes“ über ihre Sehbehinderung und die Angst, ihr restliches Sehvermögen zu verlieren.

Doppel-Paralympics-Siegerin Elena Semechin hat im BR24Sport-Podcast “Pizza & Pommes” ungewöhnlich offen über Rückschläge, Angst und ihren Weg zurück in den Spitzensport gesprochen. Im Gespräch mit Felix Neureuther und Philipp Nagel erzählt die Para-Schwimmerin von ihrer Sehbehinderung, ihrer Hirntumor-Erkrankung und davon, warum der Sport ihr Leben verändert hat.

“Sport hat mein Leben komplett verändert. Der Sport ist das Tor in die Welt für mich gewesen”, erklärt Semechin in der neuen Folge des Podcasts. Die Schwimmerin lebt mit einer genetisch bedingten Makuladystrophie und verfügt nach eigenen Angaben nur noch über zwei Prozent Sehvermögen.

Die seltene Augenerkrankung habe sich bereits im Kindesalter bemerkbar gemacht. “Ich bin unfassbar dankbar für diese zwei Prozent, weil ich ja wenigstens ein bisschen noch was erkennen kann”, sagt die 32-Jährige, die lange in Bamberg lebte.

Sport als Ausweg aus Ausgrenzung und Hoffnungslosigkeit

Im Podcast beschreibt Semechin auch ihre schwierige Kindheit und das Gefühl, ausgegrenzt zu werden. Lange habe sie das Gefühl gehabt, nicht dazuzugehören. Erst der Sport habe ihr Selbstvertrauen gegeben.

“Wenn du immer davor ausgegrenzt wirst und dir immer gesagt wird: ‘Du bist anders’, dann hat man irgendwann so einen Hunger danach zu sagen: ‘Ich kann was schaffen im Leben'”, erzählt sie.

Schwimmen lernte sie erst mit 13 Jahren. Trotzdem entwickelte sie sich später zu einer der erfolgreichsten Para-Schwimmerinnen der Welt. Die Erfolge hätten ihr geholfen, aus ihrem “Schneckenhäuschen” herauszukommen, sagt Semechin.

Hirntumor-Diagnose nach Paralympics in Tokio

Besonders emotional wird das Gespräch, als es um die Zeit nach den Paralympics in Tokio 2021 geht. Kurz nach ihrem Goldmedaillen-Gewinn erhielt Semechin die Diagnose Hirntumor. Statt sich zu fragen “Warum ich?”, habe sie versucht, schnell wieder ein Ziel zu finden. “Ich brauche ein Ziel, was mich wieder antreibt”, sagt sie im Podcast.

Ihr großes Ziel sei gewesen, nach der Operation und Behandlung auf die sportliche Bühne zurückzukehren und ihren Titel über 100 Meter Brust bei den Paralympics in Paris zu verteidigen – mit Erfolg.

Angst vor vollständigem Verlust des Sehvermögens

Auch über ihre Ängste spricht Semechin offen. Besonders während ihrer Schwangerschaft habe sie die Sorge beschäftigt, ihr restliches Sehvermögen vollständig zu verlieren. “Was ist, wenn das jetzt passiert und ich sehe mein Baby gar nicht mehr?”, habe sie sich damals gefragt.

Heute versuche sie, sich nicht dauerhaft von solchen Gedanken bestimmen zu lassen. “Es kommt, wie es kommt. Ich kann darauf keinen Einfluss nehmen”, sagt Semechin.

Quelle: Pizza & Pommes – mit Felix Neureuther und Philipp Nagel 06.05.2026 – 10:00 Uhr


Quelle:

www.sportschau.de