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SportFlorian Lipowitz etabliert sich in der Spitzenklasse

Florian Lipowitz etabliert sich in der Spitzenklasse

Stand: 04.05.2026 • 20:48 Uhr

Der deutsche Radprofi Florian Lipowitz fährt bei der Tour de Romandie auf den zweiten Platz – nur Tadej Pogacar ist schneller. Bereits in der Frühphase der Saison gelangt Florian Lipowitz in den Fokus.

Das Finale der Tour de Romandie im französischsprachigen Teil der Schweiz hat vor allem Florian Lipowitz bestimmt. Die Strecke führte hinauf nach Leysin, ein Schlussanstieg der ersten Kategorie von knapp 13 Kilometern Länge. Dort zeigte sich der 25 Jahre alte Lipowitz besonders aktiv und forderte mit seinen Angriffen vor allem Tadej Pogacar heraus, den Weltmeister im Gelben Trikot.

Der slowenische Superstar des Radsports ist auf seiner Maschine hyperaktiv, seine Klasse gestattet es ihm, jeden Angriff mitzugehen und meist auch zu kontern. Ein Teil dieser klassischen Pogacar-Rechnung ging am Sonntag auf: das Mitgehen. Der Konter jedoch blieb aus, weil Lipowitz seinerseits Pogacar kontern konnte.

Florian Lipowitz: Nicht Platz Eins aber zufrieden

Am Ende reichte es im Schlusssprint erneut nicht zum Tageserfolg für den deutschen Klassementfahrer Lipowitz. Er wurde nach knapp 180 Kilometer über welliges Terrain Etappenzweiter hinter Pogacar und beendete auch die gesamte sechstägige Rundfahrt auf derselben Position. Es war der dritte Podiumsplatz für Lipowitz bei seinem vierten Etappenrennen in diesem Frühjahr, was seine Klasse unterstreicht. Denn eigentlich ist sein Leistungszenit für die Tour de France im Juli vorgesehen.

Handshake zwischen Florian Lipowitz (l.) und Tadej Pogacar vor dem Start der 5. Etappe der Tour de Romandie

Entsprechend zufrieden war Lipowitz, dick eingepackt in eine warme Jacke und mit einer Mütze auf dem Kopf beim Interview hinter der Ziellinie: “Ich bin superhappy mit dem zweiten Platz.” Auch Pogacar zeigte sich beeindruckt von den Vorstößen, die Lipowitz riskiert hatte: “Als er das zweite Mal im Schlussanstieg attackiert hatte, war das sehr beeindruckend.” Lipowitz hatte kurz die Hoffnung, dass noch etwas für ihn möglich ist: “Tadej war am Limit.” Doch abhängen ließ er sich nicht

Lipowitz und Evenepoel rollen sich ein

Lipowitz begann diese Saison mit einem Erfolg, den er bei einem Teamzeitfahren unter anderem gemeinsam mit dem belgischen Red-Bull-Neuzugang Remco Evenepoel Ende Januar auf Mallorca einfuhr. Die sich daran anschließende Algarve-Rundfahrt im Februar stand ursprünglich nicht auf Lipowitz‘ Einsatzplan. Er bestritt sie dennoch, um sich schon früh im Jahr mit den ersten Etappenkilometern des Jahres einzurollen – Platz acht wurde es schließlich im Gesamtklassement. Wichtiger war für ihn allerdings der erste gemeinsame Einsatz bei einer Rundfahrt mit Evenepoel Ende März bei der schweren Katalonien-Rundfahrt.

Remco Evenepoel (l.) und Florian Lipowitz gemeinsam bei der Katalonien-Rundfahrt

Dort traf Lipowitz vor allem auf Jonas Vingegaard, einem der großen Favoriten auf den Gesamtsieg bei der Tour. Der Däne dominierte das Rennen mit zwei Tageserfolgen und dem Gesamtsieg, Lipowitz aber hielt in den Bergen lange mit, dominierte in den Anstiegen Evenepoel und belegte im Schlussklassement Rang drei. Dabei war er gar nicht topfit, denn zuvor musste er wegen eines Infektes ein Höhentrainingslager verfrüht beenden.

Paul Seixas fährt Lipowitz davon

Weil es so gut lief, meldete sein Team Lipowitz auch für die bergige Baskenland-Rundfahrt Anfang April. Lipowitz fuhr zwar stark, war aber gegen den letztlich deutlich besseren, erst 19 Jahre alten Franzosen Paul Seixas chancenlos. Dennoch reichte es zu Rang zwei und einem erneuten Podiumsplatz in der Abschluss-Wertung. Ende April und Anfang Mai folgte schließlich die Romandie-Rundfahrt. Erneut war nur ein Fahrer besser als Lipowitz, Pogacar gewann gleich vier der fünf Etappen. Die Bilanz des unersättlichen Pogacar in diesem Jahr lautet: elf Starts, neun Siege. Dennoch distanzierte Pogacar seinen deutschen Konkurrenten mitsamt aller Bonifikationen nur um 42 Sekunden nach 20 Stunden Rennzeit.

