Auf einem Feld im Osten Norwegens haben Archäologen mehr als 3100 Münzen aus der Wikingerzeit entdeckt. Es handelt sich um den bislang größten Fund von Wikingermünzen in Norwegen. Die erstaunlich gut erhaltenen Münzen dieses Mørstad-Horts wurden um das Jahr 1050 herum vergraben – warum und von wem, ist jedoch unklar. Neben seiner Größe sticht dieser Münzhort auch dadurch heraus, dass er neben den damals gängigen Münzen deutscher und englischer Prägung auch norwegische Münzen enthält.
Die Wikinger führten nicht nur Raubzüge an den umliegenden Küsten durch, sie verfügten auch über ein ausgedehntes Fernhandelsnetz. Als Währung dienten dabei oft Silbermünzen, die bei Plünderungen beispielsweise von Schiffen oder Klöstern erbeutet worden waren. Eigene Münzprägestätten gab es dagegen in Nordeuropa bis in die späte Wikingerära hinein nicht. Im Umlauf waren daher vorwiegend Münzen aus deutschen, englischen oder islamischen Prägestätten. „Man könnte diese Münzen als den Euro oder US-Dollar der Wikingerzeit bezeichnen“, erklärt May-Tove Smiseth, Archäologin der norwegischen Provinz Innlandet.
„Die Metalldetektoren hörten nicht auf zu piepen“
Umso spannender ist ein Münzhort, den Smiseth und ihre Kolleginnen auf einem Feld nahe des Ortes Rena in Ostnorwegen entdeckt haben. Nachdem am 10. April zwei Hobby-Schatzsucher mit Metalldetektoren die ersten Münzen gefunden hatten, benachrichtigten sie die Archäologen der Provinz, die daraufhin das Feld systematisch weiter absuchten. Innerhalb weniger Tage stieß das Team auf bislang rund 3150 Münzen aus der späten Wikingerzeit. „Das ist bisher beispiellos, die Detektoren hörten gar nicht mehr auf zu piepen“, sagt Smiseth. “Wir haben zuvor zwar schon Wikinger-Münzhorte mit rund 2000 Münzen gefunden, aber noch nie mehr als 3000. Dies ist wirklich außergewöhnlich.“
„Es war absolut unglaublich, diese Münzen aus dem Boden auftauchen zu sehen. Sie sind so gut erhalten, dass sie fast wie frisch geprägt aussehen“, schildert Smiseth ihre ersten Eindrücke. Wahrscheinlich wurde dieser Schatz um das Jahr 1050 herum vergraben, wie das Team anhand der Prägungen ermittelt hat. Nach diesen sind die meisten Münzen in dem „Mørstad-Hort“ getauften Fund englischer oder deutscher Herkunft. „Dies ist typisch für Münzfunde in Nordeuropa“, erklärt der Münzexperte Svein Harald Gullbekk vom Museum für Kulturgeschichte in Oslo.
Seltene Münzen norwegischer Prägung
Das Besondere am Mørstad-Hort sind jedoch einige in Norwegen geprägte Münzen. Sie müssen zum Zeitpunkt des Vergrabens frisch geprägt gewesen sein, wie Gullbekk erklärt. Denn erst der norwegische König Harald III., auch Harald Hardrada genannt, begann nach seiner Thronbesteigung im Jahr 1047 damit, ein nationales Währungssystem einzuführen. „Die Entdeckung des Münzhorts ist daher nicht nur wegen seiner Größe außergewöhnlich, sondern auch, weil er mit einer besonders interessanten Periode in der norwegischen Geschichte verknüpft ist“, so der Forscher.
Wer einst diese Münzen im Feld vergrub und warum, ist jedoch ungeklärt. „Jemand nutzte dieses Stück Land als Tresor und verbarg sein Vermögen dort“, sagt Gullbekk. „Dies war für Menschen damals durchaus üblich – es war das Sicherste, was man tun konnte.“ Die Münzen des Mørstad-Horts waren vermutlich ursprünglich in einen Leder- oder Stoffbeutel verpackt, der sich aber im Laufe der Jahrhunderte zersetzt hat. Gullbekk schätzt, dass die gut 3000 Silbermünzen damals ausgereicht hätten, um einen Bauernhof und ein Stück Land zu erwerben. Warum die Besitzer der Münzen diese nicht wieder aus ihrem Versteck holten, ist unbekannt. Als der Acker dann später immer wieder durchgepflügt wurde, verstreuten sich die Münzen über das gesamte Feld.
Bisher gibt es auch keine Hinweise auf ein wikingerzeitliches Gebäude oder eine Siedlung im Umfeld des Münzhorts. Das Archäologenteam hat bei ersten Untersuchungen mittels Bodenradar keine Relikte von Fundamenten oder andere Gebäudereste gefunden. Gullbekk geht aber davon aus, dass eine Ausweitung der Suche weitere Funde zutage fördern wird. „Ich bin gespannt, ob es Spuren von Bauwerken in der Nähe gibt, ob es dort damals vielleicht eine Farm gab oder andere menschengemachte Strukturen“, so der Forscher.
Quelle: Science Norway, / Innlandet County Municipality
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