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SportLammens und Courtois - Torhüter-Tragik bei Belgiens bitterem WM-Aus

Lammens und Courtois – Torhüter-Tragik bei Belgiens bitterem WM-Aus

Stand: 11.07.2026 • 01:10 Uhr

Belgien agiert im WM-Viertelfinale gegen Favorit Spanien lange auf Augenhöhe, dann übernehmen die beiden Keeper der “Roten Teufel” unfreiwillig die Hauptrollen.

Senne Lammens richtete den Blick flehentlich gen Himmel. Thibaut Courtois tat dies auf der Auswechselbank ebenfalls, wirkte aber eher zerknirscht und genervt. Die beiden belgischen Torhüter hatten in der 88. Minute des WM-Viertelfinals gegen Spanien (1:2) allen Grund zu hadern.

Ein bitterer Bock des eingewechselten Lammens hatte die Iberer kurz vor Schluss auf die Siegerstraße gebracht. Der 24-Jährige hatte einen eigentlich harmlosen Schuss von Pau Cubarsi aus 25 Metern nach vorne abprallen lassen. Lammens hatte freie Sicht, der Abschluss des spanischen Verteidigers war nicht allzu scharf, und doch unterlief dem Belgier der spielentscheidende Lapsus. Mikel Merino traf zum 2:1, Belgien war raus.

“Lammens verschätzte sich völlig”, schrieb das belgische Portal “Sporza”: “Armer, armer, armer Senne Lammens – das wünscht man wirklich niemandem, wenn die Augen der ganzen Welt auf einen gerichtet sind.”

Serie von Thibaut Courtois reißt

Courtois, der in der 71. Minute beim Stand von 1:1 mit einer Oberschenkelverletzung vom Platz musste, litt als machtloser Beobachter. Er war bereits mit Tränen in den Augen vom Feld gegangen. “Ausgerechnet ich, ausgerechnet heute”, wird der Keeper gedacht haben, nachdem er zuvor seit 2014 keine WM-Minute von Belgien verpasst hatte.

“Ich hätte kein Problem gehabt, im Tor zu bleiben”

Nach der Partie offenbarte Courtois, dass er gerne weitergespielt hätte. “Ich habe eine Menge Schmerzen in meinem Quadrizeps verspürt”, sagte der Routinier. “Ich hätte kein Problem gehabt, im Tor zu bleiben. Am Ende hat der Trainer entschieden, mich vom Feld zu nehmen. Er wollte nur Spieler auf dem Platz haben, die bei 100 Prozent sind. Das ist kein Problem, denn das Team steht über allem.”

Ein komplett gebrauchter Abend für Belgiens Keeper

Die Auswechslung passte zum komplett gebrauchten Abend der beiden Keeper. Auch Courtois hatte beim spanischen 1:0-Führungstreffer einen Schuss von Dani Olmo nur in die Mitte abwehren können, wo Fabián Ruiz per Abstauber einnetzte. Kein richtiger Torwartfehler, aber der erfahrene Keeper von Real Madrid agierte beim Gegentreffer unglücklich.

Lammens indes war nach Schlusspfiff untröstlich. Drei Tage nach seinem 24. Geburtstag war der Blick des Torhüters leer, das Abklatschen seiner Mitspieler schien Lammens kaum wahrzunehmen. Er wirkte in diesem Moment ein wenig wie der einsamste Mensch im WM-Stadion in Los Angeles.

Lammens “Kalt-Start” geht nach hinten los

Beim Distanzschuss von Cubarsi war Lammens schon über eine Viertelstunde auf dem Feld, es war aber trotzdem seine erste richtige Prüfung im Spiel, vorher hatte er nichts Nennenswertes auf seinen Kasten bekommen. Der “Kalt-Start” ging nach hinten los.

Möglicherweise war Lammens nervös. In einem WM-Viertelfinale gegen Spanien kurz vor Schluss beim Stand von 1:1 eingewechselt zu werden – mehr Druck geht kaum. Lammens hat im Team der “Roten Teufel” ohnehin noch wenig Erfahrung – das K.o.-Duell gegen die Iberer war erst sein drittes Länderspiel. Zuvor durfte er nur gegen Liechtenstein (7:0) und in einem Testspiel gegen die USA (5:2) ran – eine völlig andere Liga.

Die Torhüter-Tragik, die zum WM-Aus führte, war somit die bittere Pointe eines gebrauchten Abends, der für Belgien schon schlecht begonnen hatte. Die Mannschaft von Trainer Rudi Garcia hatte vor dem Match kurzfristig den Ausfall von Leistungsträger Youri Tielemans zu verkraften, der sich beim Aufwärmen verletzt hatte.

Rudi Garcia: “Manchmal zählen die Details”

Dementsprechend haderte Belgiens Coach Garcia nach dem Ausscheiden seiner Mannschaft. “Die Verletzungen waren natürlich nicht vorteilhaft für uns”, befand der 62-Jährige. “Gegen so eine Mannschaft darf man keine Fehler machen. Es war ein Spiel auf Augenhöhe, vor allem, als wir ausgeglichen hatten. Manchmal zählen die Details, es hat heute einfach nicht gereicht.”

Lammens dürfte trotz seines Fauxpas die Zukunft gehören – auch, wenn es nach Courtois geht. “Er ist ein fantastischer Torhüter mit einer vielversprechenden Zukunft. Dieser Moment wird ihn stärker machen”, sagte der Routinier. Für Courtois selbst war sein 21. WM-Spiel möglicherweise das letzte. Die Chance, Torhüter-Rekordhalter Manuel Neuer (23) durch zwei zusätzliche Spiele noch bei der aktuellen WM 2026 einzuholen, ist geplatzt.

Für den 34-Jährigen könnte es das letzte Welt-Turnier gewesen sein. Courtois war ebenso Teil der vermeintlich “Goldenen Generation” Belgiens wie Kevin De Bruyne (35 Jahre), Axel Witsel (37), oder Romelu Lukaku (33) aus dem aktuellen Kader. Sie gehen wohl als die “Unvollendete Generation” in die belgische Fußballhistorie ein, einen Titel holten sie in den letzten zwölf Jahren nicht.

Thibaut Courtois plant Pause

Eine definitive Entscheidung über seine Zukunft wollte Courtois unmittelbar nach dem Spiel nicht treffen. “Es wäre vielleicht gut, bei der Nations League ein Jahr auszusetzen. Um in diesem dichten Terminkalender vielleicht wieder etwas zur Ruhe zu kommen. Und dann für die Qualifikationsspiele und womöglich die EM 2026 zurückzukehren”, sagte er. “Aber: Letztendlich liegt die Entscheidung beim Trainer und beim Verband.” Eine Rolle dürfte dabei auch spielen, ob und wie sich Lammens künftig bewährt.


Quelle:

www.sportschau.de

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