Bei den besten Fahrern Eindruck hinterlassen

Florian Lipowitz bei der letzten Etappe bei der Tour de Romandie

Lipowitz hat sich somit in diesem Jahr bereits gegen seine potenziell größten Tour-Konkurrenten stark behauptet: Vingegaard und Seixas waren ihm dabei aber noch klar überlegen. Und auch Pogacar kontrollierte souverän das Peloton. Doch vor allem die Attacke auf dem Weg hinauf nach Leysin in der West-Schweiz dürfte Lipowitz viel Zuversicht für die Arbeit an seiner Form geben. Dazu sagte er: “Am letzten Berg wollte ich selbst etwas versuchen. Dabei hat es mich überrascht, dass Tadej nicht nochmal eine Attacke gesetzt hat.” Im Zielsprint habe er versucht, “mein Bestes zu geben. Tadej hat fair gewonnen.” Dieses Ergebnis “gibt mir auf jeden Fall Zuversicht für die Tour. Wir sind auf dem richtigen Weg.”

Hohe Erwartungen durch einen rasanten Aufstieg

Bei der Tour 2025 belegte Lipowitz mit mutiger Fahrweise und herausragenden Leistungen in den Pyrenäen und den Alpen Rang drei. Ihm selbst war danach etwas mulmig, weil er wusste, dass er mit diesem Resultat eine große Erwartungshaltung geschürt hatte. “Das versuche ich so weit es geht, auszublenden”, sagte Lipowitz dazu im Teamtrainingslager im Dezember im Gespräch mit der “Sportschau”. Und: “Wenn ich an meine Leistungen von 2025 anschließen kann, bin ich mehr als glücklich. Es ist nicht einfach, seine Leistung nach solch einem Aufstieg zu bestätigen.” Andererseits aber mache er sich selbst Druck, “denn ich will auch 2026 wieder liefern”. Zum Beispiel einen Podiumsplatz bei der Tour. Nach seinen bisherigen Einsätzen in diesem Jahr bilanziert Lipowitz nun: “Ich habe im Vergleich zum Vorjahr einen Schritt nach vorn gemacht.”

Paul Seixas und die Tour de France

Mit Seixas, der am Montag seinen Tour-Start im Sommer 2026 annoncierte, ist ein Anwärter auf einen der drei ersten Tour-Plätze neben Pogacar und Vingegaard hinzugekommen. Seixas sagte dazu: “Ich strebe die bestmögliche Position im Gesamtklassent an.” Er verfolge ambitionierte Ziele. Zuletzt betonte er, vor allem deshalb an Rennen teilzunehmen, “um sie zu gewinnen”.

Paul Seixas am Hinterrad von Tadej Pogacar (r.) bei Lüttich-Bastogne-Lüttich

Mit der Tour bestreitet Seixas seine erste dreiwöchige Rundfahrt. Es ist offen, wie er diese Strapazen verarbeitet und wie er die riesigen Erwartungen seiner Landsleute verkraftet, die ihm den ersten Tour-Sieg eines Franzosen seit 1985 zutrauen. Damals gewann Bernard Hinault zum fünften Mal die Frankreich-Rundfahrt. Klar ist: Die finale Tour-Woche wird ein Kletterspektakel in den Alpen. Die langen und steilen Anstiege meisterte Lipowitz vor einem Jahr herausragend.

Was dem Schwaben Lipowitz nun noch fehlt, ist ein Tagessieg bei einem World-Tour-Rennen. Bisher hat er drei Siege eingefahren, allerdings bei Rennen einer Unterkategorie der Topklasse. In der Romandie war er aber zumindest am Sonntag sehr nahe dran. Sein nächstes Rennen bestreitet Lipowitz bei der Slowenien-Rundfahrt. Sie führt vom 17. bis 21. Juni über fünf Etappen durch die Bergwelt der slowenischen Alpen. Dort ist Lipowitz favorisiert, denn Pogacar, Vingegaard und Seixas haben andere Pläne.

Vorbereitung auf das wichtigste Rennen der Saison

Lipowitz besichtigt in dieser Woche – wie auch Pogacar – einige Etappen der Tour. Anschließend begibt er sich in ein Höhentrainingslager und taucht in Slowenien wieder in einer Startliste auf. Die Tour de France beginnt am 4. Juli mit einem Teamzeitfahren in Barcelona.


Quelle:

www.sportschau.de