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SportDeschamps trauert um seine Mutter - Frankreich wünscht ihm ein Happy End

Deschamps trauert um seine Mutter – Frankreich wünscht ihm ein Happy End

Stand: 24.06.2026 • 05:02 Uhr

Für Didier Deschamps ist nach dem Tod seiner Mutter der Fußball erstmal in den Hintergrund gerückt. Frankreich fühlt mit seinem Nationaltrainer – und wünscht ihm ein krönendes Ende seiner umstrittenen Laufbahn.

Für Didier Deschamps geht es in den kommenden Tagen um wichtigere (und traurigere) Dinge als Fußball. Wie der französische Verband mitteilte, ist der Trainer der französischen Nationalmannschaft zurück in die Heimat gereist, um dort an der Beerdigung seiner in dieser Woche verstorbenen Mutter teilzunehmen. Das letzte Gruppenspiel der “Equipe Tricolore” gegen Norwegen am Freitag (ab 21 Uhr live im Audiostream) wird er verpassen, seinen Job übernimmt Assistenz-Coach Guy Stéphan.

Die Anteilnahme in Frankreich am Schicksal ihres Coaches ist groß. Das Land wünscht ihm ein Happy End als Nationaltrainer. Denn Deschamps, der sich gerade auf seiner Abschiedstournee befindet, ist trotz seines WM-Titels 2018 immer umstritten geblieben.

Deschamps ist Marke ehrlicher Arbeiter

Warum das so ist? Der französische Nationaltrainer hat in seinem Heimatland einen schweren Stand. Die Grande Nation steht für Kunst, Mode und Savoir-vivre, Deschamps verkörperte schon als Spieler das genaue Gegenteil: Während sein langjähriger Wegbegleiter Zinédine Zidane zauberte, erledigte Deschamps in seinem Rücken die Drecksarbeit. Grätschen, Laufen, Pressschlag. Einer muss es ja machen.

Der Mann für die Drecksarbeit: Didier Deschamps räumt beim WM-Finale 1998 Rivaldo ab und wird wenig später Weltmeister

Das Problem dabei: Deschamps’ Vorliebe für Defensiv-Plackerei, die ihn während seiner aktiven Karriere zu einem WM-Titel, einem EM-Titel und zwei Champions-League-Siegen führte, ist auch nach seinem Wechsel auf die Trainerbank nicht weniger geworden. Der 57-Jährige setzt Sicherheit vor Spektakel. Für schöne Siege gibt es eben auch nicht mehr Punkte als für dreckige. Und der Erfolg gab Deschamps lange Recht.

Spielweise passt nicht zu Frankreich

Bei der WM 2018 ätzte Belgiens Superstar Eden Hazard nach der Halbfinal-Niederlage gegen Frankreich, dass er aufgrund der destruktiven Spielweise der “Equipe Tricolore” “lieber mit Belgien verlieren als mit Frankreich gewinnen” würde. Sein Teamkollege Thibaut Courtois warf der französischen Elf sogar “Antifußball” vor. Da Deschamps wenige Tage später den Titel gewann, konnte er diese Kritik locker weglächeln. Das Kunststück, als Spieler und Trainer Weltmeister zu werden, hatte vor ihm nur Beckenbauer und Mario Zagallo geschafft. Was wollt ihr eigentlich?

Von seinen Gegner geächtet, von seinen Spielern gefeiert: Deschamps gewinnt 2018 mit Frankreich die WM

Der Ruf des vermeintlich Unantastbaren erlitt in den folgenden Jahren aber gewaltige Dellen. Bei der EM 2021 war für Frankreich bereits im Achtelfinale Schluss, trotz der Final-Teilnahme bei der WM 2022 und dem Halbfinal-Einzug bei der EM 2024 wurde die Kritik immer lauter. Der Vorwurf: Deschamps hat einen Kader voller Künstler, setzt aber auf fußballerisches Handwerk. Dass den Franzosen bei der EM 2024 nur ein Tor aus dem Spiel heraus gelang, untermauert diese These.

Die Folge: Nach dem Turnier forderten laut einer Umfrage die Mehrheit aller Franzosen Deschamps’ Rausschmiss, 83 Prozent bemängelten den Mangel an Offensivdrang. Deschamps’ gut gemeinter Rat, dass die Fans, die Länderspiele langweilig finden, ja einfach etwas anderes gucken könnten, trug nicht unbedingt zu einer sprunghaften Steigerung seiner Beliebtheit bei.

Löw als warnendes Beispiel

Und damit wären wir in der Gegenwart und einem Vergleich mit einem weiteren Trainer mit schwankenden Beliebtheitswerten angekommen. Die Pariser Tageszeitung “Le Monde” stellte vor der WM die Frage auf, ob Deschamps nach dem Turnier als Legende oder als eine Art Joachim Löw 2.0 abtrete. Verdient hätte er Ersteres. Genau wie sein deutscher Kollege hat Deschamps aber wohl den richtigen Zeitpunkt für seinen Rücktritt verpasst. Man sollte bekanntlich gehen, wenn es am schönsten ist. Aber das ist im Fall von Deschamps lange her. Oder?

Zwei Weltmeister-Trainer unter sich – hätten sie beide früher abtreten sollen?

Erstaunlicherweise scheint sich Deschamps in den vergangenen Monaten noch einmal neu erfunden und somit das Happy End ermöglicht zu haben. Seit dem Viertelfinal-Rückspiel in der Nations League gegen Kroatien bediente sich Deschamps endlich an seiner reichhaltigen Auswahl und setzte in der Startelf auf vier Angreifer. Zugegeben: Angesichts der Offensiv-Power im Kader mit Spielern wie Kylian Mbappé, Ousmane Dembélé, Desiré Doue, Michael Olise oder Bradley Barcola (um nur einige zu nennen) wäre alles andere auch hanebüchen. Deschamps scheint aber verstanden zu haben.

Der positive Trend der vergangenen Wochen setzte sich bei der WM bislang fort, Frankreich überzeugte gegen Senegal und den Irak mit zwei Siegen und insgesamt sechs Toren. Nicht nur Bundestrainer Julian Nagelsmann dürfte sich in diesen Tagen die Frage stellen, ob diese Offensivreihe überhaupt irgendwie zu stoppen ist.

Zidane übernimmt wohl

Bevor diese Frage beantwortet wird, beschäftigt sich Deschamps nun aber erst einmal um die Beisetzung seiner Mutter. Danach rücken dann wieder seine Reputation und die Zeit nach ihm in den Blickpunkt.

Dass für Deschamps nach dem Turnier Schluss ist, ist seit langem bekannt. Sein Nachfolger steht auch schon in den Startlöchern. Die französische Lichtgestalt Zidane soll es werden und auch außerhalb des Rasens wieder etwas mehr Glamour versprühen. Ob’s hilft? Oft merkt man ja erst, wie gut etwas war, wenn es vorbei ist.


Quelle:

www.sportschau.de

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