Der THW Kiel steht vor einem extrem wichtigen Spiel. Die kriselnden “Zebras” empfangen am Dienstag Nexe Nasice aus Kroatien zum Viertelfinal-Rückspiel der Handball-European-League. Kiel muss eine 30:33-Pleite wettmachen. Gelingt dies, geht es zum Final Four nach Hamburg. Andernfalls wäre die Saison verkorkst.
Es waren andere Namen damals. Vor einigen Jahren lieferte sich der THW Kiel auf höchster Ebene im europäischen Clubhandball, in der Champions League, grandiose Duelle mit dem FC Barcelona. Es ging auch gegen Paris Saint-Germain oder MKB Veszprem aus Ungarn. Nun, im Mai 2026, erscheint selbst ein Verein wie RK Nexe Nasice als eine solch hohe Hürde, dass vor dem Viertelfinal-Rückspiel der European League der Zusammenhalt beschworen werden muss.
Drei Tore müssen nach der 30:33-Niederlage beim kroatischen Dauer-Vizemeister am Dienstagabend (20.45 Uhr, im NDR Livecenter) im Rückspiel in heimischer Arena aufgeholt werden. Und anders als früher, als ein derartiger Rückstand nach dem Hinspiel selbst gegen die absoluten Top-Clubs Europas kein Grund zur Besorgnis waren, erscheint es nach den Kieler Auftritten in den vergangenen Wochen in der Tat fraglich, ob sie das gegen den Stolz der 14.000-Einwohner-Stadt aus dem Osten Kroatiens auch tatsächlich gewuppt bekommen.
Zerbe hofft auf Hilfe der THW-Fans
“Man muss einmal mehr aufstehen als man hinfällt. Krone richten, weitermachen!”, sagte THW-Rechtsaußen Lukas Zerbe dem NDR nach der 25:33-Klatsche im Bundesligaspiel bei der HSG Wetzlar. “Vielleicht ist es auch ganz gut, dass wir am Dienstag schon wieder spielen. Wir können jetzt nicht lange grübeln. Voller Fokus auf Nexe! Auch wenn es ein spätes Spiel ist, hoffe ich, dass viele Fans in die Halle kommen und uns unterstützen, damit wir den Traum vom Final Four weiter leben können.”
Ein Sieg gegen Nasice mit mindestens vier Toren Unterschied beschert den “Zebras” am 30. und 31. Mai die Teilnahme an der entscheidenden Phase des Wettbewerbs in Hamburg. Ein Erfolg mit drei Toren Differenz führt direkt zum Siebenmeterwerfen. Und ein Ausgang mit einem Sieg mit nur zwei Treffern Unterschied sowie jedes schlechtere Abschneiden hat zur Folge, dass die Saison 2025/2026 als eine komplett verkorkste in die ruhmreiche Historie des 23-maligen deutschen Meisters eingeht.
“Wir wollen eine weitere magische Kieler Nacht kreieren.”
“Ich freue mich riesig darauf, Nexe wiederzusehen. Ich freue mich riesig darauf, uns mit ihnen mit unseren Fans im Rücken zu messen. Wir wollen mit unseren Emotionen in unserer Halle in Vorleistung gehen, um unsere Fans mitzunehmen und eine weitere magische Kieler Nacht zu kreieren. Das ist unser Ziel”, sagte THW-Trainer Filip Jicha. Der 44 Jahre alte Tscheche wird sich längst bewusst sein, dass es bei einem Scheitern gegen Nexe Nasice auch für ihn eng werden könnte – trotz dessen, dass der Club erst im vergangenen Oktober den Vertrag mit ihm vorzeitig bis zum 30. Juni 2028 verlängert hatte.
Nach dürftiger Saison doch in die Champions League?
Zu dünn ist das sportliche Abschneiden bislang in der Saison. In der Bundesliga waren nicht nur die Chancen auf den Gewinn der Meisterschaft schnell verwirkt, auch die Qualifikation für die Champions League über die Liga ist längst nicht mehr möglich. Der THW steht nach dem 30. Spieltag mit nur 40:20 Punkten auf Rang fünf.
Im DHB-Pokal kam im Viertelfinale durch eine 30:32-Niederlage bei den Füchsen Berlin das aus. Gegen die Hauptstädter bestreitet das Jicha-Team am Sonntag (15 Uhr, der NDR überträgt live) auch das nächste Bundesligaspiel.
Bleibt die European League, die den “Zebras” einen verschlungenen Pfad bieten könnte, um die Saison doch noch zu retten. Als Gewinner des Wettbewerbs könnte der THW in der kommenden Saison an der Champions League teilnehmen. Dazu würde es allerdings nicht kommen, wenn die Füchse Berlin die “Königsklasse” gewinnen und zugleich Liga-Dritter bleiben sollten, in dem Fall würde den Kielern ein Titelgewinn in der European League nicht für die Qualifikation für die Champions League genügen.
THW Kiel vom Verletzungspech gebeutelt
Jicha stellte sich nach der Pleite in Wetzlar vor sein von Verletzungen gebeuteltes Team, das zuvor in der Heimspielen gegen Eisenach und gegen Leipzig nicht über Unentschieden hinausgekommen war und das beim TVB Stuttgart klar unterlag. “Das ist eine der schwierigsten Phasen, die ich in dem Verein miterlebt habe. Es ist aber auch so, dass wieder bessere Zeiten kommen werden, das hat dieser Verein immer gezeigt. Und das ist mir persönlich das Allerwichtigste”, sagte er im Interview mit DYN.
In Emil Madsen, dem in der Hinrunde so furiosen Spielmacher Elias Ellefsen a Skipagötu sowie Eric Johansson und Nikola Bilyk fehlten Jicha in Wetzlar vier Rückraumspieler.
Ankermann ein Hoffnungsträger für das Rückspiel
Auch dieses Verletzungspech wird mit Sicherheit Eingang finden in der sportlichen Analyse der Saison. Ein großer Pluspunkt für Jicha in Sachen Weiterbeschäftigung ist fraglos, wie er zum Förderer von Rasmus Ankermann geworden ist. Der 18 Jahre alte Rückraumspieler ist ein überragendes Talent, das mit einem für sein Alter unglaublichen Selbstverständnis auftritt und das womöglich gar Chancen auf eine Teilnahme an der WM 2027 in Deutschland haben könnte. Jicha hat ihn jedoch auch behutsam aufgebaut, ihn zuerst nur punktuell eingesetzt und nichts übersteuert.
Für das Rückspiel gegen Nasice ist der A-Jugendliche Ankermann längst ein großer Hoffnungsträger der THW-Fans. Geschäftsführer Viktor Szilagyi sieht zudem ein “positives Fragezeichen”, dass zumindest der Schwede Johansson nach seiner Knieverletzung in den Kader zurückkehrt.
Quelle:
www.sportschau.de



