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Analyse & RecherchenInterviewsIran: Neue Atomanlage unter dem Pickaxe Mountain?

Iran: Neue Atomanlage unter dem Pickaxe Mountain?

Nur etwa 1,5 Kilometer südlich der zentraliranischen Atomanlage Natans liegt ein derzeit geheimnisumwobener Berg, international als “Pickaxe Mountain” bekannt. Im “Spitzhackenberg” wird ein weiteres Versteck des umstrittenen Atomprogramms des Irans vermutet. US-Präsident Donald Trump erklärte diese karge Berglandschaft daher zu einem potenziellen Ziel für einen US-LuftangriffsLuftangriff.

Über diesen mysteriösen Standort in der iranischen Provinz Isfahan ist nicht wirklich viel bekannt. Auch im Iran selbst sind viele Fragen offen. Die Regierung in Teheran schweigt. Inspektoren der Internationalen Atomenergie-Organisation IAEO wurde nie der Zutritt gestattet. IAEO-Generaldirektor Rafael Grossi, der gute Chancen hat, der nächste UN-Generalsekretär zu werden, erklärte wiederholt, dass er ohne Inspektionen nicht sagen könne, was sich dort genau befindet.

Satellitenbilder als wichtige Informationsquelle

Ein Großteil dessen, was die Welt jetzt weiß, stammt daher nicht aus direkter Beobachtung, sondern aus der Auswertung von Satellitenbildern und Geheimdienstinformationen.

Satellitenbilder dokumentieren seit 2020 fortlaufende Bauarbeiten und zeigen bei dem unterirdischen Komplex neue Tunneleingänge, Zufahrtsstraßen und Sicherheitsanlagen. Große Mengen an ausgehobenem Gestein sind zu sehen.

Die Bauarbeiten im “Pickaxe Mountain” scheinen Fahrt aufgenommen zu haben, nachdem im Juli 2020 die benachbarte Atomanlage Natans durch ein Feuer schwer beschädigt worden war. Die iranischen Behörden bezeichneten den Zwischenfall als Sabotageakt. In Natans werden leistungsfähige Zentrifugen für die Urananreicherung bereitgestellt.

Monate später kündigte Teheran Pläne für eine neue unterirdische Anlage an, in der moderne Zentrifugen an einem sichereren Ort montiert würden. Laut offiziellen Angaben soll der Ersatzstandort größer, moderner und besser geschützt sein als der beschädigte. Wo genau sich die neue Anlage befindet, wurde nicht bekanntgegeben.

Welthandel: Die Gefahr auf den Weltmeeren wächst

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All die Informationen, die nach draußen dringen, deuten jedoch auf den Pickaxe Mountain hin. Das in Washington ansässige Institute for Science and International Security schätzt, dass Teile der Anlage möglicherweise 80 bis 100 Meter unter der Bergoberfläche verborgen sind. Sollte dies zutreffen, wäre der Komplex tiefer gelegen als alle anderen bekannten Nuklearanlagen und deutlich schwerer durch einen Luftangriff zu erreichen.

Vieles bleibt unbekannt

Der Iran hat stets argumentiert, dass grundsätzlich neue unterirdische Anlagen notwendig seien, um seine nukleare Infrastruktur vor Sabotage und militärischen Angriffen zu schützen. Nach jahrelangen Cyberangriffen, Explosionen und verdeckten Operationen, für die Teheran seinen Erzrivalen Israel verantwortlich gemacht hat, ist die Verlagerung sensibler Teile seines Atomprogramms in den Untergrund zu einem zentralen Element der iranischen Sicherheitsstrategie geworden.

USA Washington D.C. 2026 | Farzin Nadimi, Senior Fellow am Washington Institute for Near East Policy
Farzin Nadimi, Senior Fellow am Washington Institute for Near East PolicyBild: privat

“Die strategische Bedeutung des Pickaxe Mountain liegt in seiner Widerstandsfähigkeit gegenüber Bunkerbrecher-Bomben der USA und seiner Nähe zur Nuklearanlage in Natans”, sagt Farzin Nadimi, Senior Fellow am Washington Institute for Near East Policy. “Angesichts der Sicherheitsbedenkens ist zu erwarten, dass künftig die Urananreicherung, möglicherweise auch die für Atomwaffen, an einem einzigen, streng geschützten Standort konzentriert stattfindet. Der Pickaxe Mountain wäre dann der ideale Standort.”

Anlage strategischer Bedeutung

Auch westliche Geheimdienstberichte und Analysen sehen im Pickaxe Mountain einen strategischen Stützpunkt der iranischen Nuklearinfrastruktur. Seine Tiefe und der natürliche Schutz durch das umliegende Gebirge würden ihn zu einem weitaus komplizierteren Ziel machen als alle anderen Nuklearanlagen wie Fordo und Isfahan.

Iran Natans 2026 | Satellitenaufnahme des Tunnelkomplexes Pickaxe Mountain
Die neue Anlage ist von hohen Bergen umgebenBild: Vantor/AP Photo/picture alliance

Selbst die leistungsstärksten Bunkerbrecher-Bomben der USA können nur bis zu einer bestimmten Tiefe vordringen, bevor sie detonieren. Die Bomben vom Typ GBU-57 erreichen ihre hohe Durchschlagskraft durch ihr Gewicht. Jede Bombe ist 13 Tonnen schwer. Die maximale theoretische Tiefe liegt allerdings bei nur 60 Metern.

Unter Militärexperten ist daher umstritten, ob diese Bomben einen so tief vergrabenen Komplex wie im Pickaxe Mountain zerstören könnten. Der genaue Verlauf der Tunnel, ihre Tiefe und die Lage kritischer Infrastrukturen wurden nie veröffentlicht.

USA Whiteman Air Base 2023 | Massive Ordnance Penetrator-Bombe GBU-57
Bunkerbrecher-Bombe des Typs GBU-57 schafft bis zu 60 Meter TiefeBild: U.S. Air Force/AP Photo/picture alliance

Der israelische Geheimdienst geht davon aus, dass die Schlüsselkomponente von Zentrifugen oder andere Produktionsanlagen in diesen unterirdischen Komplex verlegt worden sein könnten. Allerdings kann das nicht unabhängig verifiziert werden. Die IAEO kann nach eigenen Angaben solche Behauptungen weder bestätigen noch dementieren. Trotz Satellitenbildern, Geheimdienstanalysen und öffentlicher Spekulationen bleibt der Pickaxe Mountain ein Rätsel. Und die Welt sucht dringend eine Antwort darauf, was sich unter dem Gebirge verbirgt.

Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan

 


Quelle:

www.dw.com