Irans Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf hat den USA mit einem weiterem militärischen Vorgehen gedroht. Die Armee seines Landes habe mit den Angriffen “noch nicht einmal begonnen”, erklärte Ghalibaf an diesem Dienstag im Onlinedienst X. Ghalibaf ist auch Leiter der iranischen Delegation in den Verhandlungen mit der US-Regierung um ein Ende des Kriegs. Die “bösartige Präsenz” der USA am Persischen Golf werde abnehmen, fügte er hinzu.
Zuvor hatte der iranische Außenminister Abbas Araghtschi die USA vor einer Fortsetzung ihrer Geleitschutz-Initiative für Handelsschiffe durch die Straße von Hormus gewarnt. Er schrieb bei X: “Projekt Freiheit ist Projekt Sackgasse.” Die Ereignisse in der Straße von Hormus machten deutlich, dass es keine militärische Lösung für eine politische Krise gebe.
Araghtschi behauptete weiter, die Verhandlungen über ein Ende des Kriegs machten Fortschritte “dank des großen Einsatzes Pakistans”, das in dem Konflikt als Vermittler agiert. Die USA sollten darauf achten, “sich nicht von böswilligen Kräften wieder in einen Sumpf hineinziehen zu lassen”. Das Gleiche gelte auch für die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE).
Trump: Iran wird von der Erde gefegt
US-Präsident Donald Trump drohte Iran für den Fall von Angriffen auf US-Schiffe mit Vernichtung. Der Iran werde “von der Erde gefegt”, sollte er Schiffe angreifen, die im Rahmen der neuen US-Initiative zur Öffnung der Straße von Hormus im Einsatz seien, sagte er dem amerikanischen Sender Fox News. Nicht äußern wollte sich Trump dazu, ob die Waffenruhe mit Teheran vorbei sei. “Nun, das kann ich Ihnen nicht sagen”, erklärte Trump in einer Folge des Podcasts “The Hugh Hewitt Show”.
US-Handelsschiff fährt durch Straße von Hormus
Am Montag hatte ein Containerschiff der dänischen Reederei Maersk nach Unternehmensangaben die für den Welthandel wichtige Meerenge passiert. Das unter US-Flagge fahrende Handelsschiff “Alliance Fairfax” “verließ am 4. Mai den Persischen Golf über die Straße von Hormus”, heißt es in einer Erklärung der Reederei. Demnach wurde das Schiff bei seiner Durchfahrt vom US-Militär geschützt.
“Der Transit verlief ohne Zwischenfälle und alle Besatzungsmitglieder sind gesund und munter”, teilte Maersk weiter mit. Den Angaben zufolge gehört die “Alliance Fairfax” zur US-Reederei Farrell Lines, einer Maersk-Tochter. Das Schiff habe seit Beginn des Iran-Kriegs “wegen Sicherheitsbedenken” im Persischen Golf festgesessen.
Die US-Streitkräfte hatten am Montag mit der von Trump angekündigten Mission “Projekt Freiheit” begonnen. Ziel des Marineeinsatzes ist es, die seit Wochen blockierte Handelsschifffahrt in der Region wiederzubeleben. Im Rahmen des Einsatzes waren laut offiziellen Angaben zwei US-Zerstörer durch die Straße von Hormus in den Persischen Golf gefahren.
In der Folge hätten zwei unter US-Flagge fahrende Handelsschiffe die Meerenge “erfolgreich passiert”, hatte das für den Nahen Osten und die Golfregion zuständige Regionalkommando der US-Armee (CENTCOM) am Montag erklärt. Im Zuge der Aktion seien mindestens sechs Schnellboote der Islamischen Republik versenkt worden.
Die Elitestreitmacht des Irans, die Revolutionsgarden, dementierten dies und erklärten, Raketen auf ein US-Militärschiff abgefeuert zu haben.
USA ermuntern Reedereien, Straße von Hormus wieder zu nutzen
Der Befehlshaber der US-Streitkräfte in der Region, Admiral Brad Cooper, sagte vor Journalisten, den amerikanischen Streitkräften sei es gelungen, einen von iranischen Minen freien Durchgang durch die Straße von Hormus zu schaffen. Man ermutige Reedereien und Schiffe, trotz iranischer Drohungen die Meeerenge wieder zu passieren. Dem Vernehmen nach wurden zahlreiche Reedereien direkt kontaktiert, um sie zu diesem Schritt zu bewegen.
Iran hatte zuletzt Ölanlagen im Hafen von Fudschaira in den Vereinigten Arabischen Emiraten angegriffen, die in Brand gerieten. Fudschaira ist für die VAE von strategischer Bedeutung: Von diesem Hafen aus kann das Land sein Öl exportieren, ohne dass Tanker die Straße von Hormus durchqueren müssen.
Es waren die ersten iranischen Angriffe auf den Golfstaat seit Beginn einer Waffenruhe vor knapp vier Wochen, die Trump zuletzt einseitig auf unbestimmte Zeit verlängert hatte. Die iranischen Streitkräfte bezeichneten ihren Angriff als Reaktion auf das “Abenteurertum der US-Armee” und eine “illegale Passage von Schiffen durch verbotene Routen der Straße von Hormus”.
Die für den weltweiten Handel mit Rohöl und Flüssiggas immens wichtige Meerenge war nach Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran Ende Februar von den iranischen Streitkräften weitgehend abgeriegelt worden. In der Folge schossen die Energiepreise weltweit in die Höhe.
Arabische Staaten verurteilen iranische Angriffe
Arabische Staaten wie Saudi-Arabien, Jordanien, Bahrain und Ägypten verurteilten die Angriffe Irans auf die VAE. Auch die Golfstaaten Kuwait und Katar zeigten sich solidarisch mit den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz forderte angesichts der angespannten Lage die Staatsführung in Teheran dazu auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.
Die Islamische Republik müsse aufhören, “die Region und die Welt zur Geisel zu nehmen”, schrieb Merz im Onlinedienst X. “Die Blockade der Straße von Hormus muss enden. Teheran darf keine Nuklearwaffe bauen”, mahnte er. “Es darf keine weiteren Drohungen und Angriffe gegen unsere Partner geben.”
se/haz (afp, ap, rtr, dpa)
Quelle:
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