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TechnologieDer Wirbelsturm, der die Computerentwicklung beeinflusste

Der Wirbelsturm, der die Computerentwicklung beeinflusste

Neuzugang im Paderborner Heinz Nixdorf Museumsforum (HNF): Einige Original-Racks des ersten Echtzeitcomputers Whirlwind sind als Dauerleihgabe in einer Installation zu sehen. Mit dem Lichtgriffel (Light Gun) und dem Radarbildschirm kann man dank einer Simulation sogar spielen oder nur verfolgen, wie der Rechner bei der Luftraumüberwachung eingesetzt wurde. Der von 1945 bis 1951 konstruierte Whirlwind setzte Maßstäbe, nicht nur in Eingabe von Daten über Telefon und der grafischen Bildschirmausgabe. Der für ihn erfundene Ferritkernspeicher löste 1953 die empfindliche Röhrentechnik ab, die Echtzeitdatenverarbeitung mit der telefonischen Datenfernübertragung (DFÜ) von einer Radarstation legten den Grundstein für das US-amerikanische Luftverteidigungssystem SAGE im Kalten Krieg.

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Die Entwicklung von Whirlwind begann im Zweiten Weltkrieg, als der Servomotorspezialist Jay Forrester von der US-Navy damit beauftragt wurde, einen „Real-Time Airplane Stability Control Simulator“ zu konstruieren. Heute unter dem Begriff Flugsimulator bekannt, sollte das System zur Pilotenschulung möglichst viele Flugzeugtypen umfassen, also programmierbar sein. Forrester machte sich zunächst daran, einen Analogrechner zu entwickeln, verwarf aber die Idee, als er die Funktionsweisen von ENIAC und EDVAC kennenlernte, insbesondere durch John von Neumanns First Draft of a Report on the EDVAC. Sein engster Mitarbeiter Robert Everett schilderte dies auf der legendären Konferenz zur Computergeschichte in Los Alamos 1976.

Insgesamt arbeiteten 178 Menschen an der Realisierung des Whirlwind-Rechners, darunter 70 Ingenieurinnen und Ingenieure, die viele Verfahren erst erfinden und testen mussten. Die erste Ausbaustufe des Rechners enthielt 7850 Röhren in 98 Racks (auch diese eine Neuheit, die Whirlwind der Nachwelt vererbte). Im Kontrollzentrum des Rechners standen weitere 18 Racks für die Schalter und die Bandmaschinen für das Einspielen der Programme. Wer sich für die Details interessiert, sei auf den Beitrag des führenden Whirlwind-Spezialisten Guy Fedorkow verwiesen. Der vergleicht die Leistung von Whirlwind mit einem Arduino. Fedorkow ist auch derjenige, der sich um die Erforschung der Rolle des Lautsprechers in der Computerentwicklung verdient gemacht hat.

Von der 10 Tonnen schweren Anlage, die auf einer Fläche von 230 m² aufgebaut wurde, rettete Forresters bester Student Ken Olsen etliche Racks und Schaltpanels, als der Whirlwind wie viele andere frühe Computer abgetakelt wurde. Olsen gründete die Digital Equipment Corporation (DEC) und schuf mit der PDP-1 einen Computer, den er auch als Micro-Whirlwind bezeichnete. Von DEC wanderten die Reste in das Bostoner Computermuseum und kamen nach dessen Schließung ins Computer History Museum im Silicon Valley. Das wiederum überließ Originalteile in einer Dauerleihgabe dem HNF. Zu sehen sind ein Kernspeichermodul, mehrere Rechner-Module und Anzeigen-Elemente sowie ein Steuerpult und der Lichtgriffel, der beim letzten Militäreinsatz des Whirlwinds bei der Erprobung der Luftraumüberwachung als Eingabegerät fungierte. Whirlwinds Nachfolger waren die Computer des SAGE-Systems, die nach der Luftverteidigung eine beeindruckende Filmkarriere als Blinkenlichter machten.

(mho)

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