marktbericht
Die Lufthansa hat trotz des Iran-Kriegs im ersten Quartal überraschend gut abgeschnitten. Gleichzeitig will der Konzern im Gesamtjahr deutlich mehr verdienen als im Vorjahr. Die Anleger hören das gerne.
Die Lufthansa feiert dieses Jahr ihr 100-jähriges Firmenjubiläum – ein Jubiläumsjahr, dass spätestens mit dem Beginn der Kampfhandlungen im ölreichen Persischen Golf Ende Februar zu einem Jahr mit außergewöhnlich viel Gegenwind werden könnte. Denn besonders der mit der Krise begonnene steile Anstieg der Ölpreise tut jeder Fluggesellschaft besonders weh, gelten doch die Treibstoffpreise stets als der größte Kostenblock.
Aber nicht nur dies, auch zahlreiche Flüge müssen im Falle von geostrategischen Risiken entweder ganz abgesagt oder umgeleitet werden – was neue Kosten nach sich zieht und sich unmittelbar in der Gewinn- und Verlustrechnung niederschlägt.
Besser als erwartet, aber enorme Herausforderungen
Vor diesem Hintergrund war es nicht unbedingt zu erwarten, dass der Konzern aus dem MDAX für das erste Quartal des laufenden Jahres ein über den Erwartungen liegendes Geschäftsergebnis veröffentlichte. Konkret verringerte der Lufthansa-Konzern im saisonal schwächsten Quartal des Jahres seinen operativen Verlust auf 612 Millionen Euro an, eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent. Nach der vom Unternehmen selbst erhobenen Umfrage erwarteten Analysten ein Minus von 659 Millionen Euro.
Der Umsatz war mit 8,75 Milliarden Euro so hoch wie erwartet und markierte einen neuen Bestwert im Auftaktquartal. Traditionell erwirtschaften Fluglinien den Großteil ihrer Ergebnisse in den Sommermonaten, so dass der schwache Jahresauftakt nicht unüblich ist.
Die Krise im Mittleren Osten sei mit steigenden Kerosinkosten und operativen Einschränkungen eine enorme Herausforderung, erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. “Allerdings sind wir resilient aufgestellt, um diese Auswirkungen abzufedern.”
Lufthansa bestätigt Gewinnziel
Wichtiger als das Quartalsergebnis an sich ist für die Börse aber der Ausblick des Managements. Dieser fiel überraschend zuversichtlich aus: Denn trotz der zahlreichen Risiken, zu denen auch die negativen Folgen der jüngsten Streiks im Konzern gehören, hält das Management an seinem Gewinnziel für 2026 fest. So soll der Betriebsgewinn deutlich über den knapp zwei Milliarden Euro aus dem Vorjahr liegen.
Mit dem Ausfall der Konkurrenten aus den Golfstaaten konnte die Lufthansa im März mehr Flüge nach Asien und Afrika verkaufen. Doch Emirates, Etihad und Qatar Airways haben ihr Angebot inzwischen wieder hochgefahren, obwohl Iran zuletzt wieder die Nachbarregion angegriffen hat. Mit höheren Kerosinkosten – bei der Lufthansa trotz weitgehender Absicherung nach aktueller Schätzung 1,7 Milliarden Euro im Gesamtjahr mehr – steigen auch die Ticketpreise.
Kerosinversorgung vorerst gesichert
Das Management erklärte heute, die Kerosinversorgung sei bis Juni abgesichert. Der Konzern hält auch eine eventuell auftretende Knappheit durch fehlende Lieferungen aus Nahost für lösbar. “Derzeit sehen wir keine Engpässe”, sagte Finanzchef Till Streichert am Vormittag. “Bis einschließlich Juni gehen wir davon aus, dass die Treibstoffversorgung an unseren Hubs gesichert ist.” Dennoch bereite sich die Airline-Gruppe auf mögliche Störungen vor.
Reiselust bleibt ungebrochen
Trotz aller politischer Risiken – die Reiselust bleibt nach Ansicht der Lufthansa ungebrochen. Das Angebotswachstum werden aber nur bei zwei anstatt geplant vier Prozent liegen, hieß es weiter. Grund seien unter anderem auch Flugstreichungen durch die vorzeitige Einstellung der Regionalfluglinie Cityline. “Die globale Nachfrage nach Flugreisen bleibt hoch und zeigt sich auch in Krisenzeiten robust”, erklärte der MDAX-Konzern. Es werde erneut ein starker Reisesommer.
DAX im Aufwind über 25.000 Punkte
Neue Friedenshoffnungen im Nahen Osten, aber auch eine ganze Reihe neuer Quartalsergebnisse der Unternehmen beflügeln derweil den DAX, wie auch schon am Vortag. Der Leitindex steigt über 25.000 Punkte und gewinnt rund 2,8 Prozent. Die USA und der Iran stehen pakistanischen Vermittlerkreisen zufolge kurz vor einer Vereinbarung für ein Kriegsende. Eine Aussicht, von der die Luftfahrtbranche besonders profitiert. Triebwerksbauer MTU Aero führen den DAX mit einem Plus von rund elf Prozent an.
Quelle:
www.tagesschau.de



